Ideenwerkstatt im Ballenhaus

Schongauer Marienplatz: Am liebsten ganz autofrei

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Ideen auf Kärtchen niedergeschrieben und auf Plänen skizziert. Angeregte Themenfindung mit Moderatorin Eva Bruns (weiße Bluse).

Schongau – Als „kreative Plattform“ wertete Damaris Reißmann aus Schongau die Ideenwerkstatt im Ballenhaus. Sie gehörte zu den 90 Teilnehmern, die am vergangenen Donnerstag zu der dreistündigen Veranstaltung gekommen waren und Vorschläge einbrachten zur Gestaltung der Fußgängerzone, die der Stadtrat im Frühjahr beschlossen hatte.

Dabei kristallisierte sich bei der Ideenfindung an vier dicht bela-gerten großen Tischen heraus, dass sich fast alle Bürger den gesamten Marienplatz nahezu autofrei wünschen. Auf die bis zu 16 möglichen Stellflächen nördlich des Brunnes sollte zugunsten einer Platzgestaltung mit Freiluftcafé und anderer Aufent-haltsflächen ganz verzichtet werden. 

Klare Gegner einer parkplatzfreien Zone zwischen Chor der Stadtpfarrkirche und Marienbrunnen sind Geschäftsleute. Franz Köpf, der ein Audio- und Videogeschäft an der Ecke Marienplatz/Kanzleistraße betreibt, sowie Peter Repper vom gleichnamigen Laden nahe am Ballenhaus sehen die Stellflächen als existenziell an. Sollten diese aufgegeben werden, so sei eine Verlagerung der Geschäfte an einen anderen Standort die Folge. 

Wie Bürgermeister Falk Sluyterman am Wochenende resümierte, werde der Stadtplaner Jochen Baur die Vorschläge der Bürger bei der Ideenwerkstatt in die Pläne zur beschlossenen Umsetzung der Fußgängerzone einarbeiten. Er gehe davon aus, dass die Stadträte im Herbst vom Architekten mehrere Varianten vorgelegt bekommen, was die Gestaltung des nördlichen Marienplatzes angeht, erklärte Sluyterman im Gespräch mit dem Kreisboten. 

Seine Aufgabe sei es, auch mit den beteiligten Geschäftsleuten nochmals über die Varianten auf der Nordseite des Marienplatzes zu reden. Klar sei aber auch, dass an der Fußgängerzone nach dem so genannten Konzept 5 (autofrei zwischen Brunnen und Ballenhaus sowie westlich dieses historischen Gebäudes) nicht gerüttelt werde. 

Anlass für die Ideenwerkstatt war, dass die Stadt die „vorzeitige Beteiligung aller Interessensgruppen und der Bürgerschaft“ gewährleisten wollte, wie es in der Einladung hieß. Bei dem Forum, das von Eva Bruns aus München moderiert wurde, sollten die Meinungen der Bürger im Mittelpunkt stehen. Stadträte und Mitarbeiter der Stadt sollten an den vier Tischen „eher defensiv“ auftreten, lautete die Bitte von Eva Bruns.

Ebenso wie Damaris Reißmann befürwortete bei der Ideenfindung auch Petra Thomas eine Lösung ohne jeglichen Parkplatz auf dem Marienplatz. So könne etwa die Freiluftgastronomie vor dem Jeans-Café deutlich ausgeweitet und die Aufenthaltsqualität in Schongaus guter Stube verbessert werden. 

In der Ideenwerkstatt gab es auch Stimmen, die Fahrbahn auf der Ostseite bis zum Finanzamt dicht zu machen. Weitre Vorschläge waren zum Beispiel ein Sonnensegel, eine kleine Allee oder eine überdachte Bühne. 

Die Stellplatzfrage

Stadtplaner Jochen Baur brachte eingangs Beispiele für eine Gestaltung. Er zeigte Bilder von der gut frequentierten Außengastronomie auf dem Weilheimer Marienplatz und von langen Sitzbänken in der verkehrsfreien Zone von Garmisch-Partenkirchen. Die Frage der Stellplätze nördlich des Schongauer Marienbrunnes sei offen; es gebe nicht nur ein Entweder (alle 16 Parkplätze) oder (null), sondern auch Zwischenlösungen.

Verkehrsbelastungen 

Stadtbaumeister Ulrich Knecht nannte die Zahlen, dass in der Altstadt 900 Menschen arbeiten und dass knapp 650 öffentliche Parkplätze vorhanden sind. Die Fußgängerzone nach dem Konzept 5 zwischen Brunnen und Ballenhaus werde veränderte Verkehrsbelastungen auf anderen Fahrbahnen zur Folge haben. 

Mit der Schließung des südlichen Marienplatzes erhöhe sich die Frequenz laut einer Prognose auf der östlichen Weinstraße von 1775 auf 2925 Fahrzeuge pro Tag. Und auf der westlichen Weinstraße steige sie von 2650 auf knapp 3000. Mit einer Erhöhung sei auch am nordwestlichen Marienplatz sowie auf der Christoph- und Karmeliterstraße zu rechnen. 

Knecht sagte, dass die Fußgängerzone zwischen April und Juni 2016 umgesetzt werde. Der Stadtbaumeister sagte mit Blick auf Bürgermeister Sluyterman: „Er treibt uns ordentlich an. Das kann ich Ihnen versprechen.“

Johannes Jais

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