Es ist noch ein langer Weg

Ein Jahr danach: Wie die Arbeiten nach dem Brand des Klosters in Rottenbuch vorangehen

+
Von dem Gebäude ist fast nichts mehr zu sehen, weil es von einem Stahlgerüst eingehüllt ist. Ganz oben entsteht gerade ein Gerüstdach, damit auch im Winter gearbeitet werden kann.

Rottenbuch – Am vergangenen Mittwoch hat sich die Brandkatastrophe des Rottenbucher Klosters zum ersten Mal gejährt. Noch immer ist das Gebäude eine einzige Baustelle. Bis es wieder bezogen werden kann, wird es wohl noch gut zwei Jahre dauern – falls alles nach Plan läuft.

Ein riesiger Kran wuchtet Baumaterial von einer Ecke der Baustelle in eine andere. Überall wuseln Männer mit Helmen und staubbedeckter Kleidung umher. Das Gebäude ist in ein Kleid aus stählernem Gerüst gewickelt. Das ehemalige Bräuhaus des Klosters ist wahrlich zu einer Großbaustelle geworden. Noch immer sind die Wände mit Wasser vollgesogen.

Achim Gerbig, Gesamtleiter von Regens Wagner Rottenbuch, zeigt auf eine Brandmauer, die komplett von einem Plastikmantel umhüllt ist. Nur ein dünner Schlauch kommt daraus hervor. Er führt direkt in einen großen Behälter, dessen Boden mit Wasser bedeckt ist. „Im letzten halben Jahr wurden rund 1.000 Liter Wasser nur aus dieser Wand gezogen.“ Der Feuchtigkeitsmesser ein paar Räume weiter zeigt an diesem Tag eine Raumfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent an. „Wir haben auch immer mal wieder Tage, da sind es sogar 80 Prozent.“

Tatsächlich scheint das Löschwasser fast noch mehr Schaden als das Feuer angerichtet zu haben. Seit über einem Jahr wird das Gebäude permanent getrocknet. Und immer noch läuft aus dem Plastikschlauch bei der Brandmauer langsam aber stetig das Wasser. Besonders bitter: Unweigerlich arbeitet sich das Nass von oben nach unten durch. „Erst vor rund zwei Monaten hat man bei einer Messung festgestellt, dass das Wasser nun auch in den Wänden im Erdgeschoss angekommen ist, die zuvor trocken waren“, erklärt Gerbig.

Deshalb wurde auch große Teile der Mauerwände vom Putz freigelegt. Andere, wie eine Wand im obersten Stockwerk, müssen komplett herausgerissen werden, weil sie durch die Nässe bereits bröckeln, erzählt Gerbig und puhlt mit einem Finger in der betreffenden Mauer. Teile des Mauerwerks rieseln zu Boden.

Ein weiteres Problem: Das Wetter. Schon im Herbst 2018 wurde ein Notdach errichtet, dass einen weiteren Wassereintritt verhindern soll. Doch gerade der anstehende Winter macht die Trocknungsarbeiten nicht gerade einfacher. Deshalb wird im Moment ein Gerüstdach aufgebaut, das die Brandruine als Wetterschutz überspannen soll. Einige Meter ragt das riesige Gestell über dem Gebäude. „So hoch wie das Gerüst war auch mal das ursprüngliche Dach“, erläutert Gerbig. Doch das Dach samt dem obersten Stockwerk musste nach dem verehrenden Brand von den Einsatzkräften mit schwerem Gerät abgerissen werden. Nur so konnte man an die noch bestehenden Glutnester herankommen. Trotzdem dauerte es damals noch fünf Tage, bis auch der letzte Funken gelöscht war.

Das Gerüstdach soll also dafür sorgen, dass die Arbeiten auch über kalte Jahreszeit weitergehen kann. Gerbig erklärt zudem, dass die Temperierung des Gerüstdachs ein jahreszeitliche Herausforderung darstelle. Denn eine eventuelle Schneelast darf nicht zu groß werden. Deshalb werde sogar eine eigenen Beheizungsanlage installiert.

„Sobald der letzte Schnee weg ist, soll dann im Frühjahr 2020 der neue Dachstuhl aufgestellt werden“, blickt Gerbig in die Zukunft. Die Baugenehmigung wurde vor kurzem erteilt. Parallel dazu werde mit den Innenarbeiten begonnen. Das komplette Gebäude musste nämlich zurückgebaut werden. Estrich, Sanitäranlagen, Fliesen, Elektroverkabelung. Alles musste raus. Es ist quasi nur noch die Hülle des ehemaligen Bräuhauses übrig.

Trotzdem denkt Gerbig schon an den Einzug, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind. Zur Jahreswende 2012/22 soll es soweit sein. Wenn alles nach Plan läuft. Dann werden die Schüler der Kinderpflegeschule und der Fachakademie für Sozialpädagogik wieder einziehen können. Momentan sind sie noch in der Grundschule und extra aufgestellten Containern untergebracht. „Erst jetzt im September haben wir vier weitere Container bekommen.“

Welche Kosten der Brand verursacht hat, kann derweil immer noch nicht genau beziffert werden. „Zwei Sachverständige der Versicherung sind noch dabei den Schaden zu bewerten.“ Aber man gehe von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Die Wiederaufbaukosten des zerstörten Gebäudes übernimmt zwar die Versicherung. Doch Regens Wagner muss als Träger für zusätzliche Kosten aufkommen, wie Gerbig bemerkt. „Wir mussten eine neue Infrastruktur anlegen, mit neuen Wegen. Auch die Container für die Schüler müssen wir selbst bezahlen.“

Wie es überhaupt zu der Brandkatastrophe kommen konnte, wurde nie abschließend erklärt. Die zuständige Staatsanwaltschaft in München geht zwar von einer fahrlässigen Brandstiftung aus. Vermutlich durch die Arbeiten bei der Sanierung des Dachstuhls. Ein Verantwortlicher konnte aber nicht ermittelt werden. Daher wurde das Verfahren Anfang des Jahres eingestellt.

Stephanie Novy

Auch interessant

Meistgelesen

Tag der offenen Tür im GRAFICUM
Tag der offenen Tür im GRAFICUM
Erfolgreiche 2. Schongauer Weinnacht
Erfolgreiche 2. Schongauer Weinnacht
Peitinger Bierfestival vorzeitig beendet
Peitinger Bierfestival vorzeitig beendet
Spatenstich für Welpen-Station auf dem Rottenbucher Sonnenhof
Spatenstich für Welpen-Station auf dem Rottenbucher Sonnenhof

Kommentare