Hoerbiger streicht erneut Arbeitsplätze

Hatten schlechte Neuigkeiten zu übermitteln: Gerhard Messmer, Geschäftsführer der Hoerbiger Automotive Komfortsysteme, und Petra Hunger, Leiterin Standortkommunikation. Foto: Peters

Gerade erst musste der Automobilzulieferer Hoerbiger mitteilen, dass mindestens 70 Arbeitsplätze im Bereich Antriebstechnik in den Werken Schongau und Penzberg auf der Streichliste stehen, da gibt es die nächste Hiobsbotschaft. Sie kommt diesmal aus dem Geschäftsbereich Automative Komfortsysteme. 35 Mitarbeiter am Standort Schongau stehen vor ihrer Entlassung. 30 weitere Stellen fallen im Werk Boleslawiec in Polen weg.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte Gerhard Messmer erfreuliches zu berichten. Im April dieses Jahres stellte der Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Automative Komfort-systeme auf einer extra anberaumten Pressekonferenz stolz die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens vor. Nach Umsatzeinbußen durch die Wirtschaftskrise 2009 und anschließenden Umstrukturierungen – unter anderem wurde die Hydraulik-Produktion nach Polen verlagert – schreibe man seit Jahresbeginn wieder schwarze Zahlen, teilte er mit. Entsprechend selbstbewusst klangen damals die Ziele: Man wolle weiter wachsen, die Marktführerschaft erreichen und neue Märkte erschließen. Passend dazu zeigte Messmer stolz die neueste Entwicklung, den weltweit leisesten Hydraulikantrieb für Cabrio-Dächer. Als das Unternehmen jüngst erneut die Presse einlud, blieb der Mercedes SL mit dem flüsterleisen Dach in der Garage. Die positive Aufbruchstimmung hatte sich ins Gegenteil verkehrt. Schuld daran ist die Euro-Krise, die mittlerweile auch die Automobil-Industrie erreicht hat. Feierten die Hersteller bis vor kurzem noch Rekordgewinne, ist der Absatz in den vergangenen Monaten dramatisch eingebrochen. Darunter leiden auch die Zulieferfirmen. Für 2013 rechne man mit einem Umsatzzrückgang von 25 Prozent im Vergleich zur Planung, schilderte Messmer. Besonders betroffen ist das Segment Hydraulik, da vor allem die Nachfrage nach Cabrios dramatisch rückläufig ist. „Das Cabrio verliert seine Bedeutung als Lifestyle-Fahrzeug, sagte der Geschäftsführer. „Die Leute fahren jetzt viel lieber SUV.“ Das ist auch der Grund, weshalb Messmer nicht mit einer kurzfristigen Entspannung rechnet. „Wir können in absehbarer Zeit nicht davon ausgehen, dass die Nachfrage wieder nachhaltig steigen wird.“ Von 80 Millionen Euro in 2008 ist der Umsatz in den letzten Jahren auf 30 Millionen Euro gesunken. Dem Unternehmen bleibe daher keine Wahl. „Wir müssen uns erneut von Mitarbeitern trennen.“ 92 Beschäftigte sind in Schongau für Automative Komfortsysteme tätig. Ihre Zahl soll nun im Laufe des nächsten Jahres auf rund 30 Mitarbeiter sinken. Sowohl Betriebsrat als auch die Angestellten habe man davon vor kurzem in Kenntnis gesetzt, so Messmer. Weitere Info-Veranstaltungen seien geplant. Betroffen ist vor allem die Ersatzteilfertigung. Sie soll komplett aufgelöst und nach Polen verlagert werden. Auch am dortigen Standort, an dem die Serienproduktion läuft, will Hoerbiger 35 Arbeitsplätze streichen. Dass der schnelle Schritt hin zu Entlassungen irritiert, kann Messmer durchaus verstehen. „Aber wenn wir nicht rechtzeitig reagieren, gefährden wir viel mehr, vielleicht den ganzen Standort.“ Der Geschäftsführer beteuerte, „faire Lösungen“ für die entlassenen Mitarbeiter finden zu wollen. „Wir wollen ihnen eine Perspektive für die Zukunft bieten.“ Für sein Unternehmen sieht Messmer diese vor allem darin, künftig unabhängiger von der Autoindustrie zu werden. „Wir sind dabei, unsere Produktpalette zu erweitern, um in anderen Branchen Fuß zu fassen.“ Die neuen Ideen würden von der Belegschaft bereits positiv aufgenommen.

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