Anstelle des Neujahrsempfangs in der Franz-Josef-Strauß Kaserne

Der Kommandeur Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillon 3 im Gespräch

Kaserne Altenstadt Franz-Josef-Strauß Tillery
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Oberstleutnant Sven Tillery vor der Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt. Ein Offizier, der auch – wie hier beim Fototermin – bei stärkstem Schneegestöber optimistisch bleibt.

Altenstadt – Nach der Übernahme des Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillons 3 an einem heißen Sommertag im Juli letzten Jahres von dessen vormaligem Kommandeur Oberstleutnant Robert Badstübner dürften sich heuer zahlreiche zivile und militärische Gäste auf die Einladung des neuen Bataillonskommandeurs und Standort­ältesten Oberstleutnant Sven Tillery zum Neujahrsempfang in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt gefreut haben. Nicht zuletzt, um zu hören, was ihnen der inzwischen schon seit mehr als einem halben Jahr im Amt befindliche Stabsoffizier bei seiner Ansprache zur Bundeswehr im Allgemeinen und natürlich besonders zu den Dienststellen am Standort Altenstadt zu berichten hatte. Doch auch der Traditionstermin musste wegen Corona entfallen. Im Interview blickt Oberstleutnant Tillery zurück. 

Herr Oberstleutnant Tillery, vor über einem halben Jahr haben Sie die Dienstgeschäfte des Standort­ältesten am Standort Altenstadt und bei einem feierlichen Appell das Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillon 3 von ihrem Vorgänger übernommen. Lief es seitdem sowohl bei der zivil-militärischen Zusammenarbeit als auch bei der Führung Ihres Bataillons so, wie Sie es sich bei Ihrer Übernahme vorgestellt haben?

Tillery: „Zunächst möchte ich mich auf diesem Wege ganz herzlich für die überaus freundliche Aufnahme hier in Altenstadt bedanken. Seit dem ersten Tag fühle ich mich hier sehr wohl und darf auf sehr angenehme und interessante Gespräche mit Vertretern des öffentlichen Lebens, der regionalen Politik und der Presse zurückblicken. Die Akzeptanz der Bundeswehr in der Gesellschaft und das freundliche Miteinander haben mich sehr beeindruckt und ich freue mich darauf, die zivil-militärische Zusammenarbeit schnellstmöglich wieder zu intensivieren, sobald es die aktuelle Lage zulässt. Leider mussten im vergangenen Jahr viele liebgewonnene Vorhaben gestrichen werden. So musste die Vereidigung unserer Lehrgangsteilnehmer am 12. November 2020, dem 65. Gründungstag der Bundeswehr, ohne Gäste und innerhalb der Kaserne unter Anwendung strenger Hygienemaßnahmen stattfinden. Das Adventskonzert, das normalerweise eine sehr schöne und stimmungsvolle Gelegenheit bietet, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen und das Jahr gemeinsam ausklingen zu lassen, musste ebenso wie der diesjährige Neujahrsempfang abgesagt werden. Da diese Maßnahmen zum Zeitpunkt meiner Übernahme im Juli noch nicht in diesem Umfang absehbar waren, muss ich – um auf den ersten Teil Ihrer Frage zu antworten – sagen, dass die zivil-militärische Zusammenarbeit seit meiner Übernahme aufgrund der Corona-Lage leider nicht so intensiv durchgeführt werden konnte, wie alle Beteiligten sich dies wünschen und aus der Vergangenheit auch gewohnt sind. Nichts desto trotz werde ich alles daransetzen, die oben erwähnten Vorhaben wieder durchzuführen, sobald dies wieder möglich ist.

Die Akzeptanz der Bundeswehr in der Gesellschaft und das freundliche Miteinander haben mich sehr beeindruckt.

 Oberstleutnant Sven Tillery

Aber nicht nur im zivil-militärischen Bereich gab es Corona-bedingte Einschränkungen. Auch im Ausbildungsbetrieb gab und gibt es viele Maßnahmen und Einschränkungen, die darauf abzielen, den Ausbildungsbetrieb – wenn auch in deutlich kleinerem Umfang – unter bestmöglichem Schutz für alle Soldatinnen und Soldaten durchzuführen.

So wurde im FA/UA-Btl 3 seit dem letzten Jahr die Teilnehmerzahl in den verschiedenen Lehrgängen deutlich reduziert, Ausbildungen wurden an die aktuelle Lage angepasst und unter Anwendung eines strengen Hygienekonzeptes und teilweise verkürzt durchgeführt. Die Vermittlung theoretischer Ausbildungsanteile erfolgt derzeit anteilig im Distance-Learning und somit von zu Hause aus. Darüber hinaus verrichten viele Soldaten ihren Tages-Dienst im Home-Office, so dass immer nur so viele Soldaten tatsächlich präsent sind, wie es der Dienst erfordert. Viele Besprechungen finden per Video- oder Telefonkonferenz statt. Das war anfangs sicherlich gewöhnungsbedürftig, hat sich jedoch inzwischen als durchaus praktikabel erwiesen. Eine solche Lage erfordert immer wieder neue Ideen und ich bin meinen Männern und Frauen sehr dankbar, dass sie täglich alles daransetzen, den Ausbildungsbetrieb aufrecht zu erhalten. Das ist mit vielen Einschränkungen verbunden, erfordert sehr viel Kreativität und Flexibilität, ist sehr fordernd und das rechne ich ihnen sehr hoch an.

