"Katastrophe für Vermieter"

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Völlige Bestürzung: Waltraud und Karl Baier aus Peiting in ihrem komplett verwüsteten Garagen-Anbau.

Landkreis – Die Bilder in der jüngsten Samstagsausgabe des Kreisboten hatten für großes Echo gesorgt. Über drei Jahre hatte ein Messie im Garagen-Anbau des Peitinger Ehepaars Baier gehaust und die Wohnung verdreckt zurückgelassen. Kein Einzelfall, berichtet Josef Hutter im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist seit fast 30 Jahren 1. Vorstand des Haus- und Grundbesitzervereins Schongau und Land.

Herr Hutter, haben sie ein solches Ausmaß an Verwüstung, wie im jüngsten Peitinger Fall, schon einmal gesehen?

Hutter: „Leider ja. Unser Verein hat rund 580 Mitglieder, jährlich werden bis zu drei solcher Fälle an uns herangetragen. Ich erinnere mich an eine krasse Begebenheit im Jahr 2016: Damals hatte eine Frau eine gemietete Wohnung in Schongau total verwüstet, sich aber geweigert, auszuziehen. Eine Räumungsklage war erfolgreich. Einen Tag vor Vollstreckung hat die Dame sämtliche Wasserhähne aufgedreht, sich aus dem Staub gemacht und die ganze Wohnung geflutet. Das Ausmaß der Zerstörung können Sie sich vorstellen.“

Wie ging die Angelegenheit aus?

Hutter: „Der Schaden betrug rund 15 000 Euro. Die Vermieter, ein älteres Ehepaar, waren natürlich völlig fertig. Die damalige Mieterin wurde nach Auskunft der Vermieter strafrechtlich verurteilt und sitzt wegen Sachbeschädigung und Mietbetrug im Gefängnis. Sie hatte sich schon vorher mehrmals ähnliches erlaubt.“

Bei aller berechtigter Wut: Das Messie-Syndrom gilt als seelische Erkrankung.

Hutter: „Das ist richtig und die Menschen können einem auch leidtun. Ich sehe aber eher die Katastrophe für die Vermieter. Sie werden bei der Selbstauskunft bewusst getäuscht und in ihrer Gutmütigkeit ausgenutzt. Die Erkrankten hinterlassen eine Spur der Verwüstung, bleiben bewusst die Miete schuldig und lassen die Immobilieneigentümer auf dem Ärger und den Kosten sitzen.“

Auch das Peitinger Ehepaar Baier rechnet sich kaum Chancen aus, den Schaden einzuklagen. Wieso sind die Karten der Vermieter so schlecht?

Hutter: „Generell ist zwischen der straf- und der zivilrechtlichen Schiene zu unterscheiden. Strafrechtlich relevant ist das Ganze erst, wenn mutwillige Sachbeschädigung nachgewiesen werden kann. Wie beim geschilderten Fall mit der überfluteten Wohnung in Schongau. Wird nur Unrat zurückgelassen und werden Mietschulden angehäuft, greift die Polizei und das Strafrecht nicht ein.“

Und die zivilrechtliche Seite?

Hutter: „Da besteht schon mal eine Schwierigkeit darin, dass die Vermieter die Anwalts- und Gerichtskosten selbst aufbringen müssen. In der Regel bekommen sie zwar Recht, die Mieter sind aber meistens finanziell dermaßen abgebrannt, dass da nichts mehr zu holen ist.

Die Vermieter erringen vor Gericht also einen kostspieligen Sieg ohne Wert?

Hutter: „So ist es. Sie erstreiten einen auf 30 Jahre gültigen Schuldtitel. Der bringt ihnen aber finanziell unter Umständen nichts. Auf rechtlichem Weg wieder an sein Geld zu kommen, ist fast unmöglich. So stellt sich die Realität dar. Unser Verband weist seit Jahren darauf hin und will eine Gesetzesverschärfung.“ 

Interview: Rasso Schorer

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