"Kinder instrumentalisiert"

Rüffel im Schongauer Stadtrat für Realschulleiter Armin Eder

+
Die Fragen, ob die Hol- und Bringzone sinnvoll ist und wie sie angenommen wird, standen weniger im Fokus, als die Art und Weise, wie die jüngste Kritik vorgebracht wurde.

Schongau – Erst seit Mitte November steht sie der Benutzung offen, die neue und offizielle Hol- und Bringzone am Schongauer Schulzentrum. „Um ein Fazit zu ziehen, ist es zu früh“, findet Bürgermeister Falk Sluyterman. Einer hat es doch getan: In einem offenen Protestbrief an die Schongauer Tageszeitung zweifelt Armin Eder, Leiter der Pfaffenwinkel-Realschule, gemeinsam mit Schülersprechern und Elternbeirat in scharfen Worten die Sinnhaftigkeit an, wirft der Stadt unter anderem Steuerverschwendung vor. Dass er damit einigen Unmut auf sich zog, wurde bei der Stadtratssitzung am Dienstag klar.

Ganz am Ende der zuvor recht harmonischen Weihnachtssitzung war es vorbei mit der Besinnlichkeit: „So geht man nicht miteinander um“, machte sich Sluyterman Luft. „Solche Geschütze aufzufahren, ist für mich schwer nachvollziehbar“, hatte er zuvor seine Meinungen zu den Einlassungen Eders zusammengefasst. „Vorsichtig ausgedrückt.“

"Steuerverschwendung"

Ein Brief des Realschulleiters hatte zu einem großen Artikel in der Samstagsausgabe der Tageszeitung geführt. Vom „hohlen Zönchen“ war dort die Rede, das das An- und Abfahren überflüssige Elterntaxis noch befeuere. Rausgeschmissenes Geld, „Steuerverschwendung“, zu fraghaftem Zwecke.

Er hätte es vorgezogen, „miteinander statt gegeneinander“ zu sprechen, bedauerte Sluyterman, der Eder daraufhin selbst angerufen habe. Doch auch das Telefon des Bürgermeisters klingelte am Dienstag. Der Ministerialbeauftragte habe sein Unverständnis über Eders Verhalten zum Ausdruck gebracht, schilderte Sluyterman.

Daran, dass die Hol- und Bringzone ihre Daseinsberechtigung hat, wollte Stephan Hild keinen Zweifel aufkommen lassen. „Dass wir die dringend brauchen, kann man jeden Tag beobachten.“ Einzig an Bekanntheit fehle es ihr noch. Auch er, der UWV-Fraktionssprecher, zeigte sich angesichts Art und Weise der Ederschen Kritik verwundert. Beim jüngsten Hebauf am Schulzentrum Anfang Dezember sei man sich noch persönlich begegnet. „Da hat er nicht den Mut gefunden, uns anzusprechen. Stattdessen werden die Kinder instrumentalisiert.“

Gelegenheit verpasst

Weniger drastisch formulierte es Stadtbaumeister Sebastian Dietrich für die Verwaltung, vor die Sluyterman sich seiner Aussage nach „schützend stelle“. Es sei stets offen kommuniziert gewesen, dass die Hol- und Bringzone ein kleiner Mosaikstein im Gesamtkonzept am Schulzentrum sei. Dass viele Eltern ihre Kinder per Auto befördern, sei nun mal Fakt. Es gebe auch Schüler, die darauf angewiesen seien, relativierte er die Generalkritik an überfürsorglichen Müttern und Vätern.

Die verselbständigten Hol- und Bringzonen durch eine offizielle zu ersetzen, sei das Anliegen gewesen, das seinem Eindruck nach auch die Schulen teilten. „Die Schulleitungen waren beteiligt und hätten jederzeit einen Beitrag leisten können. Beim Runden Tisch seien seitens der Realschule „keine Widerworte“ zu vernehmen gewesen.

"Ist zu akzeptieren"

Das bekräftigte auch Bettina Buresch (ALS/Grüne). Sie sei stets eine Gegnerin der Hol- und Bringzone gewesen und halte sie für einen Fehler. Bei der Suche nach Mitstreitern sei sie bei den Schulen – auch der Realschule – aber abgeblitzt. Im Oktober 2018 hatten sich die Befürworter in einer Stadtratssitzung samt kontroverser Diskussion knapp mit 13:10 Stimmen durchgesetzt. „Als Demokratin habe ich das nun aber zu akzeptieren“, fasste Buresch nun zusammen und erntete dafür Sluytermans Zustimmung.

Dass er Eders Vorgehen nicht akzeptieren werde, unterstrich der Bürgermeister indes. Seine Vorstellungen, welchen Ausgang ein für Januar angesetztes Gespräch nehmen solle, sind klar: „Es wäre schön, wenn er sich entschuldigt.“ 

ras

Auch interessant

Meistgelesen

Aufwind e.V. sieht für Hohenpeißenberg noch überall Luft nach oben
Aufwind e.V. sieht für Hohenpeißenberg noch überall Luft nach oben
Der Peitinger Bürgermeister-Fünfkampf
Der Peitinger Bürgermeister-Fünfkampf
Burggens Bürgermeister Joseph Schuster stellt sich zur Wiederwahl
Burggens Bürgermeister Joseph Schuster stellt sich zur Wiederwahl
Wenn sich der Wald wandelt
Wenn sich der Wald wandelt

Kommentare