Trotzdem weiterhin gesprächsbereit:

Hohenfurch und seine Skepsis beim Thema Fuchstalbahn

Fuchstalbahn Hohenfurch
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Ob auf den auf Hohenfurcher Flur verlaufenden Gleisen irgendwann wieder Personenzüge fahren, bleibt fraglich.
  • Manfred Ellenberger
    VonManfred Ellenberger
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Hohenfurch – Bei den Plänen zur Reaktivierung der Fuchstalbahn dürfte den Befürwortern wohl auch weiterhin ein langer Atem abverlangt werden. Neben anderen Gemeinden steht auch der Hohenfurcher Gemeinderat dem Begehren mehrheitlich eher skeptisch gegenüber. 

So war es auch nicht verwunderlich, dass das Gremium sich bereits im nichtöffentlichen Teil der Septembersitzung gegen die Schließung von Bahnübergängen aussprach. Und auch die unklaren Kosten für die durch die Gemeinde zu finanzierenden Infrastrukturmaßnahmen trugen zu der ablehnenden Haltung bei den meisten Mitgliedern bei.

Dies und noch einiges mehr sprach Bürgermeister Guntram Vogelsgesang zwei Tage nach der Sitzung im Gespräch mit dem Kreisboten an. Aufgrund der Sachlage, dass für den Bahnsteig, für Parkplätze und Radständer, die Zuwegung und den unerlässlichen Kauf der nötigen Grundstücke noch kein Kostenrahmen angegeben worden sei, könne die Gemeinde einer uneingeschränkten Kostenübernahme nicht zustimmen.

Gestörte Vertrauensbasis

Vogelsgesang beanstandete zudem, dass beim letzten gemeinsamen Runden Tisch zu dem Thema im Vornherein „den Teilnehmern nicht der Teilnehmerkreis offenbart“ worden sei. Er wie auch weitere Bürgermeister der Anrainergemeinden seien davon ausgegangen, dass lediglich sie sowie die beiden betroffenen Landräte daran teilnehmen würden. Darüber hinaus seien aber auch Landtagsabgeordnete, Angehörige von Pro Bahn und Vertreter des Arbeitskreises Fuchstalbahn beteiligt gewesen.

Nach dem Runden Tisch, in dem das Eckpunktepapier durch Verkehrsingenieur Andreas Holzhey vorgestellt worden war, hatte sich auf Vogelsgesangs diesbezügliche Frage Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman dafür ausgesprochen, das Thema in den Gemeinderäten nicht öffentlich zu diskutieren. „Daran hab ich mich gehalten“, so Vogelsgesang mit Verweis auf die Sitzung des Hohenfurcher Gremiums im September, wo das Thema im nichtöffentlichen Teil behandelt worden war und er seine Handlungsdirektive für den nächsten im Dezember geplanten Runden Tisch bekommen hatte. Er sei „sehr konsterniert“ gewesen, als er in der Zeitung gelesen habe, dass von Sluyterman und Holzhey das Thema im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung in Schongau behandelt worden sei. Daraufhin habe er Sluyterman hierzu angeschrieben, so Vogelsgesang weiter. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass dies im Sinne der Transparenz öffentlich behandelt werden müsse und es nach Paragraf 52 der Gemeindeordnung auch keinen Grund für die Nichtöffentlichkeit gebe. Guntram Vogelsgesang war dies durchaus klar, wie er sagte. Er kennt die Gemeindeordnung. Er habe sich aber „im Sinne des Projektes Fuchstalbahn“ gedacht, es so zu machen, wie ehe­dem von Sluyterman propagiert. Im Nachhinein habe er sich „ein wenig übergangen gefühlt“, so das Gemeindeoberhaupt. Mehr noch sprach er diesbezüglich sogar von einer eingeschränkten Vertrauensbasis. Infolge der Lageentwicklung hatte er das Thema zu einem Tagesordnungspunkt beim öffentlichen Sitzungsteil des Gemeinderats in dessen jüngster Sitzung gemacht. Eine neuerliche Abstimmung in Form einer Handlungsanweisung für den nächsten Runden Tisch hatte es dort aber nicht gegeben. Diese war ja bereits im nichtöffentlichen Teil der Sitzung im September mit den dort erklärten Kernpunkten erörtert worden.

