Festakt zum 25-jährigen Jubiläum 

Historischer Verein Schongau schreibt Geschichte

+
Heide-Maria Krauthauf, Vorsitzende seit 1992, mit den Autoren Rainer Schmid, Franz Grundner und Harald Scharrer (links). Rechts Helmut Vollmann, dahinter Gerhard Tausche vom Verband bayerischer Geschichtsvereine.

Schongau – Er befasst sich nicht nur intensiv mit der Geschichte in der Region am oberen Lech; er schreibt auch selbst Geschichte: Die Rede ist vom Historischen Verein Schongau – Stadt und Land, der seit 25 Jahren besteht. Zuvor gab es seit 1981 schon die Freunde der Altstadt. Das Jubiläum war Anlass für einen Festakt im Ballenhaus.

Dabei verlieh Gerhard Tausche aus Landshut – er ist der zweite Vorsitzende des Verbands bayerischer Geschichtsvereine – dem Schongauer Helmut Vollmann die Ehrennadel, womit der Verband engagierte Mitglieder würdigt. Vollmann war von 1981 bis Anfang 1992 der Vorsitzende bei den Freunden der Altstadt Schongau. Im Historischen Verein ist er seit vielen Jahren Schriftführer.

Dem Verband bayerischer Geschichtsvereine gehören 213 historische Vereine in Bayern an. Ziel sei es, „Wissbegierde zu wecken“, sagte zweiter Vorsitzende Gerhard Tausche bei der Feier im Schongauer Ballenhaus. Der Begriff Heimat sei inzwischen – anders als früher – positiv besetzt. Aber da heiße es „aufpassen, damit sich nicht andere unsere Verdienste unter den Nagel reißen“, ergänzte Tausche. Keinesfalls dürften sich die historischen Vereine zufrieden zurücklehnen.

Die Vorsitzende Heide-Maria Krauthauf nannte einige Marksteine in der 25-jährigen Geschichte des Historischen Vereins Schongau – Stadt und Land, der aktuell 243 Mitglieder zählt, wovon ein Drittel außerhalb von Schongau ist. Dazu gehören die Erweiterung vom Schwerpunkt Denkmalpflege zur Heimatgeschichte, die Einbeziehung von Themen und Mitgliedern aus dem Umland, der Betrieb des Stadtmuseums seit 2004 und die Herausgabe des Jahrbuchs „Der Welf“.

Zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer sagte, die Vereinsarbeit im Sinne der Geschichte und Heimat sei „unbezahlbar“. Er hoffe, dass die Bürger im Schongauer Land „noch genügend Geschichten“ liefern für viele weitere Ausgaben des „Welfs“.

Die vier Fachbeiträge

Vorgestellt wurde bei der Feier das Jahrbuch „Der Welf“ für 2015, worin auf 220 Seiten vier Fachbeiträge abgedruckt sind. Franz Grundner, zweiter Vorsitzender des Historischen Vereins, fasst gemeinsam mit Städteplaner Reiner Bittner (Weißenburg) die Ergebnisse der Untersuchung zur Schongauer Altstadt zusammen. Es gibt in diesem denkmalpflegerischen Erhebungsbogen (Grundner: „Ein ziemlich sperriger Begriff“) Antworten auf mehrere Fragen: Wo in der Stadt waren welche Handwerker angesiedelt? Welche Funktionen/welche Bedeutung können den einzelnen Straßen der Stadt zugeordnet werden? Wie entwickelte sich die Stadt hinsichtlich ihrer Raumstrukturen?

Peter Winkler aus Weilheim blickt im Aufsatz zurück auf die Zeit, als der Hohe Peißenberg mit seinem Gnadenbild noch Ende des 18. Jahrhunderts ein beliebtes Wallfahrtsziel war. Der Augustinerchorherr Gelas Karner, der im Auftrag von Rottenbuch die Wallfahrer auf dem Berg betreute, führte von 1797 bis 1804 eine Gästeliste, also über die Aufhebung des Klosters hinaus. 

Winkler, Meteorologe und Leiter des Observatoriums bis 2005, widmet sich in seiner Analyse der Gästeliste den geistlichen Besuchern. Dazu gehören Klosterangehörige, weltliche Priester, wissenschaftlich tätige Mönche, Musiker und Gelehrte. Aus 15 bayerischen Klöstern, im Besonderen aus den naheliegenden Klöstern in Rottenbuch, Polling und Wessobrunn.

Harald Scharrer (Schongau) beschreibt den beschwerlichen Weg von 1894 (erster evangelischer Gottesdienst im Ballenhaus für die damals 200 Protestanten im Bereich Schongau) bis zur Gründung der evangelischen Kirchengemeinde vor 100 Jahren ebenso wie den Bau der evangelischen Kirche, die an Pfingsten 1916 geweiht wurde. Zudem skizziert er den Bau mit seiner Ausstattung, der von Bezirksbaumeister Adam Stuhlfauth geplant worden war. Dieser hatte als Vorbild für ein bodenständiges Gotteshaus die Kirche St. Michael in Altenstadt und St. Anna in Burggen genommen.

Der Politologe Rainer Schmid, der aus Birkland stammt und bei der Stadt München arbeitet, im neuen Welf dem Kriegsjahr 1915 in Schongau und der näheren Umgebung. Es ist ein Bild, wie vor Ort der Krieg erlebt wurde, wie er z.B. durchs Festsetzen von Höchstpreisen fürs Fleisch im Mai 2015 in immer stärkerem Maß den Alltag bestimmte und das Leid der Menschen vergrößerte.

Johannes Jais

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Messerstecherei in Schongau
Messerstecherei in Schongau
Jetzt bewerben: Werde das Kreisbote TrachtenMadl 2017
Jetzt bewerben: Werde das Kreisbote TrachtenMadl 2017
Große Bundeswehr-Vereidigung am Marienplatz
Große Bundeswehr-Vereidigung am Marienplatz

Kommentare