Peitinger Helferkreis schlägt Alarm

"Alles hat seine Grenzen"

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Bürgermeister Michael Asam mit den Vertretern des Helferkreises Monika Heerd, Gabi Sanktjohanser-Pfeffer und Sabine Haser (v. li.).

Peiting – Bis zu 114 Asylbewerber sollen in ein aktuell leerstehendes Geschäftsgebäude in der Peitinger Seestraße einziehen (der Kreisbote berichtete). Das Vorhaben des Landkreises hat nicht nur die Gemeinde überrumpelt, auch der Helferkreis Asyl schlägt jetzt Alarm und warnt vor einer Überforderung der Ehrenamtlichen.

Monika Heerd, Gabi Sanktjohanser-Pfeffer und Sabine Haser sitzen im Büro von Bürgermeister Michael Asam. Es ist Donnerstagabend. Der Anlass für das Treffen im Peitinger Rathaus ist zu diesem Zeitpunkt neun Tage her. Am 1. Dezember hatten Vertreter des Landratsamt die Marktgemeinderäte über den Plan unterrichtet, in einem ehemaligen Firmengebäude in der Seestraße bis zu 114 Asylbewerber unterbringen zu wollen. Gerechnet hatte die Gemeinde mit der Hälfte, erst am Tag vor der Sitzung wurde Asam über die neue Zahl informiert. „Das hat mich schier umgehauen“, sagt der Rathauschef.

Die drei Frauen nicken, ihnen ging es ähnlich wie dem Bürgermeister. Monika Heerd, Gabi Sanktjohanser-Pfeffer und Sabine Haser gehören zum harten Kern des Helferkreises Asyl in Peiting, keiner weiß vermutlich besser, wie es um die Situation der Flüchtlinge in der Marktgemeinde bestellt ist. Sie helfen, wo Not am Mann ist, kümmern sich etwa um Deutsch-Unterricht, organisieren Behördengänge, dienen den Ankömmlingen als Ansprechpartner.

Asam ist bewusst, wie wertvoll die Arbeit der drei Frauen und der übrigen rund 100 Ehrenamtlichen des Helferkreises für den Gemeindefrieden ist. Entsprechend ernst nimmt er den Hilferuf, der auf die Ankündigung des Landratsamtes folgte. Dass nämlich der Helferkreis überfordert sei, wenn von einem Tag auf den anderen plötzlich über 100 Asylbewerber mehr der Marktgemeinde zugeteilt würden. „Bislang hat alles gut geklappt“, sagt Asam, „aber alles hat seine Grenzen.“

Das fängt schon beim Gebäude an. 1069 Quadratmeter Grundfläche für 114 Personen, Schlafräume mit bis zu neun Stockbetten, nur ein Gemeinschaftsraum – Privatsphäre Fehlanzeige. Da seien Konflikte doch vorprogrammiert, sagt Sabine Haser. Zumal das bisherige Konzept der Helfer an dem neuen Standort nicht funktioniere. „Bei so vielen Menschen auf einmal wird es schwierig, persönliche Beziehungen aufzubauen.“

Doch genau das habe sich in der Vergangenheit als probates Mittel für die Integration der Neuankömmlinge erwiesen, ergänzt Gabi Sanktjohanser-Pfeffer. Dazu zählt auch der Sprachunterricht. Aber in solch beengten Verhältnissen? Praktisch unmöglich. Doch ohne Deutschkenntnisse gehen auch die Chancen auf eine Arbeitsstelle gegen null, dabei dürften die Flüchtlinge mittlerweile nach drei Monaten auf Stellensuche gehen.

Immerhin 100 Asylbewerber leben derzeit bereits in der Marktgemeinde, verteilt auf mehrere dezentrale Wohngruppen. Hinzu kommen rund 50, die bereits anerkannt sind. Dass die Helfer wissen, wo die Flüchtlinge wohnen, ist übrigens keine Selbstverständlichkeit. Das Landratsamt teile aus Datenschutzgründen nicht mit, wo es Asylbewerber unterbringe. „Wir müssen die, wenn wir hören, dass neue angekommen sind, erst mühsam suchen gehen“, ärgert sich Heerd über die bürokratischen Hürden.

Überhaupt mache es sich der Staat zu einfach, finden die Drei. Flüchtlingsarbeit, die politisch organisiert werden müsste, werde einfach auf die Bevölkerung abgewälzt. „Wenn die Ehrenamtlichen mal eine Woche streiken, würde das System komplett an die Wand fahren.“

Paten gesucht

Doch noch ist es nicht soweit. Sollte die neue Gemeinschaftsunterkunft tatsächlich kommen – zwar hatte der Gemeinderat den Antrag mehrheitlich angelehnt, doch trifft die endgültige Entscheidung die Regierung –, setzen Heerd, Sanktjohanser-Pfeffer und Haser auf die Unterstützung der Peitinger Bevölkerung. „Am besten wäre es, wenn sich genug finden, die sich als Paten für einzelne Flüchtlinge zur Verfügung stellen“, sagt Haser. Die die Neuankömmlinge bei der Hand nehmen, sich mit ihnen beschäftigen und ihnen so eine Auszeit vom drögen Alltag ermöglichen.

Je mehr Helfer, desto besser, sind sich die Frauen einig, für die persönlich die ehrenamtliche Arbeit mittlerweile das Ausmaß eines Halbtagsjobs angenommen hat. Vielleicht ließen sich ja auch durch den Bundesfreiwilligendienst oder die Möglichkeit eines Freiwilligen Sozialen Jahres bezahlte Stellen zur Unterstützung der Ehrenamtlichen schaffen, schlägt Haser vor. Eine Möglichkeit, die Bürgermeister Michael Asam sofort zu prüfen verspricht. Er weiß: „Auch die Gemeinde ist in der Pflicht. Wir müssen etwas tun.“

Christoph Peters

Sie wollen mithelfen? Melden Sie sich bei der evangelischen Kirchengemeinde Peiting unter Tel. 08861/6453.

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