Von hintergründig bis deftig

Um sein Programm zu untermalen, lässt Josef Brustmann zwischendurch schon mal einen Drachen steigen. Dem Schongauer Publikum gefiel’s. Foto: Schmid

Noch brandneu ist Josef Brustmanns Programm „Ich bin so frei“ – und schon kamen Kabarettfreunde aus Schongau in den Genuss der aktuellen Bühnenshow: Im Brauhaus begeisterte der Kabarettist nicht nur mit reichlich hintergründigem Humor, sondern obendrein noch mit ein paar deftigen Gstanzln und treffsicheren Witzen.

Sein unterhaltsames, geistreiches Programm kam beim Schongauer Publikum, das am Ende eine Zugabe nach der anderen verlangte, bestens an. Mal zieht Brustmann dabei über Politiker her und vergleicht Kanzlerin Angela Merkel frech mit einer Kuh mit Kontaktlinsen – und dann wartet er wieder mit einem Gstanzl auf und zieht die Griechenland-Pleite durch den Kakao: „Des mit de Griechen, i hob’s gwusst, des werd a Schlamassel – schon der alte Diogenes lag faul in sei’m Fassel!“ Dazu serviert der Kabarettist zahlreiche heitere Schwanks aus seinem alltäglichen Dasein: So erzählt er von seiner erfolglosen Katzenfutter-Suche im Supermarkt oder vom Goldfisch Hemingway, der vom Aquarium aus beim Liebesspiel zuschaut. Und er lässt das Publikum daran teilhaben, wie es ihm ergeht, wenn seine Frau bei Liebesfilmen vor dem Fernseher regelrecht dahinschmilzt – fasziniert von den Romanzen, in denen immer irgend ein ach so superperfekter Mann rumläuft. Aber trotz allem findet er als Ehemann solche Filme gar nicht so schlecht: „Dann herrscht so ein Frieden im Wohnzimmer und meine Frau schafft mir nichts an“, erzählt Brustmann dem Publikum, das sich dabei köstlich amüsiert. Ebenso wie über seine Panne mit dem Lottogewinn: Seine Frau sollte ihm nämlich die Gewinnzahlen aus der Zeitung vorlesen, hatte aber stattdessen – was Brustmann nicht wusste – den Kontrollabschnitt vom Lottoladen vor sich liegen. Kein Wunder, dass der Lottospieler sich zumindest ein paar Minuten lang als frischgebackener Millionär fühlte. Das Programm „Ich bin so frei“ ist aber nicht nur stellenweise irrwitzig, sondern regt auch immer wieder zum Nachdenken an – etwa wenn der Kabarettist mit Sehnsucht von seiner unbeschwerten Kindheit an der Isar erzählt. Und wenn er Missstände kritisiert, wie etwa die Missbrauchsfälle in der Kirche, nimmt er auch kein Blatt vor den Mund. Brustmann bietet aber nicht nur hintergründiges Kabarett, sondern eine abwechslungsreiche Ein-Mann-Show, in der auch die verschiedensten Instrumente zum Einsatz kommen – von der Zither bis zur Gitarre. Und zum Orgelspielen und fürs Glockenspiel nimmt er sich noch Gehilfen aus dem Publikum auf die Bühne – die er mit seinen frechen Kommentaren alles andere als mit Samthandschuhen anfasst. Doch die „Opfer“ beweisen Humor und machen munter mit. Aber die Zuhörer lassen sich ja schließlich auch weismachen, dass Beckstein eigentlich ein Rumäne ist – zumindest bis zu dem Moment, wo der Kabarettist selbst zugibt: „Stimmt net – aber sche war’s gwen!“

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