So lief das Jäger-Jahr 

Waidmannsheil bei der Hegeschau in der Wies

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Sie führten musikalisch durch die Hegeschau: die Jagdhornbläser des Jagd- und Naturschutzvereins Schongau und Umgebung e.V. unter Leitung von Wolfgang Turansky (rechts hinten).

Wies – Die gemeinsame Hegeschau für die Hegegemeinschaften Wildsteig, Steingaden, Rottenbuch, Peiting, Schongau und Bernbeuren fand am vergangenen Sonntag zum zweiten Mal im Gasthaus Moser in der Wies statt. Über 250 Besucher hatten am Wochenende die traditionell zu einer Hegeschau gehörende Ausstellung der Gehörne in der „Tenne“ des Gasthauses in Augenschein genommen.

Vorsitzender des Jagd- und Naturschutzvereins Schongau und Umgebung e.V. Manfred Berger begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und weitere Ehrengäste. Die eigentliche Eröffnung der Hegeschau oblag Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die sich unter anderem bei der Jägerschaft dafür bedankte, dass diese trotz Störungen des Jagdbetriebs durch Freizeitaktivitäten und auch die im zu Ende gehenden Winter oft extreme Schneelage alles daran gesetzt haben, den erforderlichen Abschuss zu erfüllen. Sie wies, nachdem das Thema Fütterung im vergangenen Jahr auch zu Bußgeldbescheiden geführt hatte, auf die Wichtigkeit der artgerechten Fütterung und rechtskonformen Kirrung hin. „Dies sind Grundlagen die dem Wild und natürlich auch dem Wald zugute kommen”, betonte sie. Umso mehr zeigte sie sich erfreut, dass es in diesem Winter keine Beschwerden zum Thema gegeben habe.

Mit der Einleitung „er galt als ausgerottet, doch nun ist er wieder da, der Wolf” ging sie auch auf Meister Isegrim ein. Sie verwies unter anderem auf Niedersachsen, wo zu einem hauptamtlichen Wolfsbeauftragten nun noch ein „Wolfsbüro“ mit fünf ausgewiesenen Stellen hinzu kommt. Dass sie der ganzen Thematik Wolf, nicht zuletzt aufgrund von zurückliegenden Zwischenfällen mit gerissenen Schafen, äußerst kritisch gegenübersteht, brachte sie so sehr deutlich zum Ausdruck: „Der Wolf kehrt nicht zurück in das Deutschland des Mittelalters, sondern in eine voll zivilisierte Kulturlandschaft. Man sollte sich mehr Gedanken darüber machen, wann und wie der Bestand des Wolfes dezimiert werden kann, wobei ich der Meinung bin, dass wir ihn gar nicht brauchen.”

Der Bürgermeister von Prem Herbert Sieber ging in seinem Grußwort auf vielerlei aktuelle Themen und die aus seiner Sicht viel zu intensive Nutzung des Waldes für Aktivitäten aller Art durch Freizeitsportler ein. Er bemängelte, dass es beim Thema Jagd hinsichtlich der Vermittlung von wildgerechtem Verhalten in der Natur sehr oft eine mangelnde Dialogfähigkeit der unterschiedlichen Interessengruppen gebe.

Mit dem Hinweis auf das Motto des diesjährigen Landfrauentags im Februar in Bernbeuren „Im Dialog bleiben” und das Referat des ehemaligen Abtprimas Notker Wolf hob Sieber hervor, dass dieses Motto ganz bestimmt auch für das komplexe Thema Jagd – Wald – Wild gelten müsse. Schließlich verspreche nur ein friedliches Miteinander eine gute und nachhaltige Investition in die Zukunft. Er betonte, dass Jagd auch Verantwortung für das Wild bedeute. Jagd sei Umgang mit Leben, mit Kreaturen und somit Geschöpfen Gottes.

Es folgte der Bericht des Leiters der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Weilheim-Schongau Helmut Stork. Obgleich die zurückliegende Jagdzeit insbesondere wegen der extremen Schneelage um 14 Tage verlängert worden war, kam Helmut Stork nicht um die Mitteilung umhin, dass sich die Untere Jagdbehörde wegen dieser Verlängerung auch einige Kritik hätte gefallen lassen müssen.

