Kämmerer in "Komalage"

Generalsanierung der Mittelschule bringt Stadtfinanzen ans Limit

+
Die Mittelschule (links, blau-grau) ist laut Architekt Franz Balda das „Herz des Schulzentrums“. Ihre Generalsanierung wird rund 24 Millionen Euro kosten, davon wohl 14,4 Millionen Eigenanteil.

Schongau – Es ist eine kommunale Pflichtaufgabe, die die Stadt in ein Dilemma treibt: Der Vorentwurf für die Generalsanierung der Mittelschule, der am Dienstag dem Stadtrat vorgestellt wurde, stellt hohe Kosten in den Raum. Die insgesamt knapp 24 Millionen Euro werden Schongau laut seinem Kämmerer an „die absolute Grenze führen“. Eine derart zukunftsweisende Maßnahme will ausführlich beraten sein. Auf der anderen Seite drängt die Zeit: Anvisierte Fördermöglichkeiten verlangen bereits Ende 2022 nach ersten Fertigstellungen.

Mehr als geschockt sei er gewesen, als ihm die Zahlen erstmals vorlagen, schilderte Stadtkämmerer Werner Hefele seine „vorübergehende Komalage“. Denn wenngleich die Aussicht auf Förderungen von rund 9,6 Millionen Euro besteht, bleibt ein Eigenanteil von 14,4 Millionen. Ohne schmerzliche anderweitige Einschnitte sei das nicht zu stemmen. „Noch nicht begonnene Maßnahmen müssen im Haushalt 2020 auf den absoluten Prüfstand.“ Auf rund 20 Jahre setzte Hefele den Finanzierungszeitraum an. „Das wird eine enge Angelegenheit, immer abhängig von den Steuereinnahmen.“ Und diese seien schwer zu prognostizieren. Schon die Zahlen aus dem Haushalt 2019 werde man nicht erreichen.

„Wir sind nun mal autolastig“, ging UWV-Fraktionsvorsitzender Stephan Hild von einem womöglich nachlassenden Steueraufkommen aus. Wie viele weitere Stadträte mahnte er zur Besonnenheit: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, uns wegen in Aussicht gestellter Förderung in eine Schieflage zu manövrieren.“

Man müsse wohl andere wünschenswerte Projekte hinten anstellen, räumte Bürgermeister Falk Sluyterman ein. Es gehe nun aber nicht darum, die Haushaltsdebatte vorzuziehen. Außerdem sei es zuletzt bereits gelungen, einige bauliche Punkte wie Kindergärten und Feuerwehrgerätehaus abzuhaken.

Altbestand "ist durch"

Dass die Generalsanierung der Mittelschule derartige Dimensionen annimmt, lässt sich vor allem durch zwei Umstände begründen. Da ist zum einen ein gestiegener Raumbedarf. Rund 3.800 Quadratmeter Hauptnutzfläche sind künftig nötig. Das ist mehr, als das bisherige Gebäude mit zirka 3.000 bietet – auch wenn seine Raum­aufteilung verändert und die Aula verkleinert werden sollen. Neue Gebäudeteile sind deshalb unumgänglich: einer direkt nordwestlich am bestehenden Haus und vor allem ein erdgeschossiger würfelförmiger Anbau im Osten.

Zum anderen sind die Arbeiten, die am Bestandsgebäude vorgenommen werden müssen, sehr umfangreich. „Das Ding ist am Ende“, fasste Friedrich Zeller (SPD) zusammen. Außer an den PC-Räumen sei 40 Jahre lang nichts gemacht worden, so Sebastian Dietrich. Schadstoffe, Brandschutzprobleme, technische sowie energetische Defizite und ein Zuschnitt, der den heutigen Anforderungen an eine Schule auch in Sachen Barrierefreiheit nicht mehr gerecht wird – gemeinsam mit Franz Balda vom Fürstenfeldbrucker Architekturbüro Balda stellte der Stadtbaumeister dem Gebäude aus den Siebzigerjahren ein schlechtes Zeugnis aus.

