Das Leben Mathias Baurs (1808 bis 1882) aus Apfeldorf

Im neuen Welf: Floßmeister und Holzhändler

Ein Lechfloß passiert die Floßgasse am Hochablass in Augsburg. An deren Ende tauchte es tief ein und durchnässte die Flößer. Die Besucher der nahen Gastwirtschaft betrachteten das Spektakel mit Vergnügen. Flößer, die in die Donau wollten, mussten durch den Hochablass fahren. 1910 wurde die Anlage durch Hochwasser zerstört (Bildpostkarte um 1900).
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Ein Lechfloß passiert die Floßgasse am Hochablass in Augsburg. An deren Ende tauchte es tief ein und durchnässte die Flößer. Die Besucher der nahen Gastwirtschaft betrachteten das Spektakel mit Vergnügen. Flößer, die in die Donau wollten, mussten durch den Hochablass fahren. 1910 wurde die Anlage durch Hochwasser zerstört (Bildpostkarte um 1900).

Apfeldorf/Schongau – Die Flößerei auf dem Lech ist seit der Zeit um 1900 Vergangenheit. In Apfeldorf haben sich in den Familien ehemaliger Flößer schriftliche Dokumente erhalten, die jetzt im Apfeldorfer Gemeindearchiv bewahrt werden. Der Welf 2016, das Jahrbuch des Historischen Vereins Schongau – Stadt und Land, widmete sich dem Apfeldorfer Floßmeister Josef Schwaller (1844 bis 1909). Der Welf 2020, der im Dezember erschien (wir berichteten), blickt nun auf die Geschäftsbücher von Schwallers Schwiegervater Mathias Baur (1808 bis 1882), eines sehr erfolgreichen Holzhändlers und Floßunternehmers im 19. Jahrhundert, das für die Lechflößer ein überwiegend goldenes Zeitalter war. 

Baur führte über Jahrzehnte hinweg Buch und schrieb eine Vielzahl von Verträgen auf, aus denen hervorgeht, von welchen Waldbesitzern vom Dießener Forst bis zum Hohenpeißenberg er Holz kaufte. Nach den Käufen mussten Holzmacher in die Wälder, die Baur in Apfeldorf und in den Nachbardörfern für diese schwere Arbeit verpflichtete.

Zwischen 1845 und 1876 unterschrieb er über 80 Lohnzahlungen an Holzfäller, die für ihn arbeiteten. Manche Holzverkäufer gestatteten nur ausgewachsene Stämme zu fällen, während das Jungholz geschont werden musste. Andere ließen den verkauften Wald komplett abräumen, so dass auch Stangen, Prügel, Dachsen, Dolden (Baumwipfel), Stockholz und Rinden mitgenommen wurden.

In allen Nachbarorten östlich des Lechs hatte Baur Fuhrleute, die für ihn das Holz aus den Wäldern holten. In Rott zum Beispiel standen 21 Leute zu Verfügung, darunter der professionelle Fuhrmann Georg Steigenberger. In Haid arbeitete Baur mit 18 Fuhrleuten zusammen, die mit über 80 Einsätzen in seinen Büchern verzeichnet sind. Dort stehen insgesamt die Namen von 300 Personen, die zwischen 1845 und 1875 Fuhrleistungen für ihn erbrachten.

Etwa ein Drittel der Fuhrleute erhielt von Baur den Auftrag, das Holz zur Riese in Apfeldorfhausen zu bringen. Der Apfeldorfer Ortsteil liegt 40 Meter über dem Lech. Die Holzrutsche (Riese), die dort seit langem existierte, war mit einem Holzlagerplatz verbunden, der vier Hauser Landwirten gehörte.

Da Baur in Apfeldorfhausen einen Bauernhof gekauft hatte, war er auch Mitbesitzer des Lagerplatzes. Baumstämme wurden von hier auf das Lechufer hinabgelassen und zu Flößen gebunden. Holzlagerplätze gab es aber auch am Lech in Unterapfeldorf, woran noch der Flurnamen Riesenfeld erinnert.

Holzhandel mit Augsburg

Mathias Baur brachte viel Arbeit in die Region. Das belegen nicht nur die zahlreichen Holzfäller und Fuhrleute, sondern auch die Flößer, die die Wasserfuhrwerke zusammenbanden und an ihre Zielorte brachten. Da die Kunden in Augsburg und Umgebung neben Scheitholz nicht nur Baumstämme haben wollten, sondern auch bearbeitetes Holz, Bretter, Latten, Balken und nach gewünschten Maßen geschnittenes Bauholz, musste Baur Aufträge an Sägewerke, Zimmerleute und Schreiner geben. Belegt sind nicht nur die Sägewerke in Lechmühlen und Landsberg, sondern auch an der Illach, in Rottenbuch und Hohenfurch.