Ich kann es nachvollziehen, dass es – auch hier in der Region – vereinzelte Stimmen aus der Bevölkerung gibt, ob die Durchführung der Ausbildung in der aktuellen Lage nicht pausieren oder ausgesetzt werden sollte. Diese ist jedoch absolut notwendig, damit die Bundeswehr auch weiterhin über gut ausgebildete Soldaten verfügt, um auch künftig ihren vielseitigen Verpflichtungen im In- und Ausland gerecht werden zu können. Und sie können versichert sein, dass wir alles daransetzen, die strengen Hygieneauflagen umzusetzen und mit den zuvor beschriebenen Maßnahmen den bestmöglichen Schutz aller Beteiligten zu gewährleisten.“

Vorausgesetzt, es gelingt eine rasche Rückkehr zur Normalität in diesem Jahr. Was sind Ihre vorrangigen beruflichen Vorhaben und Ziele?

Tillery: „Es wäre sicherlich sehr schön, wenn wir schnell wieder zur Normalität übergehen könnten. Die Corona-Lage und die damit verbundenen Einschränkungen zehren natürlich schon an den Kräften und machen den Dienst nicht gerade einfacher. Meine beruflichen Vorhaben und Ziele werden sich jedoch beim Übergang zur Normalität nicht ändern: Auch künftig wird es darum gehen, den jungen Führungsnachwuchs bestmöglich und qualitativ hochwertig im Rahmen der lehrgangsgebundenen Ausbildung auszubilden. Das geht unter ‚pandemiefreien‘ Rahmenbedingungen natürlich weitaus einfacher. Bis dahin müssen wir jedoch weiterhin alles daransetzen, die Soldatinnen und Soldaten, sowie die zivilen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Franz-Josef-Strauß-Kaserne bestmöglich vor Infektionen zu schützen und trotz aller Schwierigkeiten unseren Ausbildungsauftrag zu erfüllen.“

Ihr Vorgänger Oberstleutnant Badstübner hat bei vielerlei Anlässen die enge und gute Zusammenarbeit zwischen dem Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillon und der von Oberstleutnant Udo Francke geführten zweiten großen Dienststelle am Standort, dem Ausbildungsstützpunkt Luftlande/Lufttransport, hervorgehoben.

Tillery: „Das ist richtig und ich kann das nur bestätigen. Obwohl unsere beiden Dienststellen wenig inhaltliche Berührungspunkte haben, pflegen wir ein sehr gutes und kameradschaftliches Verhältnis. In der Vergangenheit haben wir uns regelmäßig gegenseitig bei den diversen Großvorhaben, wie beispielsweise dem „Tag der Fallschirmjäger“, dem Neujahrsempfang oder auch im Rahmen von Vereidigungen unterstützt. Sobald diese Vorhaben wieder im gewohnten Rahmen stattfinden können, werden wir das auch wieder tun.

Insbesondere beim Thema Infrastruktur in der Franz-Josef-Strauss-Kaserne tauschen wir uns regelmäßig aus und setzen alles daran, die zur Verfügung stehenden infrastrukturellen Ressourcen bestmöglich zum Einsatz zu bringen und zu verbessern.“

Und wie verhält es sich aufgrund der aktuellen Lage bei der Zusammenarbeit mit Ihrer Garnisonsgemeinde?

Tillery: „Die Zusammenarbeit mit der Garnisonsgemeinde ist sehr gut und macht mir viel Freude. Die derzeitigen Corona-Auflagen erschweren jedoch den persönlichen Austausch, was ich sehr bedauere, was aber auch vollkommen nachzuvollziehen ist. Ich hoffe sehr, dass sich die Lage bald wieder normalisiert und wir uns wieder regelmäßig treffen und austauschen können und uns in der Öffentlichkeit, beispielsweise im Rahmen einer Vereidigung, präsentieren und die sehr gute Zusammenarbeit weiter fortführen können.

Trotz der bestehenden Einschränkungen und derzeit weniger persönlichen Kontakten funktionieren Informationsaustausch und Planung gemeinsamer Projekte reibungslos. So konnten wir auch im letzten Jahr gemeinsam mit den umliegenden Städten und Gemeinden die Friedhofsammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützen. Auch die Kranzniederlegungen im Rahmen des Volkstrauertages wurden gemeinsam geplant und unter Berücksichtigung der entsprechenden Auflagen in einem kleinen, aber – wie ich finde – sehr würdigen Rahmen durchgeführt.“

Wie viele Soldaten sind auch Sie Pendler und verbringen die Wochenenden bei Ihrer Ehefrau und ihrem sechsjährigen Sohn im 350 Kilometer entfernten Tauberbischofsheim. Hatten Sie aufgrund der besonderen Verwendung als Bataillonskommandeur einmal in Erwägung gezogen, in den schönen Pfaffenwinkel zu ziehen?

