Schongauer Stadtrat beschließt Konzept 5

Die Fußgängerzone kommt

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Die Fußgängerzone soll Wirklichkeit werden und für eine höhere Aufenthaltsqualität am Marienplatz sorgen.

Schongau – Lange wurde diskutiert, viele Jahre passierte nichts. Doch am Dienstag fiel im Stadtrat nun eine bedeutsame Entscheidung für Schongau: Die Fußgängerzone wird eingerichtet. Die Planungen dafür sollen schnellstmöglich beginnen.

Dass das Thema den Schongauern unter den Nägeln brennt, wurde bereits vor der Sitzung deutlich: Die sonst eher spärlich besetzten Besucherreihen waren überfüllt, immer wieder mussten neue Stühle in den Saal getragen werden; über 80 Gäste wollten die Entscheidung mitbekommen. Auch der Stadtrat war vollzählig anwesend. Das kommt selten vor.

Das Konzept 5 stand auf der Tagesordnung. Dieses wurde 2010 von einer eigens eingerichteten Arbeitsgemeinschaft erstellt, dann aber im Stadtrat knapp abgelehnt. „Das war aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung“, machte Bürgermeister Falk Sluyterman gleich zu Beginn seinen Standpunkt klar. „In meiner kurzen Amtszeit sind bereits zahlreiche Geschäfte geschlossen worden“, beklagte er den Leerstand vieler Läden in der Altstadt. „Am Ist-Zustand festzuhalten bedeutet Rückschritt.“

Nur durch eine Fußgängerzone sei es möglich, wieder Einzelhändler anzulocken, ist Sluyterman überzeugt. Er habe bereits mit mehreren „Expan- sionsmanagern“ von Kleiderketten gesprochen. Überall habe er die gleiche Aussage gehört: Neue Filialen werden nur in „1-A-Lagen“, also in Fußgängerzonen, eröffnet. Ein „lang ersehnter Magnet“ wie ein großes Klamottengeschäft sei jedoch eine Chance, endlich einen „Kundenbringer zu bekommen“.

Die Details zum Konzept 5 stellte Sebastian Dietrich vom Bauamt vor. Es sieht vor, dass der Bereich zwischen Marienbrunnen und Ballenhaus komplett für Fahrzeuge gesperrt wird. Ebenso der Bereich auf der einen Seite des Ballenhauses. Auf der anderen Seite soll zwischen Ballenhaus- und Lechtorstraße ein verkehrsberuhigter Bereich eingerichtet werden. Dort könnten bis zu fünf Parkplätze, möglicherweise für Menschen mit Behinderung, entstehen. Die zweite verkehrsberuhigte Zone soll zwischen Brunnen und Kirche entstehen. Auch hier könnten laut Konzept bis zu 17 Parkplätze und eine Wendemöglichkeit eingerichtet werden.

„Sämtliche Seitenstraßen bleiben uneingeschränkt zugängig“, hob Dietrich hervor. „Ohne unbefriedigende Sackgassen“ würde eine „nachvollziehbare Verkehrsführung durch Einbahnstraßen“ entstehen. 

Der Verkehr würde dadurch verlagert, vor allem auf die Christophstraße (ca. 20 Prozent mehr) und die Karmeliterstraße (60 bis 80 Prozent mehr). „Die Erfahrungen beim Historischen Markt und den Bauarbeiten haben gezeigt, dass es zu keinen größeren Verkehrsproblemen kommt“, erläuterte Dietrich die errechneten Verkehrszahlen.

Genügend Parkplätze trotz Fußgängerzone 

„Zu keinem Zeitpunkt, auch zu Verkehrsspitzen, sind mehr als 85 Prozent der Stellplätze belegt“, entkräftete er die Bedenken, dass eine Fußgängerzone zum Park-Chaos führen könnte. Außerdem soll ein konkretes Parkraumkonzept genügend Stellplätze schaffen. Die verschiedenen Zonen in der Stadt, die das Parken zwischen ein und drei Stunden ermöglichen sowie den Anwohnern ausreichend Platz bieten sollen, können mit dezentralen Flächen ergänzt werden. Die Parkmöglichkeiten im Altstadt- bereich würden sich dadurch trotz des Wegfalls am Marienplatz erhöhen.

Förderung nur für städtebauliche Aufwertung 

Ein ganz deutlicher Pluspunkt für die Fußgängerzone, da waren sich Dietrich und Sluyterman einig, sei die Förderung durch die Regierung von Oberbayern. Die würde nämlich nur zahlen, wenn auch tatsächlich eine „deutliche städtebauliche Aufwertung“ entsteht. „Das City-Konzept mit der halbseitigen Sperrung haben wir daher gar nicht auf die Tagesordnung gesetzt“, erklärte der Bürgermeister. Denn hierfür gäbe es keine Unterstützung. Für eine Fußgängerzone, die „mehr Aufenthaltsqualität bietet“, wird hingegen Geld für die „Stadtmöblierung“ – also Dinge wie Sitzmöglichkeiten, Bepflanzung und Beleuchtung – erwartet.