1853 kauften Mathias Baur und Joseph Sepp aus Reichling in der Hirschau nördlich von Epfach einen Bauernhof und betrieben von hier aus bis 1862 auch den Holzhandel und die Flößerei. Da sie Gewinn und Verlust miteinander verrechnen wollten, wurden alle Aktivitäten genau aufgeschrieben. Daraus geht hervor, dass Baur und Sepp in Augsburg und Umgebung mit 40 Kunden regen Handel trieben, der ihnen Einnahmen von 70.000 Gulden brachte. Die größten Kunden waren die Zimmermeister und die Ziegelbrenner, denen Fabriken, das städtische Bauamt und Privatleute folgten. Ganz oben auf der Kundenliste standen die Zimmermeister Anton Ruf und Philipp Schelter, die Baulose für den Neubau des Hauptkrankenhauses in Augsburg gewonnen hatten, das zwischen 1856 und 1859 errichtet wurde. Dutzende Flöße brachten 1856 und 1857 tausende Bauhölzer für Ruf und Schelter nach Augsburg. Da viel geschnittenes Holz zu liefern war, bezogen sie den Landsberger Holzhändler und Sägewerkbesitzer Johann Deisenberger mit ein, um die Bestellungen fristgemäß zu erledigen.

Steine nach Wien

Baur und Sepp betrieben auch die Steinflößerei auf der Donau. In Stepperg, einem Ort zwischen der Mündung des Lechs in die Donau und der Stadt Neuburg, bauten sie die Lechflöße zu tragfähigen Donauflößen um, die die schweren Steine auf dem Strom transportieren konnten. Die Steinbruchbesitzer aus Solnhofen und den umliegenden Orten im Altmühltal brachten ihre Produkte nach Stepperg, wo die Flößer sie mitnahmen. Erhalten geblieben sind Briefe von Steinbruchbesitzern, die bei Mathias Baur anfragten, wann er wieder eine Fahrt nach Wien plane.

Er war aber nicht nur Spediteur, der Aufträge erfüllte, sondern nahm auch selbst Steine an Bord, die er in den Donau­städten verkaufte. Aus den Hirschauer Aufzeichnungen geht hervor, dass der Steintransport nach Wien ein gewinnbringendes Geschäft war. 1856 zum Beispiel wurden vier Fahrten dorthin durchgeführt. Den Ausgaben von 4.500 Gulden standen Einnahmen von insgesamt 8.000 Gulden gegenüber.

Landwirt und Gastwirt

Die Gewinne in der Holz- und Steinflößerei ermöglichten es der Familie Baur 1848 von ihrem Söldanwesen in den 93 Tagwerk großen Danielhof in Unterapfeldorf umzuziehen, den sie mit einem Baumeister und Bediensteten bewirtschaftete. Zehn Jahre später ersteigerte Mathias das einzige Gasthaus im Ort und betrieb es selbst, bis er es 1871 seiner Tochter Theres übergab, die Josef Schwaller heiratete, der ebenfalls ein großer Floßunternehmer wurde.

Mathias Baur war einer der erfolgreichen Vertreter des Flößerhandwerks, die im 19. Jahrhundert am Lech gar nicht so selten waren. Dafür gibt es einen schönen Beleg aus dem Jahr 1870: Damals zählte der Hochablässer in Augsburg 2.050 Flöße, die von 103 Lechflößern gebracht wurden. Darunter ein Dutzend Floßunternehmer, die mehr als 50 Flöße im Jahr am Hochablass anlandeten. Die erfolgreichsten waren Michael Fichtl und die Gebrüder Keller aus Lechbruck sowie die Gebrüder Erhard aus Kinsau, die mit etwas mehr als 100 Flöße verzeichnet sind. An vierter Stelle steht Mathias Baur mit 85 Flößen und hinter ihm Jakob Kink aus Stadl mit 84 Flößen.

Als Mathias Baur 1882 starb, war von seinen acht Kindern nur noch die Tochter Theres am Leben. Kurz vor ihm war sein 37 Jahre alter Sohn, Mathias Junior, verstorben, der bereits im Floßgeschäft des Vaters tätig war.

Karl Filser

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