Tillery: „Die Region in und um Altenstadt ist eine der schönsten Regionen, in denen ich bisher in meiner militärischen Laufbahn eingesetzt war. Ich habe mich an den Bergen, die ich übrigens aus meinem Dienstzimmer sehr gut sehen kann, noch lange nicht sattgesehen.

Ein Umzug für meine derzeitige Traumverwendung kam für meine Familie und mich jedoch nicht in Betracht, da wir uns in Tauberbischofsheim sehr wohl fühlen, viele Freunde und Bekannte haben und weil unser Sohn dort seine Freunde und Spielkameraden hat, mit denen er in diesem Jahr eingeschult wird. Diese Beständigkeit gerade in dieser Zeit ist uns ganz wichtig, auch wenn ich dafür in Kauf nehmen muss, nur an den Wochenenden daheim sein zu können. Allerdings haben meine Frau und mein Sohn mich im letzten halben Jahr schon einige Male in Altenstadt besucht. Dabei haben wir gemeinsam die wunderschöne Gegend erkundet und schon viele Unternehmungen gemacht, einschließlich einer für uns Norddeutsche doch recht herausfordernden Bergwanderung.“

Die Region in und um Altenstadt ist eine der schönsten Regionen, in denen ich bisher in meiner militärischen Laufbahn eingesetzt war.

Oberstleutnant Sven Tillery

Blicken wir einmal mit viel Vertrauen in die Zukunft, konkret auf den Januar im Jahr 2022 und auf ein dann für Sie hoffentlich erfülltes zurückliegendes Jahr als Kommandeur. Der dann für Sie stattfindende erste dürfte zugleich auch Ihr einziger und letzter Neujahrsempfang gewesen sein, oder?

Tillery: „Führungsverwendungen bei der Bundeswehr sind in der Regel auf drei Jahre begrenzt, so dass ich darauf hoffe, dass es nicht nur bei einem Neujahrsempfang in 2022 bleibt, sondern dass ich mindestens noch zweimal die Möglichkeit habe, viele Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben zu diesem Event einzuladen und die hervorragende Beziehung zwischen der hiesigen Bevölkerung und der Bundeswehr weiter zu vertiefen.“

Und wie sehen Ihre beruflichen wie auch privaten Ziele danach aus?

Tillery: „Das kann ich derzeit noch nicht absehen. Mir ist es jedoch sehr wichtig, eine Aufgabe zu haben, die mich immer wieder fordert und die mir Freude macht. Die Bundeswehr ist da ein wirklich vielfältiger Arbeitgeber, so dass ich keine Befürchtung habe, dass ich mich in einer meiner nächsten Verwendungen nicht gut aufgehoben fühlen werde. Für meine Familie wäre es sicherlich sehr schön, wenn ich wieder etwas näher an der Heimat Tauberbischofsheim Dienst tun könnte, aber bis es soweit ist, sich konkrete Gedanken machen, ist ja noch Zeit. Bis dahin genieße ich meine Zeit als Bataillonskommandeur an einem der schönsten Standorte, die die Bundeswehr zu bieten hat.“

Zur Person

Nach seiner Indienststellung vor gerade einmal sieben Jahren im Januar 2014 kann das Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillon 3 mit Oberstleutnant Sven Tillery immerhin schon den vierten Kommandeur vorweisen. Damals war lediglich eine der beiden Ausbildungskompanien am Standort Altenstadt stationiert, die zweite befand sich am Standort Füssen. Aber bereits im Jahr darauf wurde die Füssener Kompanie ebenfalls nach Altenstadt verlegt. Seither werden in der Franz-Josef-Strauß- Kaserne jährlich bis zu 1.000 angehende Unteroffiziere und Feldwebel im Rahmen der lehrgangsgebundenen Individualausbildung ausgebildet. Der in Hamburg geborene 41-jährige Sven Tillery ist 1998 in die Bundeswehr eingetreten. Er ist geschulter Heeresflugabwehr-Mann und hat Betriebswirtschaft studiert. Vor seiner Verwendung in Altenstadt war er Einsatzstabsoffizier im Stab der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim. In den zurück liegenden 22 Jahren hat er darüber hinaus zahlreiche Führungs-, Ausbildungs- und Stabsfunktionen wahrgenommen. Dabei absolvierte er auch drei Auslandseinsätze in insgesamt zwei Einsatzgebieten. 2007 und 2012 war Sven Tillery im Einsatz in Afghanistan und 2018 im Kosovo. Nun ist er seit über sechs Monaten Kommandeur eines Bataillons, in dem künftige militärische Vorgesetzte und Führer ausgebildet werden.

Interview: Manfred Ellenberger

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