Jobvermittlung für Flüchtlinge

Lösung für Fachkräftemangel?

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Markus Sinn (links) ist Initiator des Projektes, zu dem Bürgermeister Falk Sluyterman (4. v. rechts) beglückwünschte. Für die Jobvermittlung sind zuständig: (am Band, v. l.): Matthias ­Holleschovsky, Annett Hornung, Petra Findeisen (Projektleiterin) und Hubertus Freisinger.

Schongau – „inarbeit durch Jobbegleiter“: Unter diesem Titel startete die Herzogsägmühle zuletzt ein Projekt, das Menschen mit Fluchthintergrund zur Integration in den Arbeitsmarkt verhelfen soll. Zu diesem Zweck richteten die Projektverantwortlichen eigens ein Büro in der Weinstraße 14 ein, wo ab April Jobberatungen stattfinden.

Initiator des Projektes ist ­Markus Sinn, Bereichsleiter Arbeit und Integration der Herzogsägmühle. Er bewarb sich auf eine Ausschreibung, reichte sein Konzept ein und bekam schließlich den Zuschlag für das Vorhaben, das aus Mitteln des Bayerischen Ministeriums für Arbeit und Soziales gefördert wird. Ende 2016 liefen die Vorbereitungen an, nun steht auch die operative Arbeit im Schongauer Büro in den Startlöchern. Sinn selbst ist gespannt auf die erste Entwicklung: „Wir haben schon viel Erfahrung im Bereich Arbeitsvermittlung, allerdings noch nicht mit diesem Personenkreis.“

Vor Ort sind zur Projektumsetzung drei Mitarbeiter der Herzogsägmühle abgestellt, sie kümmern sich um die wechselseitige Vermittlung zwischen Unternehmen und arbeitswilligen Flüchtlingen. Neben Projektkoordinatorin Annett Hornung sind Hubertus Freisinger und ­Matthias ­Holleschovsky künftig als Jobbegleiter im Lechstadt-Büro zugegen. Holleschovsky, der gerade erst seine Bachelorarbeit im Bereich Sozialwirtschaft abgegeben hat, freut sich auf die Herausforderungen seiner ersten Arbeitsstelle nach dem Studium: „Wir können hier gemeinsam etwas aufbauen.“

Besonders die Chance, den Fachkräftemangel durch Flüchtlinge zu kompensieren, sieht der 26-Jährige gegeben. „Es kommen viele Leute, die schon in ihrem Herkunftsland einen handwerklichen Job gemacht haben und gute Qualifizierungen mitbringen.“ Aufgabe des Büros sei es dann, Unternehmen zu finden, die den jungen Talenten ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle bieten könnten. Holleschovsky betont dabei auch die Nachhaltigkeit: „Wir begleiten die Flüchtlinge auch im Job und wollen sichergehen, dass der Flüchtling die Arbeit durchzieht.“ Wäre das Büro weniger nachdrücklich in den Integrationsbemühungen ihrer Schützlinge, passiere folgendes: „Dann steht der Flüchtling wieder bei uns vor der Tür“, was nicht im Sinne des Projektes sei.

Die Personengruppe, auf die das Büro abzielt, decke allerdings nicht sämtliche Flüchtlinge ab. Lediglich jene, die einen gesicherten Aufenthalt oder eine gute Bleibeperspektive haben und über 25 Jahre alt sind. Was aber, wenn es kein passendes Jobangebot gebe? Hazim ­Alragab beispielsweise war in seinem Heimatland Syrien Jurist. „Hochqualifiziert“, wie ­Matthias Holleschovsky attestiert – allerdings in einem gänzlich unterschiedlichen Rechtssystem. In Deutschland müsste der 28-Jährige ein Masterstudium nachholen, könnte dann aber dennoch nicht als Rechtsanwalt arbeiten. Das Büro hat den Juristen deshalb für die Flüchtlingsarbeit akquiriert. „Das ist natürlich Luxus für uns“, weiß der Jobbegleiter. Schließlich lebe Alragab schon zweieinhalb Jahre in Deutschland und kenne gleichzeitig Sprache und Kultur der Zielgruppe bestens.

Bürgermeister Falk Sluyterman freute sich über die Neueröffnung des Vermittlungsbüros: „Das ist eine wichtige Einrichtung für die Stadt aber auch die Region.“ Angela Merkels Versprechen „Wir schaffen das“ werde dadurch in die Tat umgesetzt.

Marco Tobisch

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