Der Eingriff, der ins Haus erfolgen müsse, sei tief, schilderte Balda. Das Dach kommt ebenso runter, wie sämtliche Innenwände und ein Teil der Fenster raus. Komplett erneuert werden die Decken und selbst der Estrich. „Wir versetzen es in den Zustand eines Rohbaus.“

Klassen ziehen um

Dass derweil kein Unterricht stattfinden kann, ist klar. Die Klassen werden ausgelagert. Zwölf kommen in einem zweigeschossigen Container unter, je sechs im Kollegstufenbau des Gymnasiums und im Block C der Grundschule. „Es ist ein großer Vorteil, dass diese Möglichkeit besteht“, erklärte Bauamtsmitarbeiter Robert Thomas. Schätzungsweise 2,12 Millionen Euro kostet die Interimslösung, für die der Stadtrat einstimmig seine Zustimmung gab. Die Instandsetzungen, die am Kollegstufenbau und Block C vorzunehmen sind, hält das Stadtbauamt für überschaubar. Einzig bei Schnee auf dem Dach von Block C sei Vorsicht geboten – hier könnte es zu Unterrichtsausfällen kommen.

Tiefe Eingriffe sind erforderlich, um die Bestandsgebäude (hellrot) zu sanieren. Den zusätzlich notwendigen Raum sollen Neubauten (rot) schaffen. Um die Finanzierung zu erleichtern, ist der erdgeschossige würfelförmige Teil im Osten Teil eines zweiten Bauabschnitts.

Die Mittelschule stelle das räumliche Herz des Schulzentrums dar, erläuterte Balda. Ähnlich wie in der Grundschule will der Architekt zeitgemäße Lernlandschaften schaffen. Dass sich sämtliche Fachräume im Erdgeschoss finden sollen, sorge für Klarheit, die man bisher vergeblich suche. In Sachen Gestaltung schweben ihm dieselbe Machart und Materialien wie in der Grundschule vor.

Das alles klinge schön, das Architekturbüro Balda habe schon bei den anderen Schulen auf dem Schongauer Schulzentrum seine Fähigkeiten nachgewiesen, lobte Hild. „Es steht und fällt aber alles mit der Finanzierung. Der Kämmerer muss uns den Weg weisen.“ „Die Mittelschule ist eine kommunale Pflichtaufgabe, der wir uns stellen müssen“, entgegnete Sluyterman. Man trete einen steinigen, aber gangbaren Weg an.

Dass dieser zu meistern ist, dazu sollen Zuschüsse beitragen: einerseits Fördergelder nach Bayerischem Finanzausgleichsgesetzes (FAG), andererseits aus dem Kommunalinvestitionsprogramm Schulinfrastruktur (KIP-S). Letzteres macht es aber zur Bedingung, dass geförderte Fassadenbereiche schon am 31.12.2022 fertig sind. Im Januar 2021 soll bereits ausgeschrieben werden.

Günstige Fördersituation

Die Fördersituation sei günstig, befand Dietrich. „Jetzt nur das Nötigste zu machen, hieße, auf Förderung zu verzichten.“ So sah es auch Zeller, der es wie weitere Gremiumsmitglieder als ein fatales Signal einstufte, ausgerechnet bei der Mittelschule gegenüber den anderen Schularten Flickschusterei zu betreiben: „Schieben wir es jetzt an.“

Um die Finanzierbarkeit zu erleichtern, befürwortete der Stadtrat eine Aufteilung: Für den ersten Bauabschnitt, den am Bestandsgebäude, erteilte das Gremium einstimmig die Freigabe des vorgestellten Vorentwurfs mit Kostenschätzung in Höhe von 15,7 Millionen Euro brutto zuzüglich eines Risikobudgets von rund elf Prozent. Den Eigenanteil für diesen ersten Abschnitt, insofern alle Förderzusagen eintreffen, bezifferte Hefele auf 11,1 Millionen Euro. Der Zusatz „Ohne dass die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt gefährdet ist“ wurde in den Beschluss eingewoben.

Im zweiten Abschnitt soll dann der neue Anbau im Osten folgen. Das biete einen weiteren Vorteil, neben dem finanziellen, so Balda: Man könne bei Bedarf reagieren, müsste diese Maßnahme nochmals größer ausfallen. Der Architekt beantwortete damit eine Frage Gregor Schuppes, wieso dieser neue Gebäudeflügel nur erdgeschossig geplant sei. Denn, so sah es der ALS-Stadtrat: „Wir haben schon an der Grundschule zu klein gebaut.“

ras

Auch interessant

Meistgelesen

Führungswechsel bei der Schongauer SPD
Führungswechsel bei der Schongauer SPD
Peitinger SPD benennt ihre Kandidaten für Kommunalwahl
Peitinger SPD benennt ihre Kandidaten für Kommunalwahl
Bernbeurener Straße in Schongau muss saniert werden
Bernbeurener Straße in Schongau muss saniert werden
Es bleibt beim Peitinger Juze-Standort
Es bleibt beim Peitinger Juze-Standort

Kommentare