Knappes Votum:

Wohnkomplex statt Bauernhaus in der Freistraße

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Das Anwesen an der Freistraße, das abgerissen werden und einem Wohnkomplex weichen soll, hat einen schönen eingewachsenen Garten.

Peiting – Denkbar knapp ist das Votum dazu ausgefallen, dass an der Freistraße mitten in Peiting ein Investor anstelle des bisherigen Bauernhauses mit leerstehender Stallung ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen errichten darf. Die Abstimmung im Bau- und Umweltausschuss endete mit fünf zu vier Stimmen. Damit setzte sich die Mehrheit im Gremium über die Bedenken von Marktbaumeister Fabian Kreitl hinweg.

„Ich kann nur abraten“, wandte sich Kreitl an die Herren im Gremium. Das Ortsbild an der Straße werde stark beeinträchtigt. Der Marktbaumeister vertrat die gleiche Ansicht wie Petra Asanger-Strobl, die als Sanierungsarchitektin für Bauvorhaben im Kerngebiet stets zu Rate gezogen wird und die sich in einer schriftlichen Stellungnahme kritisch zu dem Vorhaben äußerte – vor allem wegen der Gestaltung auf der Südseite und zudem wegen der Westfassade mit ungewohnten Fenstern.

Ein zurückgesetzter Balkon und teils negative Dachgauben sind Marktbaumeister Kreitl ein Dorn im Auge. Dass die Wand für das Obergeschoss erst einige Meter weiter hinten und nicht wie im Erdgeschoss nah an der Straße hochgezogen wird, ist „gewöhnungsbedürftig“, wie es Gemeinderat Andreas Barnsteiner von der Bürgervereinigung (BV) formulierte. „Eine gewisse Hemmschwelle sollte nicht überschritten werden“, mahnte Barnsteiner zur Vorsicht. Dem berechtigten Wunsch auf Nachverdichtung in der Ortschaft ohne zusätzlichen Flächenverbrauch an der Peripherie stünde schon der Charakter des bestehenden Ensembles gegenüber. Barnsteiner: „Der Architekt soll seine Hausaufgaben machen.“

Franz Seidel (ebenfalls BV) meinte dazu, der Charakter der Freistraße sei bereits seit den Sechzigerjahren verändert worden. Auch weiter ortseinwärts habe man an der Frei­straße in drei weiteren Gebäuden leer stehende Stallungen. Für Gunnar Prielmeier (SPD) war wesentlich, was die Sanierungsarchitektin dazu sagt. „Aber entscheiden tun schon wir“, antwortete Bürgermeister Peter Ostenrieder, der freilich ebenso wie Prielmeier und zwei weitere Räte gegen das Vorhaben stimmte.

Ein Befürworter war Thomas Elste (Grüne). Es gäbe keinen Grund, dagegen zu sein. Lieber sei ihm, das Grundstück an der Freistraße zu entwickeln – auch mit modernem Gesicht –, als das alte Gebäude leer stehen zu lassen.

„Eine Nutzung innerorts ist genau das, was wir wollen“, betonte Norbert Merk (CSU). Er plädiere für möglichst große Freiheit, bekundete er seine Meinung, bevor es zur Abstimmung kam. Nach der knappen Befürwortung im Bauausschuss hat das Landratsamt Weilheim-Schongau das letzte Wort zu diesem geplanten Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten und einer Tiefgarage. Im alten Anwesen an der Freistraße 23, das nah an der Straße steht, sind bisher Räume für eine Asylbewerberunterkunft vermietet. 

jj

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