Ideen für den Marktplatz

Inklusionscafé soll für Leben im Zenetti sorgen

+
Ideen für den Steingadener Martkplatz wurden kürzlich vorgestellt. Ein Inklusionscafé könnte dem Zenettihaus Leben einhauchen.

Steingaden – Die Idee eines Cafés in Verbindung mit einem Laden für regionale Produkte im Zenetti-Haus geistert schon lange durch Steingaden. Nun sind die Planungen sehr konkret geworden, bei einem Informationsgespräch stellte der noch amtierende Bürgermeister Xaver Wörle zusammen mit Vertretern der Langau die Details vor.

InkCafé im Zenetti, das steht für Inklusionscafé und beschreibt das neue Konzept für das ehemalige Modehaus. Neben einem, von Menschen mit Behinderung geführten Café, soll in den Räumen eine „Manufaktur für hochwertige Süßwaren“ entstehen, wo Kuchen und Torten für Café und Shop produziert werden sollen. Die Idee, mit der sich Xaver Wörle schon länger beschäftigt: Wiederbelebung des ehrwürdigen Weinstadels und Bekleidungsgeschäftes, das seit eineinhalb Jahrhunderten im Besitz einer italienischen Kaufmannsfamilie und seit 2013 geschlossen ist. Und damit auch eine Wiederbelebung des Marktplatzes, ein zentraler Treffpunkt für Steingadener wie deren Gäste, mit einer kleinen Gastronomie, wo sich gerne auch mal Gruppen treffen können, dazu ein Platz für die Vermarktung regionale Produkte und lokaler Künstler.

Die Idee zu dem nun vorgestellten Konzept hat sich im Lauf der Jahre seit der Schließung des Modegeschäftes entwickelt (wir berichteten): Nach diversen Tests wurde es im Spätherbst 2018 konkret mit dem Weihnachtslädchen, das, so die Architektin und Stadt­entwicklerin Annegret Michler, in verschiedensten Veröffentlichungen als soziale Innovation gut aufgenommen wurde. Ein Eindruck, den auch Peter Barbian bestätigt: „Das Café kam gut an und es gab positive Gespräche“, resümiert der Leiter der Bildungs- und Erholungsstätte Langau. Im Frühjahr 2018 gab es die ersten Ideen zum Weihnachtsladen, noch im Laufe desselben Jahres sei klar gewesen, so Barbian, dass die Langau den Laden für die Gemeinde übernehmen wird. Wichtig sei, einen gemütlichen Wohlfühlort zu schaffen, so Barbian, für den bzw. für dessen Produkte man gerne auch „mal von Peiting bis hierher fährt“. Denn im Café sollen auch Süßwaren, Kuchen und Torten entstehen. „Denken Sie an Spanische Vanille oder Malakofftorte“, so Helmut Gallmeier, Kaufmann und gelernter Konditor. Zusammen mit ihm hat Barbian das Konzept für das Café entwickelt, das durch die Aktion Mensch gefördert wird. Davor mussten allerdings diverse Hürden gemeistert werden.

Gläserne Manufaktur und Foodtruck

Im Februar 2019, fast genau ein Jahr zuvor, hatte Barbian das Konzept des Cafés mit Regionalladen und kulturellem Angebot sowie Treffpunkt für lokale Gruppen vorgestellt und nach dem Ja aus dem Gemeinderat bei „Aktion Mensch“ eingereicht, um eine Förderung zu bekommen. Dort hatte man dann Fachleute entsandt um das Konzept als solches zu prüfen, allerdings mit einem niederschmetternden Ergebnis. Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen, so Barbian, hätten ergeben, dass es nicht möglich sei, ein Café mit bis zu 80 Plätzen dauerhaft zu füllen. „Das ist zumindest im Winter nicht zu schaffen, waren sich Fachleute einig“. Die Fixkosten seien zu hoch, erinnerte Barbian an die Gespräche, insbesondere aber würden die kulturellen und sozialen Angebote zwar dem Gemeinwohl dienen, sich aber nicht rechnen. Daher habe man nach einem neuen Konzept gesucht und sei gemeinsam mit einem Sternekoch auf die Möglichkeit der Manufaktur gestoßen. In der gläsernen Werkstatt, wo die Gäste bei der Produktion zusehen können, sollen „hochwertige, vor allem aber regionale Süßwaren“ in Zusammenarbeit mit Spitzenpatissiers entstehen; darüber hinaus sei auch eine Art Foodtruck denkbar, mit dem die Produkte auf Märkten in der Region verkauft und so für das Café geworben werden soll. Einen Tag in der Woche steht das dann geschlossene Café exklusiv für soziale Angebote zur Verfügung.

Dieses erfolgversprechende Konzept, so Barbian, werde die „Aktion-Mensch“-Lotterie unterstützen und vor allem die Mitarbeiter über fünf Jahre hinweg finanzieren. Darüber hinaus habe auch die Regierung von Oberbayern eine Förderung in Aussicht gestellt, erklärte Bürgermeister Xaver Wörle. Nicht ganz die Hälfte der geschätzten Umbaukosten von 320.000 Euro sollen aus München kommen. So würden also noch 180.000 Euro übrig bleiben, die dann über 30 Jahre abgeschrieben werden könnten, so Wörle.

Die Miete des Ladens werde die Gemeinde natürlich dem Betreiber des Geschäftes in Rechnung stellen. Man rede hier von 6.000 Euro pro Jahr, sagte Wörle, die in seiner Beurteilung „ein sehr gut angelegtes Geld im Sinne auch des Zusammenhaltes und des sozialen Angebotes in unserer Gemeinde“ seien. Ein Punkt, auf den der scheidende Bürgermeister in seiner Rede mehrfach eingegangen war. So könnte das Café im Zenetti mit den vielfältigsten Möglichkeiten ein Ort werden, „der den Nerv der Zeit trifft. Es wäre ein Raum für Innovationen und Ideen, der Menschen verbindet und auch zueinander führen kann“. 

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Diskussion im Brauhaus zum Thema Rassismus allgemein und im Landkreis
Diskussion im Brauhaus zum Thema Rassismus allgemein und im Landkreis
Investition bei TQ-Systems auf ehemaligem Agfa-Gelände
Investition bei TQ-Systems auf ehemaligem Agfa-Gelände
Verkehrte Welt im Hohenfurcher Schilderwald
Verkehrte Welt im Hohenfurcher Schilderwald
Aktionsgemeinschaft gegen "Müllverbrennungsanlage Altenstadt"
Aktionsgemeinschaft gegen "Müllverbrennungsanlage Altenstadt"

Kommentare