Schwellbetrieb am Lech

Gefahr für die Fische?

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So extrem kann der Lech bei Schwellbetrieb trockenfallen, wie die Umweltschützer dokumentiert haben.

Peiting – Schadet die Stromerzeugung der Eon dem heimischen Fischbestand? Diesen Verdacht hegen Kreisfischereiverein und die Umweltinitiative Pfaffenwinkel. Denn durch den Schwellbetrieb am Lech, insbesondere im Bereich der Litzauer Schleife, fallen regelmäßig die Laichgebiete der Fische trocken.

In der Peitinger Bürgerversammlung streifte Michael Asam das Thema kurz, in der kommenden Gemeinderatssitzung soll ein Antrag der UIP ausführlicher behandelt werden. 

Es waren deutliche Worte, die Hans Schütz in seinem Antrag fand, den Bürgermeister Asam in der Bürgerversammlung zwar verlas, aber erst kommende Woche im Gemeinderat behandeln will. Darin geht es um den Schwellbetrieb, den die Eon als Rechtsnachfolger der BAWAG am Lech auf Höhe von Kreuth, durchführt. 

Unter Schwellbetrieb versteht man eine besondere Form des Betriebs von Wasserkraftwerken. Dabei werden, zur Deckung von Spitzenbedarf an Strom, Speicherkraftwerke entweder nur zeitweise betrieben, wie am Lech, oder zusätzliche Turbinen in Betrieb genommen. Dies verursacht unterhalb des Wasserkraftwerkes, einen künstlich erzeugten Unterschied in der Wasserführung. 

Und genau darum geht es den Initiatoren des Antrags, neben Hans Schütz auch Klement Sesar, Ehrenvorsitzender des Kreisfischereivereins. An der Staustufe Sechs dürfe die EON bis zu einem Wasserspiegel von 694 Metern über Normal Null aufstauen. Und im Sommer bis auf 692,20 Meter, im Winter sogar bis auf 691 Meter, abstauen, wodurch Flachwasserzonen in der Litzauer Schleife, die bevorzugten Laichgebiete der heimischen Fischarten wie Esche oder Huchen und der Bachforelle, trocken fallen. Es sei, so Sesar, ein stilles Sterben, von dem außer den Eingeweihten niemand Notiz nehme. 

Insbesondere durch die kurzfristigen Gewinne an der Leipziger Strombörse, so der Eindruck der Umweltverbände, habe der Schwellbetrieb am Lech zugenommen. Dabei müsse man sehen, dass die Litzauer Schleife unter Naturschutz steht, aber auch die Naherholungsgebiete zwischen Peiting und Schongau betroffen seien. Wie extrem der Lech bei diesem Schwellbetrieb trocken fallen kann, konnten die Umweltschützer sogar mit Fotos dokumentieren. 

Mittlerweile haben sich auch die Stadt Schongau und der Markt Peiting dem Antrag, der demnächst im Umweltministerium diskutiert werden soll, angeschlossen. Man habe, so Sesar, 2005 mit Unterstützung der damaligen Landtagsabgeordneten Renate Dodell einen Kompromiss bei der Wasserführung in der Litzauer Schleife erreicht. 

Nun hofft Sesar, dass wieder ein Kompromiss möglich ist. Der könnte so aussehen, dass Eon die maximal möglichen Durchflussmengen reduziert. Kommt es zu keinem Runden-Tischgespräch, dürfte der Stromkonzern bis 2050 den Lech tagesaktuell zur Stromerzeugung auf- und abstauen. Mit weitreichenden Folgen für die Ökologie, aber auch die Landschaft im Pfaffenwinkel.

Oliver Sommer

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