"Rein rechtliche Entscheidung"

Schongauer Hoteliers gegen Boardinghouse

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Dass der neue Eigentümer in den Obergeschossen von Fressnapf und Penny ein Boardinghouse unterbringen möchte, gefällt den örtlichen Hoteliers nicht.

Schongau – Das geplante Boardinghouse in der Bernbeurener Straße (wir berichteten) stößt den ortsansässigen Hoteliers offenbar auf. Sie wandten sich mit einem Schreiben an Bürgermeister Falk Sluyterman. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses versprach der den Hotelbetreibern in der Lechstadt ein klärendes Gespräch. Rein rechtlich ist aber nichts zu machen.

Ungewöhnlich gut besucht war die Bauausschusssitzung am vergangenen Dienstag. Das fiel auch Bürgermeister Falk Sluyterman beim Betreten des Rathaussaals sofort auf. Er sei schon gespannt, welcher Tagesordnungspunkt denn die interessierte Öffentlichkeit auf die Stühle im hinteren Teil des Saales gelockt habe, so das Stadt­oberhaupt zu Beginn der Sitzung. Dass es sich dabei um das vorletzte Thema auf der Tagesordnung „Bern­beurener Straße 2 und 2a; Bauvoranfrage zur Nutzungsänderung in ein Boardinghouse; Stellungnahme zum Schreiben ansässiger Beherbergungsbetriebe“ handelte, wurde klar, als danach beinahe alle Besucher den Raum verließen.

Erst vor vier Wochen hatte das Gremium der beantragten Nutzungsänderung der Obergeschosse von Fressnapf und Penny zugestimmt. Der neue Besitzer des Ensembles möchte dort einen Beherbergungsbetrieb – ein sogenanntes Boardinghouse – einrichten. Als Zielpersonen sieht der neue Eigentümer, welcher einen solchen Betrieb bereits seit mehreren Jahren im Landkreis Aichach-Friedberg führt, Durchreisende, Handwerker, Radfahrer und Wanderer mit einer Aufenthaltsdauer von ein bis sieben Tagen vor. Etwa 40 Betten will er dort unterbringen.

Doch das gefällt den ortsansässigen Hoteliers nicht. Sie wandten sich in einem Schreiben Ende Januar an Bürgermeister Falk Sluyterman. „Sie bitten darin um die Rückgängigmachung dieser Entscheidung“, erklärte der Rathauschef in der Sitzung über die ortsansässigen Hotels Blaue Traube, Rössle, Holl und Alte Post.

Dass die Stadt hier aber keinen Handlungsspielraum hat, hob Stadtbaumeister Sebastian Dietrich hervor. „Eine Gemeinde ist zur Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens verpflichtet, wenn die hierfür notwendigen Voraussetzungen gegeben sind“, so Dietrich. Im Falle des geplanten Boardinghouses ist das der Fall. Die betroffenen Grundstücke liegen im Bereich des Gewerbegebietes Lerchenfeld. Laut entsprechendem Bebauungsplan und Baunutzungsverordnung sind hier also „Gewerbebetriebe aller Art“ zulässig, erläuterte der Stadtbaumeister. „Rechtlich konnten wir nicht anders entscheiden“, ergänzte Sluyterman.

Dietrich zog außerdem den Vergleich zur Nachbargemeinde Peiting heran. In Schongau gibt es derzeit vier Beherbergungsbetriebe mit mehr als neun Betten. Peiting habe dagegen doppelt so viele derartige Betriebe. Eine durchschnittliche Auslastung von 30 Prozent sei gegeben. Bei Betrieben mit weniger als neun Betten kann die Nachbargemeinde rund 10.000 Übernachtungen vorweisen, Schongau liegt dort bei nur etwa 1.600 Übernachtungen, so der Stadtbaumeister: „Da ist Luft nach oben“.

Im Low Budget Bereich gebe es in Schongau einfach kein Angebot, der Bedarf sei aber da, so das Fazit von Ilona Böse (SPD). „Konkurrenz belebt das Geschäft“, befand sie. In Peiting mache man sich wenig Gedanken um Konkurrenz, wusste Bettina Buresch (ALS) zu berichten. Im vergangenen Jahr habe es dort sogar deutlichen Zuwachs bei den Übernachtungen gegeben, wie sie in einem Gespräch mit der dortigen Tourismusstelle erfahren haben will.

Nach allgemeiner Zustimmung der Bauausschuss-Mitglieder durfte auch Max Diegruber, Pächter der Blauen Traube, das Wort ergreifen. Er bestätigte, dass zwar eine 30-prozentige Auslastung übers Jahr gesehen vorhanden sei, der Winter die Hotelbetreiber aber immer vor eine große Herausforderung stelle. Er zeigte sich überzeugt: „Low Budget Betriebe nehmen uns die Monteure weg.“ Gerade im Winter sind diese wohl eine feste Einnahmequelle. „Für die bucht das Büro – und die schauen nur auf den Preis“, befürchtet der Hotelbetreiber. Ein solcher Betrieb ziehe die Gäste außerdem wieder raus aus der Altstadt.

Ein Thema, das erneut Stephan Hild (UWV) auf den Plan rief. Er hatte sich erst kürzlich, als es um die Evaluation der Fußgängerzone ging, deutlich für die Stärkung des Tourismus ausgesprochen. „Dieses Feld gilt es endlich zu beackern“, so Hild mit Nachdruck. Den Verweis auf das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) wollte er nicht so recht gelten lassen: „Das Bauamt und die Ehrenamtlichen unternehmen etwas. Es gibt aber eine hauptamtliche Stelle, deren Leistung nicht mal Teilzeit wert ist“, wetterte Hild verärgert. Stadtentwicklung dauere nun einmal, wiegelte Bürgermeister Sluyterman ab.

Auch Bettina Buresch verlieh ihrem Bedauern Ausdruck, dass die „Perle Schongau“ nur herumdümpele. „Schondorf ist in München bekannter als Schongau“, so die ALS-Rätin. Doch auch diesen Einwand wollte das Stadtoberhaupt nicht gelten lassen. Sluyterman betonte, Schongau sei „die Industriestadt im Grünen“ und verwies auf die zahlreichen, großen ortsansässigen Unternehmen. „Wir dümpeln nicht.“

Zum Schreiben der Hoteliers schlug Sluyterman gemeinsame Gespräche vor. Diese sollen klären, wie durch das geplante Boardinghouse eine Ergänzung und keine Konkurrenz entstehen soll. Die Bitte der Hotelbetreiber sei zwar durchaus nachvollziehbar, rechtlich hätte man sich aber einfach nicht anders entscheiden können. 

asn

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