Auch in der Region:

Frust am Bau: Hohe Preise, schwieriger Nachschub

Die Auftragsbücher voll, doch die Bedingungen widrig: Die Preise für Baumaterial sind hoch und klettern rasant. Globale Entwicklungen wirken sich so auch lokal aus.
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Die Auftragsbücher voll, doch die Bedingungen widrig: Die Preise für Baumaterial sind hoch und klettern rasant. Globale Entwicklungen wirken sich so auch lokal aus.
  • VonRasso Schorer
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Landkreis – Die Preise für Baumaterial wie Holz, Metall und Dämmstoffe steigen und steigen seit Ende des letzten Jahres, gleichzeitig kommt es zu Lieferengpässen. Bauherren spüren das deutlich, doch nicht nur sie stellt die Lage vor große Probleme. „Das Handwerk hat damit Schwierigkeiten“, sagt Roland Streim. „Ein Irrsinn“, fasst der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Oberland zusammen, der Begriff der „Bauflation“ macht die Runde.

Landkreis – Die Preise für Baumaterial wie Holz, Metall und Dämmstoffe steigen und steigen seit Ende des letzten Jahres, gleichzeitig kommt es zu Lieferengpässen. Bauherren spüren das deutlich, doch nicht nur sie stellt die Lage vor große Probleme. „Das Handwerk hat damit Schwierigkeiten“, sagt Roland Streim. „Ein Irrsinn“, fasst der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Oberland zusammen, der Begriff der „Bauflation“ macht die Runde.

Die einen Betriebe kommen mit der Situation besser, die anderen weniger gut klar, sagt Streim. Der Nachschub an Material komme mitunter schleppend, „wenn überhaupt“, schildert er. Die Preise klettern in immer kürzeren Abständen in immer größere Höhen. „Betriebe suchen Leute und können sie dann mangels Material nicht beschäftigen.“ Das gelte über viele Gewerke hinweg.

Am 15. März kostete der laufende Meter Kantblech 19,28 Euro, zeigt der Geschäftsführer der Kreishanderwerkerschaft auf. Am 14. April waren es 23,95 Euro. Ende 2020 geriet die Spirale mächtig in Bewegung, beobachtet Streim Steigerungen von bis zu hundert Prozent.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) verwies schon im März auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach Holz um rund 15 bis 20, Dieselkraftstoff um zirka 20, Mineralölerzeugnisse um 15 und Betonstahl um fast 30 Prozent teurer sei als im September. „Das wird nicht langen“, schätzt Michael Andrä, Geschäftsführer bei Andrä & Hofmann Zimmerei & Gerüstbau sowie Obermeister der Zimmerer-Innung-Oberland und Stellvertretender Kreishandwerksmeister die Lage ein und verweist wie Streim auf Preisverdopplungen bei einzelnen Produkten.

Kein Unternehmen könne erfolgreich sein, wenn seine Rechnung nicht aufgeht, erklärt Streim, dass die Handwerker die steigenden Materialpreise an die Kunden weitergeben und zu Absicherungen wie Preisgleitklauseln übergehen. Auch ihnen fällt die mittel- und langfristige Kalkulation schwer, wenn die verbindliche Basis fehlt, um Vereinbarungen auf sicherem Fundament abzuschließen. Die Angebote sind draußen, die Lagerflächen überschaubar – und in der Zwischenzeit galoppiert der Materialpreis.

»Nicht mehr kalkulierbar«

„Es ist nicht mehr kalkulierbar“, verdeutlicht Andrä. Die Preisabfrage vom Freitag könne sich am Montag schon wieder völlig anders darstellen. „Festangebote sind so faktisch nicht möglich.“ Er verstehe, wenn den „Leuten das Bauen vergeht“. Mit dem Vertragspartner gelte es Lösungen zu finden, gegebenenfalls auf andere Baustoffe auszuweichen. „Der Kunde muss tiefer in die Tasche greifen und die Firmen Abstriche machen.“

Zu jammern, das sei der falsche Weg und immerhin sei die Auftragslage nach wie vor gut, so Streim. Doch er fürchtet einen Vertrauensverlust seitens der Kunden.

Dass die Preise steigen, findet Streim erklärbar. Diese seien nun mal Ausdruck von Angebot und Nachfrage. Im Privatbereich beobachte er einen Bauboom, so Andrä. „Die Leute können nimmer in den Urlaub und investieren stattdessen in großem Maße.“ Und weil der Markt global ist, wirken sich eben auch solche Entwicklungen unmittelbar auf Projekte im Landkreis Weilheim-Schongau aus, die sich eigentlich am anderen Ende der Welt abspielen.

ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa begründet so: „Im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der Pandemie wurden im ersten Halbjahr 2020 infolge des Nachfrageeinbruchs weltweit Produktionskapazitäten heruntergefahren. Insbesondere mit dem Anspringen der Konjunktur in China im dritten Quartal 2020 wuchs die Nachfrage schneller, als weltweit die Produktionskapazitäten wieder hochgefahren werden konnten.“ Der ZDB nennt ferner den Wintereinbruch in den USA als Erschwernis. Auch, dass die USA ihr Holz derzeit nicht in Kanada einkaufen, sondern stattdessen eine gewichtige Rolle auf dem europäischen Markt einnehmen, gilt als Grund.

Vielzahl an Faktoren

Woher die Preissteigerungen kommen, dazu wolle er nicht „orakeln“, sagt Streim. Klar sei: Vieles ist mit vielem verquickt, die Lage ist vielschichtig und die Zeiten dynamisch. So sieht es auch Andrä. Dass stark regional – darunter fasst der Verband wohlgemerkt Deutschland beziehungsweise Europa zusammen – produzierte und verbrauchte mineralische Baustoffe in ihren Preisen weniger sprunghaft sind, bestätigt der ZDB. Die Aufwärtsentwicklung der Einkaufspreise für Kies, Sand, Zement und Beton folge hier der starken Baukonjunktur und verlaufe stetig.

„Mei“, fasst Christian Erhard, Geschäftsführer beim Bauunternehmen Josef Erhard aus Rottenbuch zusammen, „zum Teil kann man die Preise umlegen, teils nicht“. Dass der Stahl nun 35 bis 40 Prozent teurer ist, habe sich abgezeichnet. Überraschender sei da schon die Entwicklung bei der Dämmung gekommen. Auf dem großen Lagerplatz sei noch Vorrat vorhanden, sodass er sein Unternehmen für drei bis vier Monate eingedeckt sieht. Ganz nachvollziehbar finde er die Lieferengpässe nicht, vermutet Erhard dahinter einen Hebel, um die Preise anzuziehen. „Ich glaube, das ist auch ein Politikum.“

Am Ende sei es die Industrie, die mit Handwerkern und Kunden Katz und Maus spiele, zürnt auch Andrä und äußert sich damit ähnlich wie weitere Unternehmen aus dem Altlandkreis Schongau, die ihren Namen in diesem Zusammenhang aber nicht genannt sehen wollen.

Der Bauholzpreis ist hoch, beim Waldbauern komme aber kaum etwas an, ärgert sich Andrä. „Wie diese Produzenten abgespeist werden, ist lächerlich.“ „Vielleicht lehrt uns diese Phase, dass wir wieder kleinteiliger denken“, hofft Streim. „Handwerker tun das schon immer.“

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