Was den Mythos Bayern ausmacht

Historiker Dr. Loibl beim CSU-Frühjahrsgespräch

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Im Gespräch über den Mythos Bayern: Direktor Dr. Richard Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte und CSU-Kreisvorsitzender Alexander Dobrindt (links).

Peiting – Dass zum Mythos Bayern der Wald, das Gebirge und die Träume des Königs Ludwig II. gehören, aber genauso die Freiheitsliebe der Menschen: Dies zeigte Dr. Richard Loibl, der Direktor vom Haus der Bayerischen Geschichte, bei einem Gesprächsabend in Peiting auf. Der Mythos sei anfangs so von den Bergen und vom Voralpenland geprägt gewesen, dass er sich auf Altbaiern und Österreich bezogen habe.

Franken und die Oberpfalz seien zunächst nicht gemeint gewesen bei der Antwort darauf, was Bayern ausmacht. Sie seien später hinzugekommen – ebenso wie die Schwaben und Allgäuer, die sich aber, weil sie ebenso im Voralpenland zu Hause sind, ebenso wie die Leute im Oberland als richtige Bayern fühlten, führte Loibl bei der Veranstaltung im Gasthof Keppeler aus, die CSU-Kreisvorsitzender Alexander Dobrindt moderierte.

Frühjahrsgespräche

Dieses Frühjahrsgespräch ist eine kleine Tradition des Kreisverbands Weilheim-Schongau. Dazu gehören die Veranstaltungen mit Starkoch Alfons Schuhbeck (2017) in Peißenberg, dem ehemaligen Erzabt Notker Wolf (2016) in Oderding, dem Verleger Dirk Ippen (2015) in Schongau und dem langjährigen Chefredakteur Helmut Markwort (2014) in Penzberg.

Diesmal war mit Dr. Richard Loibl (52) der bislang jüngste Gesprächspartner bei dieser Veranstaltung zu Gast. Dafür gab es einen aktuellen Bezug: Loibl ist seit dem Jahr 2007 Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Augsburg und in dieser Funktion verantwortlich für die diesjährige Landesausstellung in Kloster Ettal, die am 3. Mai beginnt und bis 4. November geht.

Wie im offiziellen Prospekt zur Landesausstellung erwähnt, spielt Bayern bis heute eine Sonderrolle: als Naturparadies und Tourismusmagnet, als Wirtschaftsmacht und Bildungsland. Dies berührt die Frage nach der kulturellen Identität und trifft dabei auch einen politischen Nerv: Was ist zu tun, damit die Heimat lebens- und liebenswert bleibt?

Verbot für Schreibtische

Darauf sind Moderator ­Dobrindt und Direktor Loibl bei der Veranstaltung in Peiting kaum eingegangen. Vielmehr war es ein unterhaltsames Zwiegespräch. Wobei es einmal um den Schreibtisch von Franz-Josef Strauß ging, den der 1988 verstorbene CSU-Politiker in den Bonner Jahren nutzte und den nun Dobrindt als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe in Berlin hat. Ob er den für Ausstellungszwecke dem Haus der Bayerischen Geschichte übereignen könne, wollte Dobrindt wissen. Loibl entgegnete, er habe ein „Schreibtisch-Annahmeverbot“ ausgesprochen. Zu viele würden dem Haus der Bayerischen Geschichte angeboten. Zum Mythos Bayern gehöre auch die CSU; insofern sei der Mythos auch „etwas Modernes“, setzte Dobrindt drauf.

Stark entwickelt habe sich der Mythos Bayern im 19. Jahrhundert, gab Historiker Loibl zu bedenken. Dies habe viel mit dem Gefühl von Freiheit und den Idealen der Romantik zu tun – z.B. im Kontrast zum Ruhrgebiet in der Zeit der aufkommenden Industrialisierung, der Massenquartiere und der Volkskrankheiten. Oft werde das mit dem Wirtshaus oder Biergarten in Zusammenhang gebracht, wo der Kommerzienrat neben dem Dienstboten sitzen konnte und dies ein Gefühl von Freiheit bedeutet habe. Doch Loibl schränkte ein: Wenn ein Lehrer in Peiting vor mehr als 100 Jahren an den Stammtisch in der Peitinger Bauernwirtschaft sitzen wollte, dann wäre es mit der Liberalität wohl schnell vorbei gewesen.

Der Chef vom Haus der Bayerischen Geschichte ging auch auf den Begriff Freistaat ein. Dieser sei auch untrennbar mit Bayern verbunden. Der Freistaat war vor knapp 100 Jahren von Kurt Eisner ausgerufen worden. Genau da hakte Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer (Schongau) ein. Der Freistaat sei schon seit dem 19. Jahrhundert ein Begriff und nicht mit Eisner in Verbindung zu bringen. 1918 sei Bayern eher zum Volksstaat geworden.

Am Schluss fragte Dobrindt nach, was Interessenten auf der Landesausstellung in Ettal unbedingt anschauen sollten. Loibl überlegte kurz, dann kam er auf das Zeremonienschiff vom Starnberger See zu sprechen. Es sei 3.000 Jahre alt und stamme aus der Keltenzeit. „Ein imponierendes Exponat“, befand Loibl. 

Johannes Jais

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