Diakoniedorf gibt Einblicke 

Tief in die Prozesse

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Blicken auf ein „Ausnahmejahr“ 2016 in Herzogsägmühle zurück: Hans Rock, Vorstand Innere Mission München und Herzogsägmühle, sowie Winfried Knorr, Direktor von Herzogsägmühle (v. links) vor der „Casa Verde“, einem der aktuellen Bauprojekte in dem Diakoniedorf.

Herzogsägmühle – Das Jahr 2016 war für Herzogsägmühle ein „Ausnahmejahr“, wie Direktor Winfried Knorr und Vorstandsmitglied Hans Rock rückblickend sagen. Und das nicht nur wegen eines wirtschaftlich sehr guten Ergebnisses, sondern auch, weil der erstellte Gemeinwohlbericht zertifiziert wurde. Damit steht den Vorbereitungen für das 2019 anstehende 125-jährige Jubiläum des Diakoniedorfes nichts im Wege.

Für das Jahr 2016 hat Herzogsägmühle erstmals einen Gemeinwohlbericht erstellt. Prompt wurde dieser von einem externen Institut – einem Experten aus dem baubiologischen Bereich und einer Unternehmensberaterin – geprüft und schließlich zertifiziert. Diese Gemeinwohlbilanz stützt sich auf vier Werte, wie Direktor Wilfried Knorr erklärt: Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Tranzparenz und Mitentscheidung. Mit einem Punktesystem wurde bewertet – die Diakonieinrichtung hat dabei 428 von möglichen 1.000 Punkten erreicht.

Doch die Punkte dienen für Knorr lediglich als möglicher Vergleichswert für die Zukunft. „Wichtig ist, dass wir uns die Prozesse angeschaut haben“, sagt er während des Jahrespressegesprächs. Als Beispiel nennt er die Leberkässemmeln im Mühlenmarkt, die nicht mehr in Alufolie eingewickelt werden, Pfand-Becher statt den Pappbechern für den Coffee to go sowie Energieversorgung und E-Mobilität.

Die Zertifizierung der Gemeinwohlbilanz ist nicht der einzige Erfolg, den die Diakonieeinrichtung verbuchen kann. Erst vergangene Woche erhielt man die Auszeichnung zum „Standortprofi“, der Wirtschaftspreis des Landkreises.

Auch das Wirtschaftsvolumen von 91,3 Millionen Euro und eine Rendite von rund zwei Millionen Euro kann sich sehen lassen. Grund für das gute Ergebnis sind, laut Vorstand Hans Rock, vor allem auch auf außergewöhnlich hohe Zuwendungen zurückzuführen. „Das Jahr 2017 wird wirtschaftlich gesehen deutlich gedämpfter ausfallen“, sagt Knorr.

Große Bauprojekte haben das vergangene Jahr außerdem geprägt. So konnte beispielsweise die Wohnanlage im Lindenhof beinahe abgeschlossen werden. Hier soll nun noch die Renovierung des Haupthauses folgen. Ebenso steht die „Casa Verde“ kurz vor der Fertigstellung. Das Gebäude neben der Gärtnerei soll im Erdgeschoss Sozialräume für deren Auszubildende und Mitarbeitende bieten. Im Obergeschoss entstehen Wohnungen für anerkannte Asylbewerber.

Als einen „historischen Durchbruch“ und eine „Art Lebensversicherung für uns“ bezeichnete Knorr die Erweiterung des Baurechts in Herzogsägmühle. 70 Jahre lang galt hier baurechtlich ein „Sondernutzungsgebiet“. Im November hat der Peitinger Marktgemeinderat die Vergabe von Grundstücken auf Erbpachtbasis an Dritte erlaubt. Für den Direktor bedeutet das einen „wichtigen Schritt hin zu einer normalen Ortschaft“.

Für 2017 haben Knorr und Rock weitere Bauprojekte auf dem Zettel. In Peiting entsteht eine große Montagehalle in Kooperation mit der i+s Pfaffenwinkel. Auf dem gleichen Grundstück wird sich auch die neue Mechanische Werkstatt finden. Sie wird der erste Ausbildungsbetrieb sein, der nicht mehr in Herzogsägmühle beheimatet ist.

Östlich des Mühlenmarktes, im Zentrum des Dorfes, wird der Ersatzbau für die große Zentralküche entstehen. Hier sollen mehr als 1.000 Mahlzeiten zubereitet werden können. Die Kosten für die Maßnahme liegen bei rund sechs Millionen Euro. Wenn alles planmäßig verläuft, könnte der Bau 2019 fertiggestellt werden.

Ganz oben auf Knorrs Liste steht auch, ein Wohnangebot für Menschen mit schwerer oder mehrfacher Behinderung zu schaffen. 2018 könnte hierfür der Startschuss fallen. Der Bedarf sei auf jeden Fall da, so der Einrichtungs-Direktor. Und schließlich wird es 2019 noch einen Grund zum Feiern geben: Dann begeht Herzogsägmühle ihr 125-jähriges Jubiläum. Die Planungen für die Festlichkeiten haben zumindest in den Köpfen schon begonnen. 

asn

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