Große Herausforderung

Professor Wolfgang Seiler mahnte in seinem Vortrag im Rahmen des fünften kommunalen Energieforums zu mehr Anstrengungen für den Klimaschutz. Foto: Peters

Spätestens seit der Atomkatastrophe in Japan ist das Wort Energiewende in aller Munde. Doch was verbirgt sich genau hinter dem Begriff und wie könnte eine Umsetzung auf kommunaler Ebene aussehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich jüngst das fünfte kommunale Energieforum, welches diesmal in Altenstadt stattfand.

Den Ort hatten die Veranstalter nicht ohne Grund gewählt, zählt die Gemeinde doch zu den Vorreitern im Landkreis, wenn es um die Energieerzeugung der Zukunft geht. Und so war es an Bürgermeister Albert Hadersbeck den anwesenden Rathauschefs und Vertretern der Wirtschaft den Weg der Kommune aufzuzeigen. Mit über 150 Solarstromerzeugern, zwei kleinen Wasserkraftwerken sowie zwei Biogasanlagen – allein letztere erzeugen über 80 Millionen Kilowattstunden Strom – generiert Altenstadt mehr Energie als die Gemeinde selbst benötigt. Trotz klammer Kassen habe man in den vergangenen Jahren versucht, die Energiewende voranzutreiben, erklärte Hadersbeck. Ob eine Bürgergesellschaft zur Finanzierung von Fotovoltaikanlagen, die Erweiterung des Nahwärmenetzes, die energetische Sanierung gemeindeeigener Gebäude oder die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf moderne LED-Technik: Überall habe man sich bemüht, Dinge effizienter zu gestalten, erläuterte der Bürgermeister: „Im Vordergrund stand allerdings immer, dass wir die Maßnahmen finanziell schultern können.“ Lob gab es von Professor Wolfgang Seiler. „Wenn das von anderen Gemeinden nur teilweise gemacht würde, wären wir schon einen Schritt weiter“, begann der Vorstands-vorsitzende der Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“ seinen eigenen Vortrag. Unter der Überschrift „Energiewende Oberland: Quo vadis?“ schlug Seiler den Bogen von der weltweiten Energiewirtschaft zu den Herausforderungen vor der eigenen Haustür. Um das Ziel, den Ausstoß von Co2 bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, müssten die Anstrengungen erheblich verstärkt werden, mahnte der Professor und gab sich wenig zuversichtlich: „Mein Gefühl sagt mir, dass wir das nicht erreichen werden.“ Besonders in Bayern mit einem Atomenergieanteil von 60 Prozent sei die Herausforderung groß. Die 2005 gegründete Bürgerstiftung unterstütze die Landkreise Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach in ihrem Vorhaben, bis 2035 eine autarke Energieversorgung aus regenerativen Quellen sicherzustellen. „Dazu brauchen wir neue Ansätze und eine integrative Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden.“ Es gelte, die teilweise bereits vorhandenen Klimaschutzkonzepte umzusetzen – eine Aufgabe, die koordiniert werden müsse, um „Fehler zu vermeiden“. Geht es nach Seiler, könnte die Federführung schon bald ein sogenanntes Energiekompetenzzentrum (EKO) übernehmen, in dem alle relevanten Fachgruppen zusammengefasst sind. Man stehe kurz vor der Gründung, laufe alles nach Plan könne das EKO schon im März seinen Betrieb aufnehmen, kündigte der Professor an, der gleichzeitig erste Zielsetzungen formulierte. So müsse die Kraft-Wärme-Kopplung ausgebaut und effizienter werden und weiter in Wind- und Fotovoltaikanlagen investiert werden. Sollte die Möglichkeit bestehen, dürften Gemeinden auch vor der Übernahme der Stromnetze von den großen Energieerzeugern nicht zurückschrecken. „Das Geld sollten Sie verdienen“, wandte sich Seiler an die anwesenden Bürgermeister. Einnahmen wären auch bitter nötig, denn die Kosten für die Energiewende sind enorm. Auf einen „zweistelligen Milliarden-Betrag“ beziffert Seiler die nötigen Aufwendungen. Zum Schluss präsentierte der Professor noch eine Idee, die den viel diskutierten und schwierig umzusetzenden Ausbau der Stromtrassen überflüssig machen könnte. Statt die durch Windkrafträder oder Fotovoltaikanlagen produzierte Energie direkt in die überlasteten Netze einzuspeisen, könne der Strom genutzt werden, um mittels einer neuartigen Anlage Methan zu produzieren. Der Vorteil: Gas lässt sich einfach speichern. Bis es soweit ist, dürfte allerdings eine Weile vergehen: Denn noch sind Seiler und sein Team auf der Suche nach Sponsoren für ein entsprechendes Pilotprojekt.

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