Grundstücksverkauf sorgt für Diskussionen

Das Kindergarten-Dilemma

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Der Kindergarten an der Bahnhofstraße hat seine besten Zeiten hinter sich. Wie es mit der Einrichtung weitergehen soll, darüber herrscht Streit.

Schongau – Baugrund ist begehrt, das spürt man auch in Schongau. Gleich mehrere Grundstücke will die Stadt deswegen im Einheimischenmodell verkaufen – darunter jene im Lechänger, die vor nicht allzu langer Zeit als möglicher Standort für einen neuen Kindergarten gehandelt worden waren. Bei der CSU stieß das auf Unverständnis.

Die Entscheidung über den Verkauf der Grundstücke im Forchet fiel schnell und einstimmig. Kein Stadtrat hatte Einwände, die freien Flächen an der Baumrißstraße und an der Forchenwaldstraße zu veräußern. Ganz anders hatte es zuvor bei den Grundstücken im Wohnbaugebiet Ulmenweg ausgesehen. Auch dort besitzt die Stadt mehrere unbebaute Flächen. Diese würde man gerne ebenfalls jungen Familien zur Verfügung stellen, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl und erntete damit Unverständnis bei der CSU. Nicht, weil die Christsozialen etwas gegen junge Familien haben, sondern weil Gerbls Vorschlag das Aus für einen möglichen Kindergarten-Neubau auf jenen Grundstücken bedeutete. 

Diese Lösung hatte die Stadt selbst ins Spiel gebracht, als es vor wenigen Monaten um die künftige Nutzung des ehemaligen Forsthauses in der Lechvorstadt ging. Um die Pläne des Freistaats, darin ein Asylbewerberheim einzurichten, zu verhindern, hatte die CSU heftig für einen Kindergarten auf dem Forsthaus-Gelände geworben. Sogar eine eigene Umfrage hatten die Christsozialen durchgeführt, um den Bedarf an einer solchen Einrichtung zu untermauern. Sie scheiterten allerdings mit ihrem Vorstoß daran, dass die Stadt mit jenen Grundstücken am Lechänger bereits über die nötige Fläche für einen Kindergarten verfügt, ein Kauf des freistaateigenen Grundstücks somit nicht in Frage kam. 

„Solange wir nicht wissen, wie es beim Thema Kindergarten weitergeht, sollten wir die Grundstücke behalten“, warnte Michael Eberle nun davor, durch den Verkauf Fakten zu schaffen, ohne den Bedarf für einen Kindergarten in dem Gebiet genau geprüft zu haben. Der CSU-Fraktionsvorsitzende verwies auf die Zahlen, die Rita Weckbecker von der Stadt zuvor präsentiert hatte. Derzeit gebe es eine Warteliste für einen Kindergartenplatz, hatte Weckbecker einräumen müssen. Man sei vom überdurchschnittlich starken Zuzug überrascht worden. 

In der Diskussion rückte auch die Frage wieder in den Mittelpunkt, ob es nicht möglich sei, den Kindergarten am Bahnhof zu erweitern. Darauf hatte in der Vergangenheit vor allem Gerbl und die SPD immer wieder hingewiesen. Stadtbaumeister Ulrich Knecht erteilte den Gedankenspielen allerdings jetzt einen herben Dämpfer. Maximal eine Gruppe könne man dort durch eine Erweiterung noch unterbringen, eine Aufstockung des Gebäudes sei gar nicht möglich, betonte er. Auch ein Abriss und Neubau mache aufgrund der beengten Platzverhältnisse wenig Sinn.

Knecht machte allerdings auch klar, dass die fünf Grundstücke am Lechänger nur wenig mehr Platz bieten. „Da sind wir mit 2500 Quadratmetern schnell am Ende.“ Hier hakte Ilona Böse (SPD) ein. Ein Regelkindergarten sei sowieso nicht mehr zeitgemäß, der Trend gehe zu Familienzentren mit Krippe, Kindergarten und Hort unter einem Dach. Dafür jedoch sei dort zu wenig Platz und die Grundstücke außerdem zu weit weg von der Schule, argumentierte sie. 

Auch Stephan Hild (UWV) hielt den Standort für wenig zukunftstauglich. „Irgendwann sind die Kinder aus der Nachbarschaft weg und dann haben wir den Bring- und Abholverkehr, der die Anwohner belästigt“, plädierte er für einen Verkauf. 

Dem setzte Helmut Hunger (CSU) zwar entgegen, dass das Gebiet noch gar nicht vollständig bebaut, der Bedarf deshalb noch über Jahrzehnte gegeben sei. Auf die Entscheidung hatte dies aber keinen Einfluss mehr. Gegen die Stimmen der CSU beschloss der Stadtrat den Verkauf der Grundstücke.

Christoph Peters

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