Schongau und Altenstadt planen gemeinsames Gewerbegebiet

Wirtschaft vor Ort stärken

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Im Vorentwurf für das Gewerbegebiet im Äußeren Westen sind die Flächen erkennbar, auf denen Firmen ansässig werden könnten.

Schongau/Altenstadt – Noch sind im Gewerbegebiet im Äußeren Westen Schongaus nur einige Firmen angesiedelt. Demnächst soll dort aber ein großes Gewerbegebiet entstehen. Wie es mit der Fläche zwischen Heizkraftwerk und B 472 weiter geht, darüber wurde in der letzten Stadtratssitzung beraten.

Das Besondere an dem geplanten Gebiet ist, dass es sich um ein interkommunales Projekt handelt, das Altenstadt und Schongau gemeinsam durchführen wollen. Der größte Teil der Fläche wird momentan noch landwirtschaftlich genutzt und ist im Flächennutzungsplan auch dafür ausgewiesen. Bereits vor eineinhalb Jahren wurde die Idee für das neue Gebiet geboren. In Schongau sollen 15,5 Hektar und in Altenstadt neun Hektar Gewerbegebiet entstehen.

Bei der Verwirklichung muss sich die Stadt nun an verschiedene Vorgaben halten. Dabei müssen die Richtlinien der höheren Landesplanungsbehörde strikt eingehalten werden. „Wenn die nicht mitspielen, weisen wir keinen Meter Gewerbe aus“, erklärte Stadtbaumeister Ulrich Knecht. Vor allem die Schallemissionen seien von Bedeutung. „Die Firmen wollen ein gewisses Lärmkontingent in Anspruch nehmen, die Anwohner wollen es nicht zu laut haben.“ Da das Gebiet aber ohnehin relativ weit von den nächsten Wohnhäusern entfernt liegt, sieht Knecht keine Probleme. „Die Grenzwerte werden sogar unterschritten.“

Bei der Raumordnung gestaltet sich das Ganze etwas komplizierter. „Die Kooperation mit Altenstadt ist bei der Regierung gut angekommen“, berichtete Landschaftsarchitekt Florian Nowak zwar, dennoch seien viele Auflagen zu beachten. Vor allem schaut die Regierung darauf, dass Flächen gespart werden und vorhandene Poten- ziale aufbereitet werden.

„Flächensparen und Innenentwicklung haben klar Vorrang“, erklärte Nowak. Deswegen war ein Bauflächennachweis nötig. Dieser fasst die Entwicklung der vorhandenen Flächen in einer Bilanz zusammen und zeigt auf, wie viel Fläche noch ausgewiesen werden kann. 

1994 standen laut Plan in Schongau 170 Hektar Gewerbeflächen zur Verfügung, von denen 100 schon bebaut waren. 2013 sind es 160 Hektar, von denen knapp 45 Hektar noch unbebaut sind. Aus den Zahlen wurde ein Trend abgeleitet. Angenommen, die Dynamik bleibt gleich, liegt der Bedarf in zehn bis 15 Jahren bei etwa 14 bis 15 Hektar. „Schongau ist gut aufgestellt“, sagte Nowak.

In Hinblick auf den Flächennachweis war die Forderung der Regierung eindeutig. Bevor das Gebiet im Westen ausgewiesen werden darf, muss die vorhandene Gewerbefläche im Norden zurückgenommen werden. 12,2 Hektar in der Nähe von Hohem Graben und Krankenhaus sollen nun als Gewerbefläche gestrichen werden. Die Fläche direkt an der B 17 wird als Gewerbegrund beibehalten.

Welche Unternehmen sich im neuen Gebiet ansiedeln könnten, steht noch nicht fest. Ein Interessent habe sich bereits gemeldet, der aber noch nicht öffentlich gemacht werden möchte. Außerdem wird auf einem Teil östlich des Heizkraftwerks auf dem Altenstädter Teil ein Garnelenhof gebaut. In einem geschlossenen Meeressystem, das durch die Abwärme aus den Kühltürmen des Kraftwerks erwärmt wird, sollen dort künftig Garnelen gezüchtet werden. Insgesamt gibt es schon Anfragen für 1,7 Hektar.

Auch die Firma Hirschvogel hat Erweiterungsbedarf und möchte eine neue Halle bauen. „Es ist ideal, dass ein bestehendes Unternehmen erweitern kann. Zeitlich sind wir mit dem Plan punktgenau gelandet“, freute sich Knecht. 

„Der Fortschritt ist zu begrüßen“, fand auch Michael Eberle (CSU). „Wir gewinnen mehr, als wir verlieren“, glaub er.

Bedenken äußerte Hans Loth (UWV): „So erfreulich es ist, die Luft für Landwirte wird dünn“, gab er zu bedenken. „Das ist die Fläche für einen kompletten Hof.“ Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl erwiderte, dass die Stadt froh sei, dass die Nachfrage da ist. „Ausgleichsflächen sind Teil des Plans“, versuchte er Loths Bedenken zu schmälern und auch Knecht pflichtete bei, dass sie zwingend nötig sind. „Wir versuchen, den Landwirten mit Ersatzflächen zu helfen. Sie haben die volle Unterstützung der Stadt.“

Bettina Buresch (ALS) hat ebenfalls „Bauchschmerzen, dass sich an allen Ortseingängen Gewerbe breitmacht.“ Sie schlug vor, das gesamte Gebiet im Norden freizulassen. Gegenwind erhielt sie von Peter Blüml (CSU). „Wir müssen auf bestehende Betriebe schauen und neue ansiedeln.“ Vor allem sei es wichtig, Arbeitsplätze für junge Leute zu schaffen. „Dafür brauchen wir Gebiete in vernünftiger Größe.“

Gerbl war sich jedenfalls sicher: „Ich möchte Schongau zu einem starken Wirtschaftsstandort machen.“ Auch die Stadträte scheinen das zum großen Teil zu wollen. Mit nur einer Gegenstimme von Buresch entschieden sie, das Gewerbegebiet „Äußerer Westen“ weiter voranzubringen.

Von Ursula Gnadl

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