Mit »To go« durch den Lockdown

Gastronomie muss erneut schließen: Drei Peitinger Wirte zwischen Hoffnung und Wut

Biergarten Stühle zusammengeklappt aufgeräumt geschlossen Lockdown Gastronomie
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Erneut muss die Gastronomie herunterfahren.

Peiting – Allen verpflichtenden und sehr gut umgesetzten Hygienemaßnahmen zum Trotz: Erneut zwingt die Politik eine ganze Branche in den Lockdown. Von vergangenem Montag ab bleiben Gaststätten, Restaurants, Cafés, Bars und Kneipen für die nächsten vier Wochen geschlossen. Zunächst. Denn an einer Öffnung ab Dezember zweifeln viele Gastwirte, unter ihnen etwa Manfred Barnsteiner, Betreiber des gleichnamigen Restaurants in Peiting. Neben ihm haben auch Markus Keppeler vom Gasthof Keppeler und Bärbel Schlamp vom Saliterhof dem Kreisboten Einblick in ihr Krisenmanagement gegeben.

Der erste Lockdown im Frühjahr dieses Jahres, den hat Bärbel Schlamp vom Saliterhof noch deutlich vor Augen. Im Peitinger Ortsteil Kurzenried betreibt sie gemeinsam mit Thomas Lein eine Erlebnisgastronomie, in deren Mittelpunkt eine Herde quirliger Alpakas steht. Um diese sozialen Tiere herum haben sie über die Jahre ein florierendes, vielseitiges Unternehmen aufgebaut; die Wirtsräume, in denen sie gut und gerne ihre Gäste bedienen, ist Teil davon – wenn auch nur eines der vielen Standbeine des Paares.

Den Schockmoment des ersten Herunterfahrens gen Null, den nutzten beide, um umzubauen, zu erneuern und um Pläne voranzubringen. Hart war es dennoch, auch nach der Wiedereröffnung. „Es herrschte eine große Verunsicherung unter unseren Gästen“, erinnert sich Bärbel Schlamp. Die Rückkehr in die Normalität, die sollte dauern. Besonders in Erinnerung aber blieb ihr der Rückhalt, nicht nur seitens der Kunden. „Wir hatten viel positiven Zuspruch und sind so auch zu unserem neuen Küchenteam gekommen“, sagt sie. Deutlich habe ihr diese Zeit gezeigt, wer hinter ihr und ihrem Team stehe – und wer nicht.

Auch damals schon – und in lückenloser Fortsetzung nach der Wiedereröffnung – hat sich das Saliterhof-Team den Anforderungen in Sachen Hygienemaßnahmen gestellt. Besonders ärgerlich für Bärbel Schlamp, dass das nun kein Gewicht bei politischen Abwägungen haben soll. „Die Maßnahmen haben unseren Mitarbeitern sehr viel abverlangt“, sagt sie. Jetzt eine erneute Schließung hinnehmen zu müssen, sei „ein harter Schlag ins Gesicht“. Auch die möglichen Entschädigungen kann sie nur achselzuckend hinnehmen. „Das hört sich erstmal gut an, die vielen ‚aber‘ darin machen das alles aber eher zu einem Witz.“

Wie im Frühjahr setzt Bärbel Schlamp in den kommenden vier Wochen erneut auf Aktionen unter der Rubrik „Essen zum Mitnehmen“, Aktuelles dazu wird es immer unter www.alpakas-

saliterhof.de geben. Sie hofft damit, den zweiten Lockdown irgendwie schultern zu können, denn auch die Freizeitangebote rund um die Alpakas fallen solange weg – und so bleibt auch da ein großes, finanzielles Loch.

Im Minutentakt hat am vergangenen Wochenende das Telefon geläutet, erzählt Markus Keppeler, Wirt des gleichnamigen Traditionswirtshauses im Herzen von Peiting. „Unsere Reservierungsauslastung war sehr gut“, sagt er. Er freut sich über die Unterstützung der vielen Stammgäste des Hauses, die ihn und sein Team jetzt kurz vor der Schließung, aber auch im Frühjahr nicht im Stich gelassen hätten.

