Von diebischen Elstern und der Odyssee

Frühjahrskonzerte der Stadtkapelle Schongau mit Taktstock-Übergabe

+
Rund drei Stunden konnten die Besucher des Frühjahrskonzertes der Schongauer Stadtkapelle in der Lechsporthalle musikalisch genießen.

Schongau – Am Ostersonntag und am Ostermontag fanden in der Lechsporthalle in Schongau die Frühjahrskonzerte der Stadtkapelle Schongau statt. Am Ostersonntag war die Lechsporthalle bis auf wenige Plätze voll besetzt. Es waren besondere Konzerte – nicht nur, weil sie musikalisch wie gewohnt auf höchstem Niveau waren, sondern auch, weil es die letzten Konzerte unter dem Dirigat von Marcus Graf waren. Er übergibt aufgrund seiner neuen Verpflichtungen als Musikschul-Leiter den Taktstock an Andreas Immler, bleibt der Stadtkapelle aber im Trompetenregister erhalten.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Marsch „Eherne Wehr“ von Georg Fürst. Weiter ging es mit imposanter Filmmusik aus „Ben Hur“. Danach erfüllten die eingängigen Melodien aus der Ouvertüre zur Oper „La Gazza Ladra“ (die diebische Elster) die Lechsporthalle. Vor allem das Holzregister zeigte hier sein Können und das von Moderatorin Kathrin Beckstein angekündigte finale Crescendo kam deutlich und prägnant und setzte einen fulminanten Schlusspunkt.

Beckstein ließ in ihre Moderation folgende Anekdote einfließen, die Rossini zur Entstehung des Stückes berichtet: „Das Vorspiel zur Diebischen Elster habe ich am Tag der Uraufführung unter dem Dach der Scala geschrieben, wo mich der Direktor gefangengesetzt hatte. Ich wurde von vier Maschinisten bewacht, die die Anweisung hatten, meinen Originaltext Blatt für Blatt den Kopisten aus dem Fenster zuzuwerfen, die ihn unten zur Abschrift erwarteten. Falls das Notenpapier ausbleiben sollte, hatten sie die Anweisung, mich selbst aus dem Fenster zu werfen.“

Das Stück „Bonaparte“, aus der Feder von Otto M. Schwarz erzählt von Napoleon, von dessen Exil auf Elba, der Schlacht von Waterloo und seinem Charakter sowie von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Vor zehn Jahren war die Stadtkapelle mit Bonaparte als Selbstwahlstück bei den Wertungsspielen angetreten und nun wurde es aus Anlass des Abschieds von Marcus Graf nochmals aufgelegt.

Einen Höhepunkt setzte „Return to Ithaca“, das musikalisch das Epos Odyssee von Homer erzählt. „Sing mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung, vieler Menschen Städte gesehen, und Sitte gelernt hat, und auf dem Meere so viel‘ unnennbare Leiden erduldet“ – so beginnt die Odyssee. Die Musiker der Stadtkapelle nahmen ihre Zuhörer mit auf diese Reise: vom Unterwasserreich des Poseidon, zu Polyphem, zu Kalypso, Zirze und den Sirenen bis hin zu Athene und zurück nach Hause auf Ithaka und zu Penelope. Es waren zum Beispiel orientalisch anmutende Klänge, eine abgewandelte Kalinka – in beachtlichem Tempo – und ein Calypso, die die Zuhörer ins antike Griechenland entführten. Besonders erwähnenswert ist hier das Schlagwerk, das das ganze Konzert über mit vielen Effekten, Untermalungen und Lautmalereien für Abwechslung und Rhythmus sorgte.

Weitere Höhepunkte waren das Xylophon-Solo „Erinnerungen an Zirkus Renz“, bei dem der Jüngste aus dem Schlagwerk, Felix Ruhland, brillierte. Ein weiteres Solo spielte Andreas Immler. Auf Posaune und Bariton zeigte er sein Können bei „Für meine Freunde“. Im Anschluss übernahm Andreas Immler, der in Zukunft die Stadtkapelle leiten wird, den Taktstock für das Marsch-Potpourri „Marsch-Konfetti“. Xaver Lecheler hat bei diesem Stück die verschiedensten Märsche so arrangiert, dass sie ineinander fließen und ineinander übergehen. Die einzelnen Register übernehmen dabei immer wieder Parts aus verschiedenen Märschen, die gleichzeitig erklingen und somit miteinander verwoben werden. Die Schongauer Musiker sind dabei in den einzelnen Registern aufgestanden, so dass es dem Publikum möglich war, die einzelnen Musikstränge herauszuhören.

Außer den genannten Stücken standen noch auf dem Programm: „Concierto de Mariachi“, bei dem vor allem das Trompetenregister brillieren konnte, „Symphonic Marches“, „Ausgewählt für Sie“, „Musikantensehnsucht“ und „Dem deutschen Jäger“ – zu dem Marcus Graf mutmaßlich animiert wurde, weil die Stadtkapelle sich im Fasching als Wald verkleidet hatte.

Ein Konzert ist auch immer der Rahmen, in dem verdiente Musiker geehrt werden. Arthur Keck, stellvertretender Bezirksleiter des Musikbundes von Ober- und Niederbayern, Bezirk Oberland, durfte Susanne Schütz (seit 2017 Schriftführerin der Stadtkapelle) und Florian Bader jeweils für 25 Jahre aktives Musizieren ehren. Die Ehrung für 50 Jahre erhielt Jürgen Lindner. Er war von 1988 bis 2011 Schriftführer, von 2011 bis 2017 Beisitzer und ist als „Haus-, Hof- und Vereins­elektriker“ stets gefragt. Vorstand Michael Horn gratulierte außerdem den Musikern, die die Leistungsabzeichen D1 Bronze und D2 Silber abgelegt haben. Mit Anna Lang und Emma Schmidt konnten außerdem zwei neue Mitglieder in der Kapelle begrüßt werden.

Eine ganz besondere vereins­interne Ehrung gab es dann auch noch. Marcus Graf wurde feierlich zum Ehren-Dirigenten ernannt. 23 Jahre habe Marcus Graf für die Stadtkapelle 100 Prozent gegeben, so Michael Horn. Marcus Graf habe in den Jahren seines Dirigates das notwendige Engagement weit überschritten, sein unglaublicher Einsatz habe dafür gesorgt, dass die Zahl der aktiven Musiker von 40 auf 80 gestiegen sei, dies sei vor allem auf seinen Einsatz in der Jugendarbeit zurückzuführen. Schlafen und Ausruhen seien Fremdwörter für Marcus Graf gewesen, der aus „der“ Stadtkapelle Schongau „seine“ Stadtkapelle gemacht habe.

Der Grund dafür, dass Marcus Graf den Taktstock nun an Andreas Immler übergibt und selbst im Trompetenregister Platz nimmt, ist sein neues Engagement als Leiter der Musikschule und die damit einhergehenden Verpflichtungen.

Nach den drei Zugaben und herzlichen persönlichen Dankes- und Abschiedsworten von Marcus Graf selbst, der sich vor allem beim Publikum für die Treue und den Applaus sowie bei seinen Musikern bedankte, endete das Frühjahrskonzert nach rund drei Stunden.

löw

Auch interessant

Meistgelesen

Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Führungswechsel bei der Schongauer SPD
Führungswechsel bei der Schongauer SPD
Peitinger SPD benennt ihre Kandidaten für Kommunalwahl
Peitinger SPD benennt ihre Kandidaten für Kommunalwahl
"Von Saege bis Brecht" unterhält Besucher
"Von Saege bis Brecht" unterhält Besucher

Kommentare