Vorstand, Lehrer, "Fuchs"

Altbürgermeister Klement Sesar mit 85 Jahren verstorben – Ein Nachruf

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Konnte Menschen aufrütteln und begeistern: Klement Sesar – hier als Vorsitzender des Verkehrsvereins beim Umzug des Tourismusbüros in das grüne Rathausgebäude Ende 2017.

Peiting – Er stammt aus der Bäckerei Sesar, absolvierte die Meisterprüfung, hatte den Beruf aber wegen einer Mehlstauballergie aufgegeben. Später wurde er nach einer pädagogischen Weiterbildung Lehrer an der Berufsschule in Schongau. Ja, und dann folgten 18 prägende Jahre als Bürgermeister – eine bewegte Zeit, in der er vieles gebacken kriegte. So verlief der Werdegang von Klement Sesar, der nun im Alter von knapp 86 Jahren verstorben ist.

Um ihn trauern Elisabeth ­Sesar, mit der er mehr als 50 Jahre verheiratet war, sowie die beiden Töchter Andrea und Verena mit ihren Familien. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit war ausgeprägt: Klement Sesar und seine Frau hatten ihre Wohnung an der Tegelbergstraße gleichsam mitten zwischen den Häusern der beiden Töchter.

An der Berufsschule Schongau war Klement Sesar ein beliebter Lehrer. Er unterrichtete Deutsch, Sozialkunde und Ernährungslehre. Nach einer Fortbildung hatte er seit 1969 auch die Lehrbefähigung für die Fächer Chemie und Biologie.

Es folgte der Weg in die Politik. 1972 wurde er erstmals in den Gemeinderat gewählt und auf Anhieb zweiter Bürgermeister. Weil er so gern Lehrer war, zögerte er, für die CSU nach der Ära Karl Fliegauf anzutreten. Doch Herwig Skalitza, damals 21-jähriger JU-Vorsitzender und später von 1990 bis 1996 zweiter Bürgermeister, erinnert sich noch genau, wie er „einen groben Brief“ an Sesar richtete mit der Aufforderung, doch anzutreten. Sesar ließ sich überzeugen.

Mit 44 Jahren wurde er 1978 erster Bürgermeister, als er gegen Adolf Kapfer (SPD) gewann. Zweimal wurde der Rathauschef wiedergewählt. 1996 übergab er das Amt an Michael Asam.

Projekte in der Amtszeit

Für die Ära Sesar stehen mehrere Vorhaben: die Dreifachturnhalle in Birkenried, wo jetzt im Mai 2020 (wegen Corona) erstmals eine Marktgemeinderatssitzung abgehalten wurde, die Alfons-Peter-Schule und der Therese-Peter-Kindergarten, das Eisstadion, die Tennisplätze, Baumaßnahmen in Herzogsägmühle, die Ansiedlung der Firma EPT.

Mit den Unternehmen habe Klement Sesar einen „exzellenten Kontakt“ gepflegt, weiß Herwig Skalitza aus der Erinnerung. Bei einem Besuch in Leverkusen habe der Peitinger Bürgermeister den Herren in der Agfa-Vorstandsriege einen Fisch mitgebracht.

Sesar, der auch 42 Jahre dem Kreistag von Weilheim-Schongau angehörte, war nahezu vier Jahrzehnte der Vorsitzende beim Kreisfischereiverein Schongau. Des Weiteren engagierte er sich als Museumsvorstand, beim Freundeskreis Peiting-Calvi, wo er bis vor zehn Jahren Vorsitzender war, und beim Förderverein Villa Rustica. Den Vorsitz beim Verkehrsverein gab er erst im letzten Jahr weiter. Ein reges Vereinsleben war ihm ein zen­trales Anliegen.

Gern besuchte er auch im hohen Alter noch gesellige Veranstaltungen, war bei der Bürgerversammlung, beim Weihnachtskonzert der Knappschaftskapelle oder beim Neujahrsempfang der Peitinger CSU zu Gast. Klement Sesar sei ein Kämpfer gewesen, ein „Fuchs“ mit einer gehörigen Portion Bauernschläue – einer, der die Menschen begeistern konnte: So behält ihn sein Freund Herwig Skalitza in guter Erinnerung.

Johannes Jais

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