„Es ist fünf nach zwölf“, sah Ilona Böse (SPD), die damals selbst in der Arbeitsgruppe zu Konzept 5 saß, die dringende Notwendigkeit für eine Fußgängerzone. „Man schafft nur Leben, wenn die Leute rausgehen“, appellierte sie außerdem für eine Lösung, in der „so viele Cafés wie möglich nach draußen“ gehen. Dennoch sei es ihr und ihrer Fraktion ein Anliegen, dass vor dem Brunnen keine Parkplätze entstünden. „Wer weiß, er kann da nicht parken, hat vielleicht keine Lust, reinzufahren“, möchte sie so die Autos von vornherein fernhalten. 

Dieser Meinung schloss sich auch die ALS an. „Jeder meint sonst, den ‘goldenen Parkplatz’ zu bekommen“, gab Siegfried Müller zu bedenken. „Die Hoffnung ist da, nachdem mindestens 25 Jahre vergangen sind“, sprach auch er sich für die Fußgängerzone aus. „Wenn Schongau den Anschluss nicht verpassen will, müssen wir handeln.“

Komplett gegen das Konzept 5 stellte sich lediglich Ralf Schnabel (UWV). „Ich bin überrascht, dass nur eine Variante zur Abstimmung kommt.“ „Der gemeinsame Nenner wäre die City-Zone“, berief er sich auf Gespräche mit Einzelhändlern. Zudem monierte er die Reihenfolge der Umsetzung. Er sähe gerne erst die Ideenfindung in der „Konsenswerkstatt“ und im Anschluss die Umsetzung in ein Konzept, anstatt ein fast fertiges Konzept vorzulegen, an dem dann nicht mehr viel geändert werden könnte. 

„Das Konzept fällt ja nicht vom Himmel“, hakte Sluyterman ein. Alle Interessengruppen hätten bei der Erstellung die Möglichkeit gehabt, sich zu beteiligen.

Eine ganze neue Idee brachte Paul Huber (CSU) ein. Er schlug vor, statt zwei Fahrbahnen bis zum Brunnen, nur eine einzurichten. „Ich bin sicher, dass heute auch wieder keiner auf mich hört“, sah er sich aber selbst auf verlorenem Posten. „Wichtig ist, dass was passiert“, sprach aber auch er sich für eine Veränderung aus. Für diese, allerdings in Richtung von Konzept 5, plädierte auch Fraktionskollege Robert Stöhr. „Wir wollen keine neue Diskussion lostreten“, hält er das vorgestellte Konzept für „mehrheitlich tragbar und annehmbar“. „Wir werden den Impuls zur Veränderung mitgehen.“

„Wir sollten es nicht komplizierter machen, als es schon ist“, bat Friedrich Zeller (SPD) seine Stadtratskollegen, für das Konzept 5 zu stimmen. Es erfülle zwar auch seine Wünsche nicht ganz, sei aber ein schlüssiger und strukturierter Kompromiss. „Es ist ein Entwurf, der funktioniert. Später kann man ihn immer noch anpassen.“

Streitpunkt Parkplätze 

Auch wenn sich die meisten Stadträte also aufgeschlossen dem Konzept 5 gegenüber zeigten, gab es dann aber doch noch eine große Uneinigkeit. Diese sorgte sogar für eine Unterbrechung der Sitzung, denn die Fraktionen wollten sich noch besprechen. 

Schließlich gab es dadurch zwei Abstimmungen. Die erste Variante, Konzept 5 ohne Parkplätze am Brunnen, konnte sich nicht durchsetzen. Die Möglichkeit mit potenziellen Parkplätzen, die in der Ideenwerkstatt noch genauer behandelt werden sollen, wurde schließlich mit 24 Stimmen, nur Huber war dagegen, angenommen.

Eine „sehr grobe Einschätzung“ gab Dietrich bezüglich des Zeitplans ab: Die Vergabe der Planung und die „Konsenswerkstatt“ seien bereits im Sommer angedacht, die bauliche Umsetzung könnte dann im Herbst und Frühjahr folgen. „Das ist genug Zeit, um sich auf Veränderungen einzustellen.“ 

Sluyterman ist sich durchaus bewusst, dass Gegner nun klagen könnten. Nach seiner Einschätzung und der eines konsultierten Anwalts sei die Fußgängerzone aber nicht gerichtlich zu verhindern. „Eine Klage könnte aber zur Verzögerung führen.“

Von Ursula Gnadl

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