Dem ungeachtet ergaben die Zahlen der Rehwildstrecke in den Jahren 2016 bis 2019 bei den jeweiligen Hegegemeinschaften bisweilen Unterschiede von bis zu 25 Prozent. So lag der Erfüllungsgrad in Bernbeuren bei den geschossenen Böcken, Geißen/Schmalrehen und Kitzen mit 1.349 bei einem Soll von 1.817 Tieren bei lediglich knapp über 74 Prozent, während die Hegegemeinschaft Rottenbuch mit 1.446 Tieren schon annähernd 90 Prozent vorweisen konnte. Insgesamt blieb bei der Zusammenfassung aller Hegegemeinschaften der Erfüllungsgrad mit 84 Prozent trotz Verlängerung der Jagdzeit recht deutlich hinter den Vorgaben zurück. In den Revieren der Hochwildhegegemeinschaft Wildsteig blieb der dort konzentrierte Rotwildabschuss 2018/2019 mit 94 erlegten Tieren noch klarer hinter der Vorgabe von 164 Tieren (Erfüllungsgrad zirka 57 Prozent) zurück.

Einen Beweis dafür, wie schwer mitunter Prognosen getroffen werden können, ließ sich wieder einmal aus den Zahlen der Schwarzwildstrecke ersehen. Während im Jagdjahr 2015/2016 noch 562 Wildschweine erlegt wurden, waren es im darauf folgenden Jahr mit 352 ganze 210 Tiere weniger. Im Jagdjahr 2017/2018 erreichten die Hegegemeinschaften mit 676 Abschüssen einen langjährigen Rekordwert. Die Abschüsse reduzierten sich im zu Ende gegangenen Jagdjahr 2018/2019 aber wieder um beinahe die Hälfte auf aktuell 356 Tiere. Hier darf man also sehr gespannt dem kommenden Jagdjahr entgegen sehen.

Martin Kainz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim berichtete, dass der Verbiss im Landkreis Weilheim-Schongau von Norden in Richtung Süden immer schlechter wird. Eine Entwicklung, die man in den letzten drei Jahrzehnten bei Spaziergängen mit offenen Augen in großen Teilen unserer Wälder durchaus bestätigen könne, sei, dass der Fichtenanteil mit nun rund 50 Prozent innerhalb dieses Zeitraums um zehn Prozent zugunsten des Mischwaldes zurückgegangen sei. Hauptsächlich sind dies Buchen, die mit gut 90 Prozent dieses Mehr an Laubbäumen ausmachen.

Die Tanne aber sei ein großes Sorgenkind. Mit weniger als einem Prozent spiele sie bei den Baumanteilen nahezu keine Rolle. Dies ist der niedrigste Wert seit 1991. Seine Abschussempfehlung sieht eine Erhöhung bei sieben von zwölf und eine Beibehaltung bei weiteren vier Hegegemeinschaften vor. Mit seinen Hinweisen zur Klimaentwicklung in den Monaten April bis August seit dem Jahr 1881 wagte ­Kainz auch einen Blick über das Thema Jagd hinaus.

Die Feststellung, dass es im Gegensatz zu den Jahrzehnten davor seit 1991 ausschließlich „Ausreißer” bei den Temperaturen nach oben gab und das zurückliegende Jahr 2018 dabei ganz vorn stehe, verschaffte ihm viel Gehör. Schließlich sind alle, insbesondere auch die Jägerschaft, im hohen Maß vom Wetter abhängig. Und die in den zurückliegenden Jahren in Häufigkeit und Intensität zunehmenden Extremereignisse haben unmittelbaren Einfluss auf Wald und Wild.

Dadurch, dass der Schadholzanfall in Mitteleuropa nahezu 70 Millionen Festmeter beträgt, wovon hauptsächlich Fichten betroffen sind, und dass jeder neue Sturm weitere Bäume umreiße, werde es „langsam eng”, betonte Kainz. Er zeigte sich zudem davon überzeugt, dass die Aufrechterhaltung der Waldfunktion und die Anpassung der Wälder an den Klimawandel nicht ohne Jagd auskommt.

Manfred Berger schloss die Hegeschau mit dem Hinweis auf die hervorragende Arbeit der Jäger. Zudem bemühte er sich um durchaus ausgleichende Worte an die Adresse von Kritikern. Mit seinem abschließenden Dank an die zahlreichen Helfer bei der Vorbereitung und Durchführung der diesjährigen Hegeschau endete eine für alle Teilnehmer interessante Veranstaltung. 

mel

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