"Der rote Faden der Demokratie"

SPD Schongau feiert ihr 100-jähriges Bestehen

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Zur Jubiläumsfeier bat Dr. Friedrich Zeller (2. v. rechts) Moderator Stefan König, den Leiter des Blechbläserquintetts der Stadtkapelle Schongau Leo Heck, den Ortsvorsitzenden Daniel Blum, Bürgermeister Falk Sluyterman, die Fraktionsvorsitzende Ilona Böse, den Festredner Dr. Albert Thurner, Patricia Erhard (v. links) und den außen neben ihm stehenden Kreisvorsitzenden Dominik Streit für einen kräftigen Applaus auf die Bühne.

Schongau – Wenn jemand einen runden Geburtstag hat, dann ist das zumeist auch ein Grund zu feiern. Am vergangenen Samstag gab es solch ein Geburtstagskind. Die Schongauer SPD konnte an diesem Tag auf genau 100 Jahre seit ihrer Gründung zurückblicken und die Parteioberen hatten mit dem gebührenden Stolz zu einem öffentlichen Festabend ins Ballenhaus eingeladen.

Der im Sinne des Jubiläums geschmückte Saal im ersten Stock war pünktlich zum Veranstaltungsbeginn nahezu voll besetzt und die Gäste erwartete ein umfangreiches, hauptsächlich durch den früheren Landrat Dr. Friedrich Zeller erarbeitetes, Programm. Zu diesem gehörten neben mehreren Grußworten ein Festvortrag sowie weitere Reden und Handlungen. Wer aber jetzt meinte, sich womöglich auf einen weitschweifigen und langatmigen Abend eingelassen zu haben, durfte sich sehr schnell im positiven Sinn getäuscht sehen. Erstens sorgte das Quintett der Stadtkapelle Schongau zwischen einzelnen Programmpunkten immer wieder für musikalische Unterhaltung und zweitens erwies sich der Penzberger Autor Stefan König gleich zu Beginn als beste Wahl für die Moderatorentätigkeit.

Daniel Blum war es, der in seiner Funktion als SPD-Ortsvorsitzender den Reigen der Redner eröffnete. Er bat gleich zu Beginn sich zu erheben, um der im vergangenen Monat in Raisting im Alter von 70 Jahren verstorbenen Inge Hecht nochmals die Ehre zu erweisen. „100 Jahre, eine gigantische Zeit“ fuhr er mit Blick auf den Festabend fort und stellte heraus: „Es ist mir eine besondere Ehre, heute diesen Tag mit Ihnen zu feiern“.

Bürgermeister Falk Sluyterman kam als offizieller Gratulant, drückte aber auch seinen Stolz aus, als Sozialdemokrat dem Schongauer Ortsverein seit einigen Jahren angehören zu dürfen. „100 Jahre, das ist eine lange Zeit“, sagte auch er und verwies darauf, dass in dieser Zeit die Wirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg, die Währungsreform, das Wirtschaftswunder, der Kalte Krieg, der Mauerbau, der Mauerfall, auf dem Mond landende Menschen, Computer im Taschenformat, Handys und vieles mehr passiert seien. „Es war die SPD, die die Werte der europäischen Aufklärung in Deutschland durchgesetzt hat“, hob er hervor und betonte, dass die in Deutschland seit bereits 156 Jahren bestehende SPD wie keine andere Partei gegen Unfreiheit, Unterdrückung und Ausbeutung gekämpft habe.

„Unsere Stadt ist lebenswert“, sagte er mit Blick auf Schongau nochmals bilanzierend. Die SPD stellt bereits seit 1996 den Ersten Bürgermeister in der Stadt. Zudem zeigte er sich kämpferisch in Richtung Zukunft mit dem Hinweis, dass zwar heute kein Wahlkampf sei, er aber da­rauf vertraue, dass auch 2020 der Erste Bürgermeister von der SPD gestellt werde.

Der Kreisvorsitzende Dominik Streit kam mit einem Rückblick auf die 1990er Jahre zu dem Schluss, dass dieses Jahrzehnt aufgrund der „Rathauseroberung” durch Friedrich Zeller sowie des Wahlkampfsiegs von Gerhard Schröder sowohl auf kommunaler als auch auf Landes- und Bundesebene für die SPD sehr erfolgreich gewesen sei. Nun aber hätten sich die Zeiten geändert. Die SPD dümpele bei Umfragen im Bund bei 15 Prozent, auf das Ergebnis der Bayrischen Landtagswahl im letzten Jahr wolle er erst gar nicht eingehen und die schier nicht enden wollende Diskussion um die sogenannte GroKo überlagere beinahe jede inhaltliche Debatte.

Staatstragende Partei

Es waren wohl seine ausgewiesenen Kenntnisse über die Bayrische SPD und ihre Geschichte, die den Bürgermeister der Gemeinde Vilgertshofen Dr. Albert Thurner als Festvortragenden nach Schongau geführt hatten. Zu seiner Feststellung „Die SPD ist so etwas, wie der rote Faden für die deutsche Demokratie” führte er neben vielen weiteren Beispielen auch an, dass diese die wichtigste staatstragende Partei während und nach der Revolution 1918/19 sowie danach in der Weimarer Republik gewesen sei, aber auch nur sieben Jahre in dieser Zeit regiert habe. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges habe die SPD die Themen Sozialpolitik, Arbeitnehmerrechte und Gleichstellung fortgesetzt. Im Bereich der Außenpolitik sei mit Willy Brandts Ostpolitik auch Aussöhnungspolitik und „Wandel durch Annäherung“ betrieben worden.

Spätestens aber in den 1990er Jahren, als man alle Ziele erreicht habe, hätten sich die eigenen Erfolge plötzlich gegen die SPD gewandt. Zu vielen der aktuellen Themen habe die SPD zudem noch keine überzeugenden Antworten gefunden.

„Bei mir rücken jetzt die Frauen in den Fokus”, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Ilona Böse gleich zu Beginn ihrer Ansprache. Sie erinnerte an den 19. Februar 1919, an dem die Sozialdemokratin und Begründerin der Arbeiterwohlfahrt Marie Juchacz die gesamte Aufmerksamkeit der Nationalversammlung auf sich gezogen hat. Obwohl geschieden und Mutter von zwei Kindern, war sie die erste Frau, die im Deutschen Reichstag eine Rede halten durfte. Böse erinnerte an den im Jahr 1953 abgeschafften Gehorsamsparagraf und daran, dass seit 1977 Frauen nicht mehr nur zur Haushaltsführung verpflichtet seien. „Aber darauf können und dürfen wir uns auch nicht ausruhen”, hob sie hervor. Dass bei der Schongauer SPD für die kommenden Kommunalwahlen 2020 gleich elf starke Frauen auf der Liste vertreten seien, zeige den richtigen Weg.

Bayerischer Löwe

Man kann es durchaus als sehr freundliche Geste werten, dass Andrea Jochner-Weiß an diesem Abend die Bühne mit roter Handtasche betrat und das darin befindliche Staatswappen in Form eines Bayerischen Porzellanlöwen dem SPD-Ortsvorsitzenden Daniel Blum überreichte.

Zum Ende des offiziellen Teils galt es nochmals, den entscheidenden Mitgestaltern der Veranstaltung Danke zu sagen und auf die federführend von Rainer Schmid erstellte Festschrift hinzuweisen.

mel

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