»Klärschlamm ist kein Parfüm«

Firmenchef Johann Emter steht im Schongauer Stadtrat Rede und Antwort

Die Firma Emter will auf dem Gelände an der B472 erweitern, die Stadt Schongau ist dagegen. Firmenchef Emter sieht als Ursache für die Geruchsbelästigung allerdings die auf dem Areal befindliche Biogas-Anlage.
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Die Firma Emter will auf dem Gelände an der B472 erweitern, die Stadt Schongau ist dagegen. Firmenchef Emter sieht als Ursache für die Geruchsbelästigung allerdings die auf dem Areal befindliche Biogas-Anlage.
  • vonAstrid Neumann
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Schongau – Den Stadtrat über die geplante Erweiterung seiner Firma zu informieren, war das Anliegen von Chef Johann Emter. Das Gremium hatte die Pläne seiner gleichnamigen Firma auf Altenstadter Flur nämlich im Herbst abgelehnt und schließlich sogar beschlossen, Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einzulegen. Das Dauerthema Geruchsbelästigung – vor allem für den Schongauer Westen – wurde jedoch erneut ausführlich diskutiert. Hier will der Firmenchef nun Ursachenforschung betreiben.

Konkret plant Emter an seinem Standort am Wolfgarten an der B472 den Neubau einer Halle für die Anlagentechnik der Klärschlammtrocknungsanlage, einen Hallenanbau an die bestehende Klärschlammverbrennungsanlage für die Anlagentechnik der Brüdenkondensation und der Wärmerückgewinnung (wir berichteten). Dazu informierte Betriebsleiter Matthias Kauf in der jüngsten Sitzung des Schongauer Stadtrates.

Außerdem anwesend war Hans Schütz von der Umweltinitiative Pfaffenwinkel und „Das bessere Müllkonzept“. Nein, er sei nicht zur Firma Emter gewechselt, leitete Schütz ein. Firmenchef Johann Emter habe ihn jedoch gebeten darüber zu berichten, welche Erfahrung Umweltverbände mit seiner Firma gemacht haben. „Im Gegensatz zu einer anderen Firma im Schongauer Westen sehr gute“, fasste Schütz zusammen. Emter sei ein „zuverlässiger Partner“, der stets um Transparenz bemüht sei. „Das kann man nicht mit einer Müllverbrennungsanlage vergleichen“, hob Schütz mit Blick auf die Pläne Siegfried Schusters vom Heizkraftwerk Altenstadt hervor.

„Wir produzieren ja diesen Klärschlamm“, rief Schütz im Gremium ins Gedächtnis. Daher müsse man auch dafür Sorge tragen, diesen möglichst umweltfreundlich aufzubereiten, was durch die Firma Emter geschehe. „Wir müssen froh sein, solch eine Firma in der Nähe zu haben“, fasste Schütz auch mit Blick auf die kurzen Transportwege seine Einschätzung zusammen.

Kritik an Geruch bleibt

Dass der Klärschlamm nicht weit transportiert werden muss, darin sah auch Friedrich Zeller (SPD) einen Vorteil. Dennoch sei der Wolfgarten für Schongau leider der falsche Standort. Zeller wollte wissen, ob Fehler in der Betriebsführung für die störenden Gerüche verantwortlich seien. Ähnlich äußerte sich auch Bettina Buresch (Grüne), die den Betrieb zwar als modern und innovativ lobte, aber auch „offene Schwachstellen“ erkannte. Sie wollte wissen, ob nicht eine Art Schleuse nötig sei, um den Gestank weiter zu minimieren. Die Tore seien nur offen, wenn ein Lkw reinfährt, erwiderte der Emter-Chef. „Klärschlamm ist kein Parfüm“, machte er außerdem deutlich.

„Es stinkt, als würde man neben einer Biotonne liegen, die stundenlang in der Sonne gestanden hat“, fand Marianne Porsche-Rohrer (CSU) deutliche Worte. Es treibe die Bürger in Schongau West um, verdeutlichte auch Kornelia Funke (CSU). Johann Emter bot daraufhin an, jeder könne ihn jederzeit anrufen, um gemeinsam die Gerüche zu analysieren und die Ursache dafür zu suchen.

Gleichzeitig versicherte er, dass die neue Klärschlamm-Trocknungsanlage mit der modernsten Technik ausgestattet werde und nennt den Verursacher für den Gestank aus seiner Sicht: „Das Problem ist die Biogas-Anlage.“ Die Aufbereitungsanlage befindet sich auf dem Firmengelände und wird von der Tochterfirma Öko-Power GmbH betrieben. Die Anlage sei veraltet und habe „Macken“, so Emter. Der bestehende Vertrag mit Erdgas Schwaben laufe aber in zweieinhalb Jahren aus.

Er wolle jedoch umgehend alle Verantwortlichen versammeln und dafür sorgen, dass nichts mehr nach außen geht. „Das verspreche ich ihnen“, so Emter im Gremium. Den Bürgern sei es relativ egal, wo der Gestank herkomme, fügte Michael Eberle (CSU) an. Die Ursachen für den Gestank könnten seiner Meinung nach auch woanders liegen. „Wir müssen Sie als Verursacher ausschließen“, so der CSU-Stadtrat zu Firmenchef Emter.

Astrid Neumann

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