Bilanz vorgestellt

Hirschvogel knackt Milliarden-Marke

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Achim Maudrich und Walter Pischel von der Frank-Hirschvogel-Stiftung sowie die Holding-Geschäftsführer Dr. Alfons Hätscher, Frank M. Anisits und Dr. Thomas Brücher (v. li.).

Denklingen/Schongau – Die Firma Hirschvogel hat 2016 mit 1,009 Milliarden Euro eine wichtige Umsatzmarke geknackt. Und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Wie die Pläne, unter anderem in Schongau, genau aussehen, erläuterte die Unternehmensspitze dem Kreisboten im Pressegespräch.

Am Standort Schongau ist nach Halle 7 im September 2015 erst Ende vergangenen Jahres Halle 8 in Betrieb gegangen. Doch stoße man bereits 2018 an die Kapazitätsgrenze, blickte Frank Anisits als Geschäftsführer Produktion voraus. Gespräche mit der Stadt über Halle 9 liefen. Errichtet werden soll diese südlich des Firmengeländes.

Wachstum überall

„Alle Standorte haben 2016 zum Wachstum beigetragen“, resümierte Dr. Alfons Hätscher, Geschäftsführer Finanzen. Die Unternehmensgruppe investiere massiv; heuer einen dreistelliger Millionenbetrag. Ende 2016 beschäftigte Hirschvogel zirka 4 700 Mitarbeiter, also sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Davon arbeiten auf Vollzeitstellen umgerechnet 3 400 Männer und Frauen in Deutschland mit dem Stammwerk in Denklingen (2 000), der Komponentenfertigung in Schongau (800) sowie zwei Werken in Thüringen. Hirschvogel ist damit größter Arbeitgeber in der Region Landsberg/Schongau.

Auch in Denklingen wird weiter investiert. Das Leistungsspektrum konnte bei der Bauteile-Entwicklung, der generativen Fertigung, Werkstoffen und Schadensanalyse erweitert werden, schilderte Anisits. Nach dem Bau der Halle 16 und mehreren Umzüge sehe man sich nun „optimal aufgestellt“.

Im Mai 2017 wird die Unternehmensgruppe, die auch Fabrikationen in Polen, China, Indien und den USA hält, die Zerspanung im neuen Werk in Mexiko in Betrieb nehmen. Die Installation der Maschinen für die Umformung ist Ende des Jahres vorgesehen. Dort werde trotz Ansagen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump investiert, verdeutlichte Dr. Thomas Brücher, Geschäftsführer Vertrieb, Einkauf und Entwicklung. Es gebe keinen Grund für einen Kurswechsel. Das neue Werk zwei Autostunden nördlich von Mexico City basiere schließlich auf der Vereinbarung mit Kunden.

Brücher erwartet für 2017 ein „moderates Wachstum“ auf dem europäischen Markt. Anders in China, wo der Umsatz im ersten Quartal bereits um 50 Prozent über dem Vorjahreszeitraum liege. Angepeilt werde heuer ein Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Zum Gewinn machte das Führungstrio keine Angaben.

Der Trend gehe laut Brücher zu „veredelten, einbaufertigen Teilen“. Kunden wünschten vermehrt ganze Komponenten. Das Unternehmen arbeite an der Optimierung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren; Stichwörter sind Leichtbauweise und Downsizing der Motoren (weniger Gewicht, weniger Hubraum). Intensiviert habe man die Entwicklung in der E-Mobilität. Da wolle man „die Nase vorn haben“. Und dennoch: Das Stammgeschäft mit Teilen für Getriebe, Motoren und Einspritzpumpen werde noch lang erhalten bleiben, bekundete Brücher. Gleichwohl wolle man „über den Tellerrand“ blicken, wie auf Teile für Baumaschinen. Bislang wird nur ein Prozent des Umsatzes außerhalb des Bereiches Automobil erzielt.

Stiftung hat sich etabliert

Große Erfolge seit ihrer Gründung vor zehn Jahren verzeichnet auch die Frank-Hirschvogel-Stiftung. Ins Schwärmen gerät ihr Vorstand Walter Pischel, wenn er auf das vom Unternehmen unterstützte Schülerlabor der Hochschule Kempten zu sprechen kommt. 31 Klassen aus 16 Schulen waren 2016 dort zu Besuch. Die große Nachfrage sei einem Professor zu verdanken, der im letzten Jahr 300 Stunden freiwillig in das Projekt steckte.

Es sei manchmal „mühsam“ gewesen, „dahin zu kommen, wo wir sind“, resümierte Armin Maudrich, zweiter Stiftungsvorsitzender. Aufwändig sei vor allem, einen Ablauf zu etablieren und jemanden zu finden, der an Schulen bzw. Hochschulen die Organisation in die Hand nimmt. Letztes Jahr konnten 24 Schulen und 21 Projekte in der Region Landsberg/Schongau/Kaufbeuren mit 110 000 Euro gefördert werden. Hochschulen nicht mitgerechnet. Vor allem Angebote in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stehen im Fokus.

Fördergelder gewähre man auch für musikalische Angebote, wie Bläserklassen in Denklingen, im Fuchstal und in Schongau. Vier Schulen in Landsberg und Schongau konnten durch die Unterstützung der Stiftung eine Musikwoche an der Akademie in Marktoberdorf ausrichten und ein Abschlusskonzert bestreiten.

2017 sei geplant, die deutschlandweit bekannte Physikanten-Show an zwei Schulstandorte in der Region zu holen. Daneben wird die Stiftung erstmals zwei Stipendien an Studenten der Universität in Shanghai vergeben. In Pinghu nahe der chinesischen Metropole befindet sich ein eigenes Werk.

In Deutschland sind letztes Jahr 15 Stipendien an mehreren Universitäten und Hochschulen vergeben worden. Zudem wurde der Manfred-Hirschvogel-Preis „nach gewissen Anlaufschwierigkeiten“, so Pischel, an neun Technischen Universitäten verliehen.

Johannes Jais

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