Peitings neues Oberhaupt:

Der weite Weg ins Rathaus: Interview mit Peter Ostenrieder

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Mitten in Peiting – vor der Basiliwiese: Peter Ostenrieder, der neugewählte Bürgermeister.

Peiting/Birkland – Der Weg ins Rathaus ist weit. Das weiß der neu gewählte Bürgermeister Peter Ostenrieder (CSU) nur zu gut. 24 Jahre war er Gemeinderat; nach der ersten Kandidatur 2008 hat er es jetzt in einem intensiven Wahlkampf über mehr als ein Jahr im zweiten Anlauf in der Stichwahl geschafft. Für einen Bürgermeister außergewöhnlich weit ist der Weg ins Rathaus. Von Birkland, wo er wohnt, sind es einfach zehn Kilometer. Die Vorgänger Klement Sesar (1978 bis 1996) und Michael Asam (1996 bis 2020) haben nur einen Kilometer gehabt. Der Kreisbote befragte Ostenrieder einige Tage nach der Wahl.

Nach dem Wahlsieg ist vor dem Amtsantritt: Was steht bis Anfang Mai noch alles auf der Agenda
Ostenrieder: „Die Überleitung meiner Firma, letzte Abstimmungen mit meinen Mitarbeitern. Da ich ja ab Mai voll im Rathaus sein werde und möchte, werden die das Unternehmen weiter am Laufen halten. Außerdem erste Gespräche mit Michael Asam zur Übergabe, Gespräche mit den Fraktionen des neuen Gemeinderats und die Beantwortung unzähliger Glückwunschmails, -nachrichten und -briefe.“

Was hat – im Abstand einiger Tage betrachtet – den Ausschlag für den Sieg in der Stichwahl mit 56 Prozent bzw. mit 800 Stimmen Vorsprung gegeben?
Ostenrieder: „Ich denke schon, dass letztendlich die 24-jährige kommunalpolitische Erfahrung vor Ort und im Landkreis, die Verwurzelung in Peiting und zugleich die Vernetzung in Politik, Vereinen und Betrieben den Peitingerinnen und Peitingern ein wichtiges Argument waren.“

Mit Haut und Haaren das Amt des Bürgermeisters ausüben, war einer Ihrer Sätze im Wahlkampf. Wie bringen Sie das mit der eigenen Firma in Einklang?
Ostenrieder: „Wie oben schon angedeutet, wird mein Unternehmen von meiner bisherigen Belegschaft weitergeführt. Das haben wir natürlich ausgiebig geübt und vorbereitet, und ich denke, das wirklich tolle Team wird das auch vorbildlich machen.

Auch wenn Sie sich aus dem operativen Geschäft in der Werbeagentur herausnehmen, bleiben Sie Inhaber, also Gesellschafter. Das erfordert doch auch Zeit und Energie.
Ostenrieder: „Die Zeit und Energie wird sich auf ein/zwei Besprechungen in der Woche reduzieren, genauso wie es auch der Fall bei anderen Bürgermeistern ist, die sich noch um ihren Betrieb oder ihren Bauernhof kümmern müssen. Das wird kein Problem sein, deswegen haben wir es ja von langer Hand schon geübt und vorbereitet. Als ursprünglich Selbständiger muss man natürlich seine berufliche Basis zunächst schon behalten, man könnte ja auch wieder abgewählt werden nach sechs Jahren.“

Was werden Sie am ersten Tag im Rathaus machen?
Ostenrieder: „Nachdem der erste Tag ein Feiertag ist, werde ich ganz einfach nur an meinem neuen Arbeitsplatz probesitzen und die Situation auf mich wirken lassen und richtig genießen. Am ersten Arbeitstag dann werde ich mich – sofern das möglich ist – bei möglichst vielen Mitarbeitern persönlich vorstellen, denn ich bin dann ja auch für über 100 Mitarbeiter verantwortlich.“

Zur Basiliwiese: Wollen Sie zwecks Erwerb nochmals nachfassen, oder ist das Thema für immer durch?
Ostenrieder: „Für immer würde ich das nicht ausschließen, aber aktuell haben wir andere Themen, die es zu behandeln gibt und bei denen ein greifbares Ergebnis auch näher liegen dürfte als bei einer solchen Ewigkeitsdiskussion.“

Stichwort zweiter Bürgermeister: Die Bürgervereinigung, mit sechs Sitzen im Gemeinderat künftig genauso stark wie die CSU, bringt da Andreas Schmid als Kandidaten ins Spiel. Es heißt aber: Ihr zwei könnt aber nicht so miteinander, auch wenn er das CSU-Parteibuch hat?
Ostenrieder: „In den vergangenen 24 Jahren hat es nie eine Rolle gespielt, wer die zweitgrößte Fraktion war. Warum sollte das jetzt plötzlich ein Argument sein! Ich denke, es ist auch egal, ob jemand ein Parteibuch hat oder nicht. Wichtig ist, dass man ihm oder ihr vertrauen kann.“

Vom Wohnort Birkland ins Peitinger Rathaus sind’s zehn Kilometer. Eine Distanz, die sich mit dem kleinen Flitzer Fiat Cinquecento Turbo gut zurücklegen lässt. Oder denken Sie mit Blick auf viele Termine auch daran, ein Zimmer in Peiting zu nehmen?
Ostenrieder (lacht): „Daran habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht gedacht, aber man müsste mal prüfen, ob man im gleichen Ort auch den Erst- und den Zweitwohnsitz gleichzeitig anmelden könnte. Bisher bin ich noch von jedem Termin in Peiting gut nach Hause gekommen; ich denke, das krieg ich auch künftig hin. Ich freu mich jedenfalls auf viele Termine im neuen Amt und bin gespannt, was auf mich zukommt.“

Interview: Johannes Jais

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