Meteorologisches Observatorium erhält weitere Messeinrichtung

Hoher Peißenberg ist Gipfel der Klimaforschung

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Start eines Stratosphärenballons zur Ozonmessung. V. li.: Prof. Hans Schmid, Director KIT-Campus Alpin GAP; Dr. Werner Kutsch; Uwe Klinger, DWD Hohenpeißenberg; Stefan Müller; Alexander Dobrindt; Dr. Christian Plass-Dülmer und Prof. Dr. Gerhard Adrian.

Hohenpeißenberg– Mit einem Mausklick startete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vom Hohen Peißenberg aus den Dauerbetrieb der Messstation Gartow an der Elbe in Niedersachsen. Der 341 Meter hohe Turm ist die vierte Station eines Atmosphären-Messnetzwerkes, das in seiner Endausbaustufe neun Stationen in Deutschland aufweisen wird. Die zentrale Steuerung und Auswertung der Messdaten ist am Hohen Peißenberg angesiedelt.

Der deutsche Beitrag ist Teil der europäischen Forschungsinfrastruktur ICOS (Integrated Carbon Observation System), die hochpräzise Informationen über Konzentrationen und Bewegungen von Treibhausgasen, wie Kohlendioxid, Methan und Lachgas erhebt, analysiert und bewertet. „Wir setzen Meilensteine“, lobte Staatssekretär Stefan Müller vom Bundesministerium für Bildung und Forschung das finanzielle Engagement seines Hauses, das 16 Mio. Euro in das Projekt investierte. Die Messdaten ermöglichen, den Austausch von Treibhausgasen zwischen Atmosphäre, Ozeanen und Ökosystemen wie Wald, Feld und Mooren zu verfolgen. Ihre Auswertung und Interpretation soll zeigen, inwieweit getroffene Klimaschutzmaßnahmen sich schon positiv auswirken, und welche Handlungsempfehlungen sich für die Politik ableiten lassen. Nachdem die ersten vier Stationen in Betrieb sind, wurde das System dem Deutschen Wetterdienst (DWD) übergeben, der dem Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur zugeordnet ist. Bei der Staffelübergabe an sein Haus hob Dobrindt die internationale Bedeutung der deutschen Klimaforschung auf dem Hohen Peißenberg hervor: „Was Houston in Texas für die Raumfahrt ist, das ist Hohenpeißenberg für die Klimaforschung“, lobte er den Standort.

Klimaforschung Hohenpeißenberg

Alexander Dobrindt, als Bundesverkehrsminister oberster Dienstherr der Klimaforscher auf dem Hohen Peißenberg, nannte den Kampf gegen den Klimawandel „die größte Herausforderung unserer Generation“, die es zu bewältigen gelte. Die anwesenden Wissenschaftler ermunterte er in ihrer Arbeit mit dem Hinweis, dass es keine Denkverbote bei der Interpretation klimarelevanter Messreihen gebe. Diese sei vielmehr Bestandteil der Grundlagenforschung, auf deren Basis die Politik dann fachlich richtige Entscheidungen zu treffen habe, um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.

Das Treibhausgasbeobachtungsnetz (ICOS) wird von insgesamt 15 europäischen Ländern betrieben. Dr. Werner Kutsch, Generaldirektor des Programms, hob die Bedeutung des Netzes und die besondere Rolle der Station Hohenpeißenberg darin hervor. Seinen Ausführungen zufolge handelt es sich dabei um die europäische Infrastruktur, die in der Lage ist, alle relevanten Daten zu erfassen. Neben den Messstationen gehörten dazu auch Labore zur Kalibrierung (Prüfung) der Messgeräte und die zentrale Auswertung. Für Kutsch ist der international hohe Rang der deutschen Klimaforschung auch darin begründet, dass die zuständigen Ministerien in der Vergangenheit nicht nur finanzielle Mittel bereitgestellt, sondern auch die organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen hätten. „ICOS wird nicht stehen bleiben und sich weiter entwickeln“, gab er sich für die Zukunft zuversichtlich. So sei die Analytik inzwischen bei der Kohlendioxid-Messung in der Lage, festzustellen, ob die gemessenen Gaskonzentrationen ihren Ursprung aus fossilen Quellen (Kohle, Erdöl, Erdgas) haben oder vom Stoffwechsel heutiger Organismen stammen.

Prof. Dr. Gerhard Adrian, Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), sah dies ähnlich und stimmte die anwesenden Politiker darauf ein, dass auch in Zukunft Investitionen notwendig seien, um die gestiegenen Anforderungen an die Meteorologie zu bewältigen und die Spitzenstellung Deutschlands auf diesem Gebiet halten zu können. Für den DWD-Chef ist klar, dass der Standort Hohenpeißenberg weiterhin eine herausragende Bedeutung haben wird.

Dr. Christian Plass-Dülmer, der Leiter des Observatoriums, erläuterte abschließend Details des gesamten ICOS-Messprogramms und mit einigen seiner Kollegen die Aufgaben, die dabei von den Hohenpeißenberger Wissenschaftlern wahrgenommen werden. Durch die Einbindung von Messungen auf Schiffen auf der Ostsee, im Atlantik sowie auf dem deutschen Forschungsschiff in der Arktis und einer Station in Äquatornähe könnten umfassende Erkenntnisse zu den Treibhausgasflüssen gewonnen werden, berichtete Plass-Dülmer.

emh

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