Hinter Beton und Metalltüren

Im Innern des Lechtalbrücken-Giganten

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Jede Menge Beton und Stahl: Die Führung mit Andreas Wiedemann durch die Lechtalbrücke hielt einige Informationen parat.
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Jede Menge Beton und Stahl: Die Führung mit Andreas Wiedemann durch die Lechtalbrücke hielt einige Informationen parat.
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Jede Menge Beton und Stahl: Die Führung mit Andreas Wiedemann durch die Lechtalbrücke hielt einige Informationen parat.

Schongau/Peiting – Für 1.561 Kilometer Straßen des überörtlichen Verkehrs ist das Staatliche Bauamt Weilheim zuständig, darunter 791 Brücken. Eine der spektakulärsten überspannt die 400 Meter breite Lechstaustufe 6 zwischen Schongau und Peiting – die Lechtalbrücke. Ihr widmete sich jüngst ein ganz besonderer Ausflug, der spannende Informationen und rare Einblicke bot.

Ein Schritt durch eine beschmierte Metalltüre, die dünner ist als gedacht, dann hat die Gruppe das Tageslicht verlassen. Um sie herum eine an diesem brütend heißen Freitag vergangener Woche angenehme Kühle; durchbrochen von einem hallend-asynchronen Dröhnen. Badomm-badomm... Stille ... Badomm-badomm.

Nicht darüber hinweg und auch nicht unter ihr hindurch, sondern mitten in die Lechtalbrücke hinein führt die rund 50 Interessierten dieser Termin der Ausflugsreihe „CSU unterwegs“. Nach einer Abzweigung, einem kurzen Auf- und Abstieg über eine Metallleiter und dem Schlupf durch einen Durchstieg, wartet die erste Überraschung.

Die Teilnehmer stehen in einem gut ausgestatteten Seminarraum. Detaillierte Pläne und Ansichten hängen an nacktem Beton; ein Beamer wirft sein Licht auf eine heruntergekurbelte Leinwand. Herr des angeschlossenen Laptops ist Andreas Wiedemann vom Staatlichen Bauamt Weilheim. Er sprüht vor Begeisterung. Wandelt er mit seinem Wissen über das Bauwerk und dem Willen, dies in der anstehenden Führung zu vermitteln, doch in die Fußstapfen des verstorbenen Alfred Grundner. Geistiger Vater der Lechtalbrücke und, laut Wiedemann, der als Berufseinsteiger den Bau vor rund 30 Jahren mitverfolgt hat, „mein Mentor“.

Jahrzehntelanger Vorlauf

Am 24. Juli 1992, also vor recht genau 27 Jahren, wurde die Lechtalbrücke für den Verkehr freigegeben. Doch ihre Entstehungsgeschichte ist um einige Kapitel länger. Der Plan aus den 50er-Jahren, das Voralpenland mit einer Autobahn in Ost-West-Richtung zu zerschneiden und die B17 zwischen Landsberg und Füssen zu einer solchen zu erweitern, war zugunsten einer anderen Idee verworfen worden: Stattdessen sollten die Bundesstraßen ausgebaut und die Ortschaften durch Umfahrungen entlastet werden – ein Unterfangen, das noch heute in der Umsetzung ist.

Bald kamen Forderungen nach einer Umfahrung Peitings und Schongaus auf. Doch der Weg über Vor- und Variantenuntersuchungen (1958), Raumordnungsverfahren, Vorentwurf und Planfeststellung (87/88) bis hin zum Baubeginn (Mai 87) war ein weiter. Zwischenzeitlich verzeichnete Peiting eine Spitzen-Verkehrsbelastung von 30.000 Autos pro Tag. „Das sind die Zahlen einer Autobahn“, erklärt Wiedemann.

Zehn mögliche Umgehungs-Verläufe wurden skizziert; lange war offen, ob die Lechstadt und die Marktgemeinde eine Südwest- oder Nordost-Umfahrung erhalten sollten. Am Ende wurde es erstere, mit einer Baulänge von 16 Kilometern. Auf 40 Millionen D-Mark beliefen sich die Kosten, davon 30 Millionen für zwölf Brücken, unter denen die Lechtalbrücke mit 21 Millionen den Löwenanteil verschlang.

In die Grundzüge des Brückenbaus entführt Wiedemann, 196 Präsentations-Folien hat er zum Thema vorbereitet. Klar wird: Die 590 Meter lange und 15,35 Meter breite Lechtalbrücke war ein äußerst anspruchsvolles Projekt. 29 Bewerber hatten die Ausschreibungsunterlagen angefordert, zehn trauten sich schlussendlich an ein Gebot heran – die allesamt deutlich über den angepeilten knapp 17 Millionen D-Mark lagen. Den Zuschlag erhielt die Firma Dyckerhoff & Widmann AG.

Sie verbaute 12.000 Kubikmeter Beton, 1.100 Tonnen Bau- und 500 Tonnen Spannstahl. 23,4 Meter ist der kürzeste, 38,5 Meter der längste Pfeiler hoch; die Bodenpressung beträgt zwischen 53 und 74 Tonnen pro Quadratmeter. 104,15 Meter messen die vier längsten Einzelstützweiten zwischen den Pfeilern. „Die übliche Traggerüst­bauweise war da kein Thema“, erklärte Wiedemann. Im Freivorbau mit Spannbeton wurde millimetergenau jede Herausforderung gemeistert – bis zur Fertigstellung im November 1991.

Übrigens: Mit 12.859 Kraftfahrzeugen, die bei einer Zählung im Jahr 2015 an einem Tag über die Lechtalbrücke brummten, lag diese hinter einer anderen Brücke zurück, die nicht Teil der Umfahrung ist: Die Schongauer Lechbrücke kam auf 13.288. 

Rasso Schorer

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