Früheres Armenhaus:

300.000 Euro als Mindestpreis

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Ehemals Armenhaus der Gemeinde, zuletzt Unterkunft für sozial Schwache und Obdachlose: das Anwesen am Uhrerskreuzweg, das seit Herbst 2018 leer steht.

Peiting – Wenn der Markt das gemeindliche Anwesen am Uhrerskreuzweg 1 verkaufen möchte, das früher Armenhaus war bzw. als Unterkunft für Obdachlose und sozial schwache Mieter diente, dann wird er für das tausend Quadratmeter große Grundstück ungefähr 300.000 Euro ansetzen. Veräußert werden soll die Fläche mit dem stark baufälligen Haus, wo im Herbst die letzten Bewohner ausgezogen sind, in einem Bieterverfahren.

Zwölf Klingeln befinden sich auf der Südseite am Eingang des Hauses mit der grünen Fassade. Neben einer Klingel steht noch der Name eines Mannes mit seiner Partnerin. Doch das Haus ist menschenleer. Die Mieter, die zuletzt in diesem Gebäude lebten, sind entweder in die Obdachlosenunterkunft im früheren Klärwärterhaus umgezogen oder in die neu errichteten Wohnungen an der Föhrenstraße. Der Marktgemeinderat wollte mit der Veräußerung auf jeden Fall so lange warten, bis das Anwesen vollständig unbewohnt ist.

Schon im Dezember 2015 hatte sich der Marktgemeinderat mit der Frage befasst, das Anwesen am Uhrerskreuzweg 1 in Peiting mit dem 1.033 Quadratmeter großen Grundstück herzugeben. Damals hatte sich das Gremium dafür ausgesprochen, das Anwesen in einem zweistufigen Bieterverfahren zu veräußern. Dazu ist ein Mindestangebot vorzusehen, das dem aktuellen Bodenrichtwert entspricht. Für das betroffene Grundstück waren dies – mit Stand von Ende 2016 – zirka 237.600 Euro. Je Quadratmeter waren es umgerechnet also 230 Euro.

Bei dem Bieterverfahren handelt es sich um keine Auktion. Die Gemeinde bleibt frei in ihrer Entscheidung, ob sie ein Angebot tatsächlich annimmt. Gleiches gilt andererseits auch für den Bieter. Der bindet sich noch nicht, wenn er ein Angebot gibt; es handelt sich vielmehr um eine Kaufabsichtserklärung.

Das Gebäude sei in einem „desolaten Zustand“, sagte Bürgermeister Michael Asam im Gemeinderat. Nun habe man erneut einen Gutachter gefragt. Bei den Grundstückspreisen, die angezogen hätten, könne man in diesem Fall zwischen 300 und 350 Euro je Quadratmeter ansetzen, erklärte dazu Stefan Kort, der geschäftsleitende Beamte.

Abbruchkosten berücksichtigen

Gemeinderat Gerhard Heiß (CSU) brachte das Stichwort der Abbruchkosten in die Diskussion ein. Bürgermeister Asam meinte, dass alles abgerissen werde, sei noch nicht definitiv. Eine Sanierung am Gebäude sei nicht ausgeschlossen. Heiß erwiderte, wenn schon die Gemeinde kein Interesse an dem Anwesen habe, dann werde auch ein neuer Eigentümer nicht das Haus erhalten.

CSU-Fraktionssprecher Peter Ostenrieder brachte den Vorschlag, dass die Marktgemeinde im Bieterverfahren den Gutachterpreis minus der Abbruchkosten verlangen solle. Deswegen plädiere er für 300.000 Euro als Mindestpreis.

SPD-Fraktionssprecher Herbert Salzmann warb ebenfalls dafür, nicht zu hoch ins Bieterverfahren reinzugehen. „Wir sollten als Gemeinde nicht dazu beitragen, dass die Preise weiter angeheizt werden“, bekundete Salzmann. 300.000 Euro seien aber angemessen.

Johannes Jais

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