Interview mit Peter Ostenrieder

Ehe für alle: "Das ist ein unglaublich gutes Gefühl"

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Peter Ostenrieder.

Birkland – Am heutigen Freitag hat der Bundestag die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Einer, der die Abstimmung besonders interessiert verfolgt hat, ist Peter Ostenrieder. Der Kreisbote sprach mit dem schwulen Peitinger Gemeinderat über die historische Entscheidung.

Herr Ostenrieder, am Freitag hat der Bundestag die Ehe für alle beschlossen. Für Sie eine längst überfällige Entscheidung?

Ostenrieder: „Ganz klar. Ich habe schon 2013 vor der Landtagswahl gesagt, dass daran über kurz oder lang kein Weg dran vorbeiführen wird.“

Warum?

Ostenrieder: „Die Ehe für alle ist die logische Konsequenz, wenn man die Gleichbehandlung, die in unserem Land gilt, ernst nimmt. Ich sehe die Ehe als Verbindung von zwei Menschen, die nachhaltig füreinander einstehen und den Lebensweg gemeinsam verbringen möchten – ganz egal, ob das nun Frau und Mann oder Mann und Mann oder Frau und Frau sind.“

Den Weg freigemacht für die Abstimmung im Bundestag hat Kanzlerin Angela Merkel, indem sie für eine Gewissensentscheidung zu dem Thema plädierte. Sie selbst stimmte dagegen. Ein Widerspruch?

Ostenrieder: „Im Gegenteil. Für mich ist das echtes Demokratieverständnis, wenn man ein Thema wie dieses zur Abstimmung bringt, obwohl man weiß, dass man unterliegt. Übrigens sind auch Vorwürfe wie ,man entscheidet über das Volk hinweg‘ nicht haltbar, da sämtliche Umfragen eine klare Mehrheit für die Ehe für alle ergeben haben.“

75 Unionspolitiker, darunter Ursula von der Leyen und Peter Altmaier, haben für die Ehe für alle votiert, andere – wie Alexander Dobrindt – sind der langjährigen Parteilinie treu geblieben. Ist diese Zerrissenheit ein Problem für CSU/CDU?

Ostenrieder: „Das glaube ich nicht. Es gehört zur Grundlage unserer Gesellschaft, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann. Im Übrigen wird immer gern beklagt, wenn Fraktionen geschlossen abstimmen. Ist es einmal nicht der Fall wie jetzt, dann wird es gleich zum Partei-Problem hochstilisiert.“

Können Sie die Vorbehalte, die manch Ihrer Parteikollegen gegen die Ehe für alle haben, verstehen?

Ostenrieder: „Da tue ich mich ehrlich gesagt schwer. Meist gibt es keine richtigen Gründe für die ablehnende Haltung. Vielmehr spielen subjektive Ängste eine Rolle, die es bei vielen Themen gibt, Stichwort Asyl. Aber auch wenn ich diese Ängste nicht nachvollziehen kann, respektiere ich natürlich, wenn jemand sie hat.“

Sie selbst leben seit 2003 in einer Beziehung, aber nicht in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Könnte es jetzt sein, dass im Haus Ostenrieder bald die Hochzeitsglocken läuten?

Ostenrieder (lacht): „Aktuell ist nichts geplant. Aber zu wissen, ich könnte heiraten, wenn ich wollte, ist ein unglaublich gutes Gefühl.“

Interview: Christoph Peters

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