Bedarf steigt

Der Apfeldorfer Pflegebedarf der Zukunft

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Die Menschen werden älter – auch in Apfeldorf.

Apfeldorf – Die Menschen werden älter – auch in Apfeldorf. In der jüngsten Sitzung war Pajam Rais-Parsi vom Landrats­amt Landsberg zu Besuch. Er stellte die Fortschreibungen der Pflegebedarfsplanung im Landkreis vor – und was dies für die Zukunft der Gemeinde Apfeldorf bedeuten könnte.

Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird zweifellos zunehmen – auch in Apfeldorf. In einer Hochrechnung steigt sie von 3.030 (2017) auf 4.150 (2030) im Landkreis Landsberg an, so Rais-Parsi, der im Landratsamt für die Umsetzung und Weiterentwicklung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes zuständig ist. „Das ist ein Stück weit der Nähe zu München geschuldet, wir haben bei uns einen klaren Alterszuzug.“ Gleichzeitig sei die ambulante Pflege bzw. durch Angehörige rückläufig und ein Trend zum Bedarf stationärer Versorgung festzustellen – im Landkreis von 22 auf 27 Prozent. Daher stelle sich das Problem, dass man 2030 eine Versorgungslücke an 420 „vollzeitäquivalenten“ Mitarbeitern habe. Man solle sich bewusst sein, dass dies nicht vollen Stellen entspreche, da es hier einen hohen Anteil an Teilzeitkräften gebe.

Rais-Parsi machte bei seinem Besuch klar: „Die Situation in Apfeldorf ist nur bedingt zu pro­gnostizieren.“ Man rechne hier Zahlen vom Bundesland auf die Landkreisebene herunter. Um das auf ein Dorf mit tausend Einwohnern zu übertragen, bräuchte man eigentlich genaue Zahlen. „Daher können wir nur von einem Trend sprechen.“

Bis 2030 dürfte Apfeldorf 1.100 Einwohner haben, etwa 250 Personen würden über 65 Jahren alt sein. Laut Rechnung bedeutete dies: rund 35 Pflegebedürftige und über 30 Personen mit Demenz – allerdings beide Gruppen mit einer Schnittmenge. Unterm Strich bedeute dies also etwa 45 bis 50 Personen mit hohem Pflegebedarf.

Pajam Rais-Parsi bei seinem Besuch im Gemeinderat.

„Was möchten die? Zuhause wohnen, keiner möchte ins Pflegeheim“, erklärte Rais-Parsi. Derzeit sei dies im ländlichen Bereich, also auch in Apfeldorf, noch zu 90 Prozent der funktionierende Fall. Eine Versorgung und Betreuung sei allerdings für die Zukunft nur im Hilfe-Mix zu gewährleisten: „Es wird kein Weg daran vorbei führen, dass wir als Gemeinschaft etwas dazu beitragen, dass alle Leute gut leben können.“

Hier würden auch Sonderwohnformen, die heute noch nicht so verbreitet seien, an Stellenwert gewinnen: Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser mit nächtlicher Bereitschaft.

Rais-Parsi machte klar, dass es vom rechtlichen Standpunkt für die Gemeinde keine Verpflichtung gäbe, etwas zu machen. „Aber es gibt die Möglichkeit. Die Diskussion wird nötig sein.“ Bei Investitionen sei natürlich klar, dass ein Pflegeheim mit 150 Betten überhaupt nicht nach Apfeldorf passe. Hubert Paul fragte nach den Erfahrungen Rais-Parsis, etwa beim Thema Betreuten Wohnen: „Wollen die Leute das?“

Hier, so Rais-Parsi, sei der Tenor: „Wir wollen zu Hause bleiben, bis es nicht mehr geht.“ Und es gehe lange gut am Land. Doch irgendwann sei die Versorgung zu Hause leider nicht mehr zu gewährleisten. Paul regte an, sich in der Gemeinde künftig Gedanken zu machen über Zwischenstufen, etwa mit ambulanten WGs. Peter Szikora verwies auf die Form betreuten Wohnens, wo sich die Mieter eigenes Pflegepersonal für 24 Stunden engagieren und teilen – eine Art „Minipflegeheim“.

Auch der zweite Bürgermeister machte klar, dass Lösungen durch das Familienstärkungsgesetz auch politisch gewollt seien. „Es will keiner hier freiwillig weg von Apfeldorf. Derzeit leisten das noch die Familien auf dem Hof.“ Und man hole sich eine polnische Pflegehelferin, wenn es nicht mehr zu schaffen sei. Darin waren sich die Gemeinderäte in der Diskussion einig: Auch wenn die Situation mit pflegebedürftigen Mitbürgern im Dorf noch funktioniert, ist dies doch ein Thema, mit dem man sich rechtzeitig befassen muss. 

km

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