Höhere Priorität statt Streichung

Fuchstalbahn bleibt im Regionalplan

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Kehrt der Personenlinienverkehr zurück? Im April führte die BRB lediglich Überführungsfahrten durch.

Schongau – Ist das der Durchbruch für die Fuchstalbahn? Im Sommer vergangenen Jahres schienen alle Hoffnungen auf eine Reaktivierung der Strecke zwischen Schongau und Landsberg verloren, als bekannt wurde, dass sie nicht einmal mehr im Regionalplan auftauchen sollte. Doch nun die Rolle rückwärts: Die Passage bleibt stehen und wird sogar noch zugunsten einer höheren Priorität umformuliert. Und auch sonst könnte einiges an Bewegung in die Bahnstrecken der Region kommen. Unter anderem durch eine neue S-Bahnlinie, die in Kaufering hält und Schongauer Passagiere nach München befördert.

Seit im Jahr 1984 der letzte Personenlinienverkehrszug über die Gleise der Fuchstalbahn gerattert ist, herrscht beschauliche Ruhe. Hin und wieder mal ein Güterzug, in unregelmäßigen Abständen eine touristische Fahrt. Entsprechend groß war die Aufregung, als im April die blau-weiß-gelben Waggons der BRB (Bayerische Regiobahn) auftauchten. Aber sachte: Der Verkehrsbetrieb führte lediglich Überführungsfahrten durch. Ob jemals wieder ein geregelter Personenverkehr zurückkehrt?

Auftrieb könnte jetzt jedenfalls eine Entscheidung des Regionalen Planungsverbands stiften. Dieser will und soll die Zukunft der Region München lenken. Bis vor kurzem schien der einhellige Tenor, die Reaktivierung der Fuchstalbahn völlig aus dem Regionalplan zu streichen. Doch Überraschung, im neuesten Fortschreibungsentwurf ist zu lesen: „Der Bahnbetrieb auf der Strecke Landsberg-Schongau ist wieder aufzunehmen.“ Rolle rückwärts also und nicht nur das: Die neue Formulierung „ist“ räumt eine noch höhere Priorität ein als das bisherige „soll“.

„Ein positives Signal“, freut sich Stephan Albrecht, Pressebeauftragter der Initiative Fuchstalbahn. Das sieht auch Vater Tyll-Patrick Albrecht, Vorsitzender des Vereins und stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn Oberbayern, so. Doch er weiß: „Der Regionalplan ist ein Masterplan, der Zielvorgaben enthält.“ Also reichlich unkonkret und – wenn überhaupt – erst langfristig Wirkung entfaltend. „Die Elektrifizierung der Strecke Lindau-München stand 20 Jahre drin, bis sie tatsächlich in Angriff genommen wurde. Das kann Ewigkeiten dauern.“ „In den kommenden Jahren wird es sicher noch keine Reaktivierung geben“, tritt auch Stephan Albrecht auf die Euphorie-Bremse. Der noch zu beschreitende Weg sei ein langer.

Eine neue S-Bahnlinie als Hoffnungsträger

Doch Anzeichen dafür, dass nicht nur auf dem Papier Bewegung in die Sache kommt, sieht Tyll-Patrick Albrecht schon in näherer Zukunft. Vor allem der Bau der zweiten Stammstrecke in München brächte Dynamik ins Spiel. Um den neuen Tunnel in ein annehmbares Kosten-Nutzen-Verhältnis zu rücken, bedürfe es dringend steigender Fahrgastzahlen.

Für den Vorsitzenden der Initiative Fuchstalbahn ist deshalb klar: „Eine S-Bahnlinie zwischen Buchloe und München wird kommen.“ Die Pläne dafür seien einigermaßen fortgeschritten. S24 werde die neue Expressbahn heißen, die bis zum Ostbahnhof fahre und unter anderem in Geltendorf und Kaufering Halt mache. Für genau diese sei die Fuchstalbahn der ideale Zubringer. Fahrgäste aus Schongau und Umgebung gelangten künftig also nicht mehr über Weilheim nach München, sondern via Landsberg.

Noch dazu sei der Werdenfels-Takt zwischen Garmisch und der Landeshauptstadt, der über Weilheim fährt, an der Grenze seiner Kapazität angelangt. „Da wurden Hausaufgaben nicht gemacht.“ Ganz anders die Lindauer Strecke, deren Elektrifizierung es erlaube, Reisende aus dem Altlandkreis Schongau und dem Fuchstal aufzunehmen.

Bleiben noch die Mindestanforderungen, die der Freistaat Bayern, für eine Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken als unumgänglich erachtet: Die Kommunen müssten mitziehen, doch ist völlig unklar, ob diese Geld, beispielsweise für Signale, Bahnübergänge oder -steige, in die Hand nehmen wollen. Eine kostspielige Angelegenheit, zumal die Strecke der Fuchstalbahn beim Gros der Kommunen nicht durch den Ortskern verläuft, sondern eher entlegenere Schnipsel der Flur streift. Bahnhöfe mehrere Kilometer vom Gemeindekern entfernt – das scheint wenig attraktiv. Auch, wie der möglicherweise neuralgische Konfliktpunkt am Bahnübergang am Landsberger Katharinenberg in den Griff zu bekommen wäre, ist unklar. Einige Bürgermeister winkten daher bereits ab. „Manche unterstützen uns aber auch sehr“, so Pressesprecher Stephan Albrecht. „Die Lage kann sich, beispielsweise durch Wahlen, immer schnell ändern.“

Doch würden überhaupt 1 000 Fahrgäste – diese Marke gilt es zu erfüllen – täglich in die Fuchstalbahn steigen? „Zu beachten ist, dass eine Person, die morgens in die eine Richtung hin und abends zurückfährt, schon doppelt zählt“, rechnet Tyll-Patrick Albrecht vor. Außerdem habe Staatssekretär Gerhard Eck im November anklingen lassen, dass Spielraum bestünde.„Mit 300 Gästen klappt es aber natürlich auch nicht.“ Mit wie vielen Passagieren aber ist zwischen Schongau und Landsberg tatsächlich zu rechnen?

Nächster Schritt: Probebetrieb

Darüber könnte vor allem ein Probebetrieb Aufschluss geben. Bei der Viechtachbahn läuft ein solcher bereits, auch die Staudenbahn dürfe sich beweisen. Spannend sei, wie strikt der Freistaat hier auf die Vorgabe der 1 000 Fahrgäste poche. „Und nachdem Schwaben und Niederbayern jetzt einen Probebetrieb geschafft haben, sollte sich auch Oberbayern mal auf die Hinterbeine stellen“, findet Tyll-Patrick Albrecht. Die Fuchstalbahn eigne sich hierfür hervorragend.

Rassso Schorer

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