Gymnasiasten organisieren Weltkriegs-Ausstellung

Ein Schützengraben im Museum

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Angela Wagner mit Mia Hollwich und Johannes Eberle vor dem nachgebauten Schützengraben, der eindrücklich die Situation der Soldaten damals zeigt.

Schongau – Es fehlen eigentlich nur noch das Geräusch explodierender Granaten oder von Maschinengewehrfeuer, ein bisschen Matsch und die Illusion eines Schützengrabens aus den Jahren 1914 bis 18 wäre perfekt. Aber auch so konnte das P-Seminar des Welfengymnasiums viele Exponate zusammentragen, die die Geschichte des ersten Weltkrieges zeigen, die Schicksale porträtieren und das Grauen dieses Völker übergreifenden Krieges mitten in Europa vor 100 Jahren nacherzählen. Erfreulich für die Ausstellung war, dass noch während der Eröffnung ein Sammler den Schüler weitere, rund 80 Exponate überreichte, die sogleich in die Ausstellung integriert wurden.

Wer die Treppe zum Schongauer Stadtmuseum erklimmt und in das erste Obergeschoss geht, steht vor einer Wand. Genauer gesagt, einer Bretterwand, so wie sie vor 100 Jahren von den Soldaten in den Boden getrieben wurden, um ihre Schützengräben vor nachrutschendem Erdreich zu sichern. Dafür hatten die Abiturienten sogar ihre Ferien geopfert und in tagelanger Arbeit die Szenerie einer Frontlinie nachgebaut. 

Seit der Gymnasialreform gibt es zwei Seminare, das wissenschaftliche und das Projektseminar, bei dem die Schüler Teamarbeit kennen lernen und sich mit einem Thema weitestgehend selbstständig auseinandersetzen sollen. 

So hatte das P-Seminar Geschichte von Angela Wagner den ersten Weltkrieg vorgenommen und sich dabei mit Details wie dem Stellungskrieg, dem U-Boot-Krieg, aber auch den Grenzverschiebungen befasst, die sich durch das Attentat von Sarajevo ergaben. Immer allerdings mit dem Schwerpunkt auf ihrer Heimat, wie Mia Hollwich und Johannes Eberle dem Publikum berichteten. Die beiden übernahmen die Begrüßung und Präsentation der Arbeit ihres 15-köpfigen Seminars. 

Man habe sich mit der Propaganda jener Zeit auseinandergesetzt und dabei auch die Feindbilder kennengelernt, die damals aufgebaut worden waren. So sei es gegen die bösen Franzosen gegangen, sagte Eberle, und es sei zur Vernichtung der Russen aufgerufen worden. Inspiration aus dem Armeemuseum in Ingolstadt Man habe die Archive durchstöbert, neben den der Gemeinden auch die der damaligen Lokalzeitung, um Inspiration und Information zu finden. 

Außerdem hatten die Schüler eine Fahrt nach Ingolstadt unternommen ins dortige Armeemuseum, wo man sich auch die Idee für den Schützengraben abschaute. Der wurde teilweise sogar mit aus jener Zeit stammenden Sackleinen dekoriert, die man im Keller vom Hollwichs Elternhaus gefunden hatte. 

Ein weiteres Prunkstück der Ausstellung ist das Tagebuch der Martha Emecke, die damals in Düsseldorf lebte und es ab Juli 1914 führte. Martha Emecke ist die Urgroßmutter von Korinna Konstas, einer Lehrerin am Welfengymnasium. So bekamen die Schüler hautnah die Entwicklung zu lesen, vor allem die Siege des Kaiserreiches, wie Hollwich berichtete. 

Erst spät flossenen die negativen Nachrichten in die Erinnerungen Martha Emeckes ein. Überraschend für die Schüler war die Erkenntnis, welche Waffen und die dahinterstehende Technologie schon vor 100 Jahren zum Einsatz kamen, sagte Hollwich. „Mit den Waffen (Maschinengewehre etwa) sind wir groß geworden“, so die Gymnasiastin. „Aber ihr Einsatz damals war schon eine neue Dimension“. I

m negativen Sinn beeindruckt waren die Jugendlichen davon, wie schon im Kinderzimmer Propaganda betrieben wurde, dass schon die kleinsten mit Soldaten spielten und es eine Ausgehuniform für den Feiertag gab. Einem Problem sahen sich die Gymnasiasten aber gegenüber, nämlich dass es kaum noch Relikte aus dieser Zeit gibt. „Vom zweiten Weltkrieg ja, aber kaum was vom ersten“, so Eberle. 

Das sollte sich allerdings noch während der Ausstellung ändern, denn ein Sammler war zufällig auf Besuch in Schongau. Er brachte den Schülern drei Koffer voll mit weiteren Ausstellungsstücken. So konnte etwa die Galauniform durch eine mittlerweile sehr seltene, graue Felduniform ersetzt werden. 

Auch hatte der anonyme Sammler einen Stahlhelm, Feldpostpakete und sogar ein Telefon aus dieser Zeit. 82 neue Exponate wurden in die Sammlung eingepflegt, so Angela Wagner, etwa ein Kriegskochbuch, das Tipps gibt, was man kochen kann, wenn die Lebensmittel rationiert sind. Weiterhin sind nun auch Stiefel, eine Kartentasche und ein Feldstecher zu sehen, wie sie die Soldaten seinerzeit bekamen. 

Auch Tondokumente jener Zeit haben die Schüler in ihre Ausstellung eingebaut, die jeweils Mittwochs und Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen bis zum 26. Juli zu sehen ist. Geöffnet ist das Museum dann von 14 bis 17 Uhr, Führungen gibt es jeweils um 15 Uhr. Auch können Sonderführungen für Schulklassen unter pseminargeschichte.wgs@t-online.de gebucht werden.

Oliver Sommer

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