Eine Patientin berichtet

Fünf Jahre Tagesklinik für Schmerztherapie in Schongau

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Patientin Petra Schmid (rechts) berichtete von ihrer Schmerztherapie am Krankenhaus Schongau. Hier zusammen mit der leitenden Chefärztin Dr. Eva Mareen Bakemeier und Physiotherapeutin Petra Hechenberger (v. links).

Schongau – Im Juni 2015 nahm die Tagesklinik für Schmerztherapie am Krankenhaus den Betrieb auf. Mehr als 400 Patienten mit chronischen Schmerzen haben seitdem die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie durchlaufen.

Die häufigsten Schmerzerkrankungen waren dabei Rückenschmerzen sowie Kopfschmerzen/Migräne. Aber auch Patienten mit Ganzkörperschmerzen/Fibromyalgie, Nervenschmerzen, Gelenkschmerzen und Bauchschmerzen haben erfolgreich an der multimodalen Schmerztherapie teilgenommen. Patienten mit chronischen Schmerzen wünschen sich natürlich vor allem, dass der Schmerz möglichst schnell und einfach „weg gemacht“ wird.

„Chronische, häufig über Jahre bestehende Schmerzen können nicht einfach abgestellt werden“, formuliert Chefärztin Dr. Eva Mareen Bakemeier. „Ein chronischer Rückenschmerz beispielsweise fordert neben gezieltem Training der Rumpfmuskeln auch ein Neuerlernen von Bewegungsmustern. Chronische Schmerzen führen aber auch zu Dauerstress für Körper und Seele. Daher braucht es eben nicht nur Bewegungstherapien, sondern auch Entspannungstraining und häufig auch ein Überdenken von Verhaltensweisen“. In der Tagesklinik für Schmerztherapie arbeiten daher nicht nur Ärzte, Physio-/Ergotherapeuten und Pflegekräfte sondern auch Psychologen in enger Absprache miteinander.

Ziel der Schmerztherapie ist, dass die persönliche Lebensqualität nicht mehr durch den Schmerz beeinträchtigt wird. Das kann individuell den Erhalt der Arbeitsfähigkeit oder die Rückkehr in das Berufsleben bedeuten, sowie die Wiederaufnahme von Hobbies oder früheren sportlichen Aktivitäten.

Auch um das durch den anhaltenden Schmerz angeschlagene seelische Wohlbefinden wird sich gekümmert. Das alles braucht aber Zeit: Die Behandlung erfolgt über fünf Wochen an fünf Tagen der Woche. Abends und am Wochenende sind die Patienten zuhause und können dort das Erlernte gleich in ihrem Alltag ausprobieren. Die beteiligten Therapeuten stimmen ihre Behandlungsbausteine täglich ab. Dadurch können individuelle Verläufe besonders eng begleitet werden. „Gemeinsam mit den Patienten erarbeiten wir persönliche Ziele wie z.B. Verbesserung der Lebensqualität, Entdecken und Fördern eigener Stärken, Reaktivierung von sozialen Beziehungen oder Reduktion und Optimierung von Schmerzmedikamenten“, berichtet Dr. Bakemeier. „Langfristige Erfolge stellen sich nur ein, wenn Patienten nicht nur während sondern auch nach der Therapie aktiv das hier Erlernte fortführen.“ Kleine Gruppengrößen von maximal acht Patienten ermöglichen dabei nicht nur die Erkenntnis, nicht allein zu sein mit seinen Schmerzen, sondern auch eine gegenseitige Unterstützung. Viele Patienten haben hier untereinander Freundschaften geschlossen und haben immer noch Kontakt miteinander“

"Wir haben viel gelacht"

Petra Schmid hat Anfang diesen Jahres an der fünfwöchigen Schmerztherapie teilgenommen. Seit drei Jahren bestanden chronische Schmerzen in den Beinen sowohl beim Gehen wie beim Schlafen. Sie hatte bereits viele Untersuchungen von verschiedenen Fachärzten sowie verschiedene Therapien durchlaufen, als ihre Hausärztin ihr die Tagesklinik für Schmerztherapie in Schongau vorschlug. Ein vollstationärer Aufenthalt kam für Petra Schmid aus familiären Gründen nicht in Frage. Sie sagt über ihre Zeit in der Tagesklinik: „Ich habe mich in den fünf Wochen so gut behütet und aufgehoben gefühlt“ und: „Wir haben viel gelacht“. Sie fand die Therapie gut, da sie alles selbst umsetzen konnte, was sie tagsüber erfahren und gelernt hatte. Zwar sind die Schmerzen nicht ganz verschwunden, aber nun weiß sie, was zu tun ist, wenn die Beine wieder schmerzen. „Die Therapie hat dauerhaft mein Lebensgefühl gestärkt“, sagt die Mutter von zwei Kindern. „Sowohl im Beruf wie im Privatleben haben alle schon registriert, dass ich deutlich entspannter bin. Ich arbeite nicht mehr krampfhaft To-do-Listen ab, schaue mehr auf mich und meine Ressourcen.“

Petra Schmid hat ihr Leben geändert, wird das Training im Fitnessstudio mit neuen Übungen wieder aufnehmen und sucht in Yoga bewusst Entspannung. Petra Hechenberger, Physiotherapeutin der Tagesklinik für Schmerztherapie bestätigt: „Bewegung ist ein ganz wichtiger Baustein in der Schmerztherapie. Wir trainieren hier gemeinsam und für jeden Patienten entwickeln wir ein individuelles Trainingsprogramm“. Petra Schmid hat das verstanden und hat die Motivation zur Weiterführung des Erlernten aus der Tagesklinik mit nach Hause genommen.

Auch nach der fünfwöchigen Schmerztherapie haben ehemalige Patienten immer noch die Möglichkeit, sich bei Bedarf wieder in der Schmerzambulanz der Tagesklinik vorzustellen. „Die größte Herausforderung kommt für unsere Patienten erst nach der Therapie, mit der Rückkehr in den beruflichen Alltag. Auch hier wollen wir unsere Patienten nicht allein lassen, sondern bieten ambulante Kontrollen an“, schließt Dr. Bakemeier. 

kb

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