Ex-Landrat OB-Kandidat in Memmingen

Friedrich Zeller will's nochmal wissen

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Friedrich Zeller (SPD) will in Memmingen die Nachfolge des verstorbenen Oberbürgermeisters Markus Kennerknecht antreten.

Schongau/Memmingen – Zwölf Jahre war Friedrich Zeller Bürgermeister in Schongau, es folgten sechs Jahre als Landrat. 2014 verlor der 50-Jährige bekanntlich das Amt an Andrea Jochner-Weiß. Das politische Wirken des gebürtigen Memmingers beschränkt sich seitdem auf den Schongauer Stadtrat sowie den Kreistag. Doch damit könnte bald Schluss sein: Am Dienstag wurde bekannt, dass Zeller für die SPD als Kandidat für das Oberbürgermeisteramt in Memmingen ins Rennen geht. Er soll auf Markus Kennerknecht folgen, der am 28. Dezember nach nur 38 Tagen im Amt beim Joggen eine tödliche Herzattacke erlitten hatte.

Herr Zeller, Am Dienstag hat sich der Ortsvorstand der Memminger SPD für Sie als Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt ausgesprochen. Was hat Sie bewegt, Ihren Hut in den Ring zu werfen?

Zeller: „Nach dem plötzlichen Tod von Oberbürgermeister Markus Kennerknecht ist die Memminger SPD auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen könnte. Ich habe daraufhin mit meiner Frau gesprochen und eine Nacht drüber geschlafen. Dann ist die Entscheidung gefallen.“

Es war nicht das erste Mal, dass die Memminger Sozialdemokraten bei Ihnen anklopften. Schon 2014, nachdem Sie die Wahl zum Landrat verloren hatten, waren Sie im Gespräch als Nachfolger für Ivo Holzinger, der 2016 aus Altersgründen nicht mehr kandidieren durfte. Damals sagten Sie ab.

Zeller: „Dafür gab es mehrere Gründe. Nach der Wahlniederlage wollte ich erst einmal eine Auszeit vom politischen Geschehen, brauchte Zeit für private Dinge und auch Zeit, um neue Kraft zu tanken. Dazu kam, dass ich mich gerade als Berater für Personalentwicklung selbständig gemacht hatte und dabei Markus Kennerknecht kennenlernte. Er erschien mir sofort als geeigneter Mann für das Amt des Oberbürgermeisters, weshalb ich ihn der Memminger SPD empfahl.“

Mit Erfolg: Im November gewann der 46-Jährige die Stichwahl. Sein tragischer Tod nach nur 38 Tagen im Amt hat landesweit Bestürzung ausgelöst. Wie nah standen Sie beide sich?

Zeller: „Sehr nah. Ich habe ihn persönlich im Wahlkampf begleitet. Unsere berufliche Verbindung ist schnell zu einer Freundschaft geworden. Sein früher Tod ist eine Tragödie.“

2014 sagten Sie in einem Interview, dass Sie kein berufsmäßiges politisches Mandat mehr anstreben würden. Weshalb jetzt die Kehrtwende?

Zeller: „Das ist mittlerweile drei Jahre her. Die familiäre Situation ist eine andere. Zwei unserer Kinder studieren, wohnen nicht mehr bei uns. Die jüngste Tochter macht heuer ihren Realschulabschluss. Der Zeitpunkt für eine Veränderung ist günstig. Ich bin erst 50, da kann man nochmal neu angreifen.“

Wie schwer wird es für Sie und die SPD, nach dem Tod von Kennerknecht zur Normalität eines Wahlkampfes überzugehen?

Zeller: „Außerordentlich schwer. Wären wir nicht von Gesetzes wegen in Zugzwang, bis zum 2. Februar einen Kandidaten zu melden für die Wahl im März, hätten wir uns diese Woche sicher nicht getroffen. Nicht nur wir, sondern auch die Bevölkerung steht noch unter Schock. Markus Kennerknecht war außerordentlich beliebt. Aus Respekt vor ihm und seiner Familie werden wir in den nächsten Wochen einen sehr zurückhaltenden Wahlkampf führen.“

Sie stammen aus Memmingen, sind dort aufgewachsen. Das dürfte aber vermutlich nicht der einzige Grund dafür sein, dass Sie Bürgermeister ihrer Heimatstadt werden wollen. Was reizt Sie an dem Amt?

Zeller: „Memmingen ist eine echte Bürgerstadt mit großem Potential. Dazu herrscht im Stadtrat eine Kultur, die ich sehr schätze. Hinzukommt die besondere Situation als kreisfreie Stadt, die mit Aufgaben betraut ist, die ansonsten der Landkreis übernimmt. Das ist eine große Herausforderung.“

Interview: Christoph Peters

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