Bürgermeisterkandidat Tobias Kalbitzer und das Bier-Trinkspiel 

"Aalglatt ist nicht mein Ding"

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Tobias Kalbitzer beim Biertrinken: Das Video des Schongauer Bürgermeisterkandidaten sorgt bei Facebook für Furore.

Schongau – Auf Facebook ist es gerade der Hit: Immer mehr Mitglieder des sozialen Netzwerks filmen sich, wie sie eine Halbe Bier in einem Zug austrinken. Auch Schongaus Bürgermeisterkandidat Tobias Kalbitzer hat an dem Trinkspiel teilgenommen – und damit eine große Diskussion ausgelöst. Der KREISBOTE sprach mit dem 27-jährigen Heilerziehungspfleger über die umstrittene Aktion. 

Herr Kalbitzer, die Abend- und die Bildzeitung haben über Sie berichtet, Sat1 hat gleich ein Fernsehteam entsandt, im Internet gibt es seitenweise Kommentare zu Ihrem Auftritt: Haben Sie mit diesem Echo gerechnet?

Kalbitzer: „Natürlich nicht. Ich geb’ zu, ich hab’ da am Sonntagabend nicht weiter drüber nachgedacht. Für mich war es ein harmloser Spaß, Sie wissen ja, ich bin ein lockerer Typ (lacht).“ 

Bei Facebook waren mehrere Videos von Ihnen zu finden, die Sie bei der gleichen Aktion zeigten. Bei einem folgt auf das Exen noch ein lauter Rülpser... 

Kalbitzer: „Da muss ich gleich einhaken. Ich weiß auch nicht, wieso Sie oder andere Journalisten das sehen konnten. Diese Aufnahmen waren rein privat und nur für meine Freunde bestimmt. Ich habe sie mittlerweile gelöscht und finde es nicht fair, dass sie für die Berichterstattung verwendet wurden.“ 

Glauben Sie nicht, dass Sie mit der Teilnahme an dem Trinkspiel Ihrer Kandidatur geschadet haben? 

Kalbitzer: „Das weiß ich nicht. Sicher wird es Leute geben, die mich jetzt nicht mehr wählen wollen. Aber ich bin halt ein Typ, der polarisiert, das war vorher auch schon so. Aalglatt ist nicht mein Ding. “ 

Viele werfen Ihnen vor, dass Sie durch Ihr Video junge Leute zum Alkoholkonsum anstiften. 

Kalbitzer: „Ich bin doch nicht verantwortlich dafür, dass die Jugend trinkt. Mich jetzt als bösen Teufel hinzustellen, ist zu billig. Es geht um eine Halbe Bier, nicht mehr. Die CSU lädt jedes Jahr zum Schockerberg und lässt sich mit ‘ner Maß Bier in der Hand fotografieren, bei der SPD zelebriert man den Starkbieranstich. Das ist anscheinend in Ordnung. Diese Doppelmoral nervt mich.“ 

Als Kandidat für das Bürgermeisteramt stehen Sie unter öffentlicher Beobachtung. Bringt das nicht auch automatisch eine Vorbildfunktion mit sich? 

Kalbitzer: „Doch. Ich bin ja gegen Drogen und übermäßigen Alkoholkonsum, das zeigt ja schon mein Beruf. Was mich am meisten ärgert, dass bei der ganzen Sache jetzt alles andere vergessen wird. Sei es die Spendensammlungen bei den Partys oder die Besuche im Asylbewerberheim. Noch einmal: Ich habe kein Verbrechen begangen, sondern nur ein Bier getrunken.“ 

Sie haben in Ihrem Video die anderen Bürgermeisterkandidaten von CSU, SPD und UWV aufgefordert, es Ihnen gleichzutun. War Ihnen klar, dass sie der Aufforderung nicht nachkommen würden? 

Kalbitzer: „Ja. Wobei Falk Sluyterman wenigstens mit einer netten Antwort reagiert hat, in der er auf seine Studentenzeit verwiesen hat.“ 

Hand auf’s Herz: Würden Sie das Video heute noch einmal drehen? 

Kalbitzer: „Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt, sicher nicht. Es ist mir eine Lehre gewesen. Aber damit kann ich leben. Jeder macht Fehler.“

Interview: Christoph Peters

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