Tatsächlich hat sich gerade während des Lockdowns gezeigt, wie umsichtig schon Rosi Keppeler, die frühere und zwischenzeitlich verstorbene Wirtin, geplant und agiert hatte. Seit rund vier Jahren setzt Sohn Markus den von ihr ins Leben gerufenen Lieferdienst „Essen auf Rädern“ weiter um. Ein fester Kundenstamm, überwiegend älteren Semesters, lässt sich im Bereich Peiting, Schongau, Schwabbruck und Altenstadt vom Wirtshaus Keppeler regelmäßig beliefern. Dieses solide Standbein zahlt sich nun, während des zweiten Lockdowns, umso mehr aus.

Erneut werden nun auch Gäste und Kunden über die nächsten Wochen Gerichte zum Mitnehmen auf der Karte der Keppelers finden; und erneut hofft Wirt Markus Keppeler auf die gleiche Solidarität wie im Frühjahr. Für ihn bedeutet der Lockdown dennoch eine doppelte Anstrengung, denn zeitgleich ist er auch Pächter des Eisstüberls im Stadion. Auch dort bleibt alles zu. „Und das tut mir auch für meine Kinder, die gerne dort ihrem Sport nachgehen und Freunde treffen, sehr leid“, sagt er.

Ein wenig bringt den sonst eher besonnenen Gastwirt die Entscheidung von Ministerpräsident Söder zum erneuten Lockdown dann doch in Wallung. Zunächst hätte er das Vorgehen Söders, auch in Sachen Krisenmanagement, gutheißen können, sagt er. Seine Branche jetzt ein zweites Mal kaltzustellen, das erschließt sich ihm nicht – besonders auch beim Blick auf die unzähligen Maßnahmen, die er als verantwortlicher Wirt zu stemmen hatte. Seinen Pragmatismus, den hat er sich dennoch bewahrt. Vier Wochen Schließung könne er auch anderweitig nutzen, sagt er. „Dann haben wir halt mehr Zeit für die Weihnachtsdekoration.“

Besonders hart getroffen vom Lockdown Nummer eins und den damit verbundenen Einschränkungen auch darüber hinaus, hat es Wirt und Caterer Manfred Barnsteiner. Sein gleichnamiges Restaurant und die dazugehörende Eventarena im ehemaligen Bergwerk gelten als eine der Top-Adressen in Sachen Hochzeitsfeiern. Umsatz­einbußen im sechsstelligen Bereich hat das Gastronomen-Paar Gerti und Manfred Barnsteiner dieses Jahr zu verkraften gehabt – denn ohne angemessener Gästezahl verschieben viele Brautpaare ihre Trauung lieber.

Der erfahrene Caterer und „Wirt aus Leidenschaft“, wie er sich nennen lassen darf, hat während des ersten Lockdowns ebenfalls auf Mitnahmegerichte gesetzt und wird das voraussichtlich nun auch in den nächsten Wochen tun. „Allerdings nur, wenn es machbar sein wird“, sagt er. Damit meint Manfred Barnsteiner auch Entscheidungen politischer Art, die es abzuwarten gelte. Denn wer die Küche des umtriebigen Gastronomen kennt, der weiß um die Qualität, aber auch um die Sorgfalt in der Auswahl der Lebensmittel. Und die soll durch den „To-go“-Service nicht leiden.

So könnte es eine Art „reduzierten Hochgenuss à la Barnsteiner“ geben, in Form einer kleinen, aber feinen Karte – und dann wohl nur freitags und samstags, verrät er. Vor etwa drei Wochen erst hat Barnsteiner einen speziellen à la Carte-Service in seinem Hause etabliert – und wohl den richtigen Riecher gehabt. Der Rückhalt und das Feed­back seiner Gäste darauf, den könne er nur als „Wahnsinn“ bezeichnen.

Weniger freut sich Barnsteiner über die Unsicherheiten, mit denen er und seine Zunft nun leben müssen. So kann er an eine Öffnung nach vier Wochen kaum glauben, das gibt er unumwunden zu. „Wir rechnen mit allem“, sagt er. Und hofft dennoch, dass er nicht Recht behalten möge. Ebenso nicht mit seinem gefürchteten, weitflächigen Wirtshaussterben, im Frühjahr kommenden Jahres. Und das käme wohl nicht nur für ihn einem Kultursterben gleich.

Regine Pätz

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