"Irgendwo eingesperrt"

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Birgit Fennell hofft, dass sie ihren Kater Sam bald wieder in die Arme schließen kann.

Schongau – Der Frühling bricht allmählich an, es ist wieder Paarungszeit – insbesondere unter den Katern und Katzen. Wenn diese ihren Trieben folgen, bringen sie sich jedoch oftmals in eine verheerende Lage: Für so manches Tier endet die neugierige Suche schließlich in einem finsteren Gartenhaus oder Keller – und im schlimmsten Fall damit auch das Katzenleben.

Am vorvergangenen Wochenende waren sie da, die ersten frühlingshaften Tage. Viele Schongauer nutzten die ersehnten Sonnenstunden, um ihren Garten auf Vordermann zu bringen. Gleichzeitig weckten die milden Temperaturen die Neugier und den Paarungsdrang bei Katzen, die sich fortan auf die Suche nach Artgenossen begeben. „Bei vielen ist der Drang leider so groß, dass sie in fremde Gartenhäuser oder Wohnungen schlüpfen“, berichtet Birgit ­Fennell, selbst Besitzerin eines Katers. Ihr schwarzgefärbter Vierbeiner fiel seinem Jagdinstinkt zuletzt selbst zum Opfer: „Bestimmt ist Sam irgendwo eingesperrt“, vermutet die Altenstadterin.

Denn wenn die Leute ihre Gartenarbeit verrichtet hätten, würden speziell bei schlechtem Wetter an den Folgetagen die meisten nicht mehr in ihre Gartenhütten schauen. Befände sich dort aber noch eine eingesperrte Katze, könnte das sowohl für den pelzigen Insassen wie auch den Hüttenbesitzer zum Verhängnis werden, wie Fennell weiß: „Natürlich wird die Katze dann immer unruhiger. Maximal drei Tage kann sie ohne etwas zu trinken überleben.“ Ringe die Katze zunehmend um ihr Leben, schlage sie verzweifelt um sich und hinterlasse durch ihre Suche nach einem Ausweg eine gewaltige Verwüstung.

Damit es ihrem Sam nicht genau so ergeht, nimmt Birgit ­Fennell die Beine in die Hand, hängt Flyer auf und führt zahlreiche Gespräche. Ihr Fazit: „Vielen geht es ähnlich, sie haben ihren Kater oder ihre Katze wochenlang nicht gesehen.“ Die allermeisten seien dann glücklicherweise wieder zurückgekehrt – zum Teil aber sehr abgemagert.

Das Tierheim Schongau teilt diese Erfahrung: „In der Paarungszeit streunen Katzen mehrere Wochen umher, ehe sie wieder heimkehren“, weiß Leiterin Elke ­Keller. Deswegen sei es durchaus wichtig, die Vierbeiner zu kastrieren. Gänzlich ausgelöscht sei der Jagdtrieb damit nicht – die Gefahr, eingeschlossen zu werden aber erheblich reduziert.

Wöchentlich bekomme das Tierheim derzeit etwa vier bis fünf Anfragen wegen vermisster Katzen, so Keller. Dass ein Katzenfänger in Schongau unterwegs sei, könne deshalb ausgeschlossen werden: „Wäre das der Fall, würden wir etwa zehn bis 15 Anfragen pro Woche bekommen.“ Insgesamt, belegt Kellers Statistik, seien in ihrer Einrichtung im Vorjahr über 200 Katzen abgegeben worden – darunter gerade mal 24, die anschließend den Weg zu ihrem Besitzer zurückfanden. Der Rest wurde entweder ausgesetzt oder die Herrchen und Frauchen versäumten, im Tierheim nach ihren Liebsten zu fragen. Zu diesen wird Birgit Fennell nicht zählen. „Ich werde weiterhin alles unternehmen, bis ich meinen Sam wieder gefunden habe.“

Marco Tobisch

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