Konkret beinhaltet die Anweisung, dass einer – wie in dem vorliegenden fast 50 Seiten umfassenden Eckpunktepapier vorgesehenen – Schließung von drei der insgesamt acht Hohenfurcher Bahnübergänge nicht zugestimmt wird. Vogelsgesang begründet dies damit, dass insbesondere die davon betroffenen Landwirte bei Schließungen teils Umwege von mehreren Kilometern in Kauf nehmen müssten. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass meistens mehrere Fahrten an einem Tag anfallen, dürfte allein schon dieser Punkt bei den davon Betroffenen zur Ablehnung des Projekts führen. Die Bahn sehe auch vor, den Fußgängerverkehr aufgrund der fehlenden technischen Sicherung für Fußgänger nicht unmittelbar bei dem Übergang über die Hauptstraße einzubeziehen. „Deshalb haben die uns quasi gezwungen, den nördlichen Bahnübergang davon für den Fußgängerverkehr zu nehmen.“

Kostenrahmen

Auch wenn gemäß dem Eckpunktepapier die Maßnahmen beim Bau von Bahnübergängen aufgrund der Änderung des Gesetzes über Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen (Eisenbahnkreuzungsgesetz) die Kosten nicht mehr von den Gemeinden zu tragen sind, bleiben offenkundig vielerlei andere beachtliche Kosten bestehen. Mit seinem Hinweis „Wenn man einen Bahnsteig bauen muss, wenn man Parkplätze bauen muss, für Autos und Fahrräder Ladestationen bauen muss, das Grundstück dafür kaufen muss“, egal wie man zu diesem komme, bleibe auch bei dem in Aussicht gestellten Zuschuss von 50 Prozent eine hohe Summe „die durchaus mal eine Million erreichen kann“ stehen, führte Guntram Vogelsgesang die maßgeblichen weiteren Kostenträger und -treiber auf. Aus dieser Ungewissheit ergab sich die zweite Anweisung für den nächsten Runden Tisch. Sie besagt, dass einer uneingeschränkten Kostenübernahme auch weiterhin durch die Gemeinde nicht zugestimmt wird.

Gesprächsbereitschaft

Auch die Befürworter einer Reaktivierung der Fuchstalbahn hatten die zurückliegende Sitzung nochmals als Forum genutzt, um ihre Pro-Argumente vorzutragen. Obwohl der Bürgermeister seine eigene Position zwar grundsätzlich durch die mehrheitlich beschlossene Handlungsanweisung bestätigt sieht, zeigt er sich auch anderslautenden Positionen gegenüber nach wie vor aufgeschlossen und gesprächsbereit. Und da man sich diesen auch nicht gänzlich verschließen darf, bezeichnete er wohl auch aus diesem Grund den letzten Punkt der im Gemeinderat erarbeiteten Anweisung als „versöhnlichen dritten Teil“. Dieser besagt nämlich, dass trotz dem ablehnenden Beschluss von Hohenfurcher Seite auch weiterhin Gesprächsbereitschaft herrscht. Beim Altenstadter Bürgermeister Andreas Kögl, der auch aufgrund der Anrainerschaft des Ortsteils Schwabniederhofen ebenfalls am Runden Tisch dabei war, sieht Vogelsgesang die mehrheitlichen Hohenfurcher Kontra-Argumente weitestgehend bestätigt.

Ob der nächste Runde Tisch wie vorgesehen im Dezember oder aufgrund des momentan massiven Anstiegs an Coronafällen erst im kommenden Jahr stattfinden wird, wird sicher in Kürze entschieden werden.

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