Denkmal für das "Bergbauland"

Festakt zu "50 Jahre Bergwerkschließung" in Peiting

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Zahlreiche Zuschauer waren dabei, als am Samstag das Bergbau-Denkmal am Peitinger Kreisel eingeweiht wurde.
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Zahlreiche Zuschauer waren dabei, als am Samstag das Bergbau-Denkmal am Peitinger Kreisel eingeweiht wurde.
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Zahlreiche Zuschauer waren dabei, als am Samstag das Bergbau-Denkmal am Peitinger Kreisel eingeweiht wurde.

Peiting – Am 28. Juni 1968 schlossen sich die Türen der Schachtanlage Peiting als Zweig des Kohlebergwerks Peißenberg für immer; ein Ereignis, das für die damaligen Bergleute als Trauertag in die örtliche Geschichte eingehen sollte. Nun, 50 Jahre später, gedachte der Markt Peiting diesem Datum. Mit einem Festakt, aber auch einem Rückblick auf die Geschichte des Bergbaus und seine Auswirkungen auf das örtliche Leben. Als sichtbares Zeichen der Erinnerung an diese entbehrungsreiche, aber durchaus schöpferische Zeit konnte zeitgleich am vergangenen Samstag am Kreisel an der Bahnhofstraße ein Kunstwerk eingeweiht werden.

Rund 300 Personen des öffentlichen Lebens, aber auch aus der Zeit des aktiven Bergbaus in der Marktgemeinde, waren offiziell zum Festakt geladen – rund dreimal so viel Zuschauer sollten es am Ende sein: Sie alle waren am vergangenen Samstag zum Parkplatz am Kreisel an der Bahnhofstraße gekommen, um der Einweihung des Bergwerkdenkmals beizuwohnen. Sichtlich überrascht, aber auch erfreut darüber, zeigte sich Bürgermeister Michael Asam, der die Eröffnung der Gedenkfeier übernommen hatte. Man könne wohl darüber streiten, sagte er in seiner Begrüßung, ob man ein Fest feiern solle, weil etwas geschlossen worden sei. Umso mehr wolle man gerade dieser Schließung im 50. Jahr gedenken. 

Gegen einige Kritik habe man sich, gemeinsam mit dem Gemeinderat, für ein Kunstwerk statt nur Bepflanzung am Kreisel ausgesprochen. „Wir wollen hier ein Denkmal unterbringen, das auf den Bergbau, der für den Ort sehr prägend gewesen war, hinweist“, sagte Asam. Auch möchte er an die andere Lebenskultur erinnern, die diese Zeit mit sich brachte, da­runter den vielzitierten „Peitinger Geist“, der auch heute noch eine Rolle spiele. Gleichzeitig sprach Asam den Kumpeln seinen Respekt aus, dieser „besonderen Art von Menschen“ und deren Begeisterung für ihren Beruf – und das rund 1.000 Meter unter der Erde. „Diese Kultur gehört für Peiting spürbar erhalten“, schloss der Rathaus­chef, bevor er das Wort an Adolf Kapfer, Ehrenringträger der Gemeinde Peiting und ehemaliger Kumpel des Bergwerks, übergab.

In gewohnt launigen Worten brachte Kapfer anschließend die Rede auf das Zusammenspiel zwischen dem Gewerbe, der Gemeinde und den Bürgern, wie es der Bergbau vermochte. Auch für ihn gehöre das durch ein Kunstwerk ausgedrückt, ein Kunstwerk als eine Art Denkmal, und er sei der Marktgemeinde dankbar, einen Künstler dafür gefunden zu haben. „Ich halte es für ein sehr gelungenes Denkmal“, sagte Kapfer, an eben dieser Stelle, der als visueller Abschnitt des Ortsteiles stehe, den der Bergbau hervorgebracht habe – das sogenannte „Bergbauland“ zwischen Unteregg-, Lory-, Bahnhof- und Bergwerkstraße. „Das Gewerbe hätte hier nicht floriert ohne das Bergwerk“, sagte Adolf Kapfer, auch der Hausbau und die Siedlungsentwicklung seien daraus hervorgegangen. Doch wäre alles nichts geworden ohne die Hauer; sie hätten den Betrieb aufrechterhalten, sie waren „die Herzkammer“ des Bergwerks.

Obwohl er anfänglich nicht mit einem „historischen Zahlensalat“ aufwarten wollte, gelang es Adolf Kapfer mit einigen eindrucksvollen Daten und Fakten, die Zeit des Bergbaus wiederzubeleben. Als damals zum Start des Bergwerks schweres Gerät in den Ort heranrückte, sei ganz Peiting auf den Beinen gewesen, um diesem Ereignis beizuwohnen, erinnerte Kapfer. Für manchen Peitinger sei dies die erste Begegnung mit einem Lkw gewesen. Weiter berichtete Kapfer, dass über die gesamte Förderzeit bis zur Schließung im Jahre 1968 rund 7,6 Millionen Tonnen verwertbare Kohle gefördert worden seien. Ein Zug mit dieser Ladung hätte eine Länge von etwa 4.000 Metern – auch das Zahlen, die vom Publikum auf dem Festgelände mit Staunen quittiert wurden.

Das Bergwerk selbst hatte für Peiting „allerhöchste Ausmaße“, wie Kapfer berichtete. Hatte die Marktgemeinde im Jahre 1910 noch rund 1.900 Einwohner, sollte sich das bis in die 60er Jahre – den florierenden Bergwerksjahren – deutlich steigern: knapp 8.000 Bürger hatte Peiting zu Beginn dieses Jahrzehnts und damit fünf Mal so viel wie zur Eröffnung des Bergwerks, erklärte er. Im Rückblick habe ihn besonders die Zusammengehörigkeit mit dem Ort und dessen Bewohner, aber auch der legendäre Zusammenhalt unter Tage geprägt. Ein „Mordskonjunkturprogramm“ sei der Bergbau gewesen, sagte Kapfer stolz.

Etwas „Menschelndes“ in Sachen Fakten hatte der Ehrenringträger, zur Erheiterung des Publikums, auch noch im Gepäck. So erklärte Kapfer, sei das Bergwerk die „Nachrichtenbörse Nummer eins“ in Peiting gewesen. Egal, ob Geburten, Hochzeiten, Scheidungen oder den einen oder anderen Fehltritt – jeder habe nach Schichtwechsel gewusst, was im Ort so los sei, erzählte Kapfer vergnügt. Innerbetriebliche Frotzeleien, auch das habe es gegeben, wovon auch die Obrigkeit nicht ausgenommen worden war. Dennoch sei es herzlich geblieben, seien Sanktionen darauf nicht gefolgt. Unzählige Familienfreundschaften seien aus dieser Zeit hervorgegangen, das Bergwerk ein „lebender Organismus“ gewesen. „Das Bergwerk war unser Leben und hat unser Leben im Ort geprägt“, schloss Kapfer seine facettenreiche Rede, die ihm viel Applaus einbrachte.

Unter passenden Klängen der Peitinger Knappschafts- und Trachtenkapelle wurde anschließend gemeinsam – unter Mithilfe von Bürgermeister Michael Asam, Alt-Bürgermeister Klement Sesar sowie Adolf Kapfer – der große Überwurf vom Kunstwerk am Kreisel entfernt. Anschließend erging durch die beiden örtlichen Pfarrer Dirk Wollenweber und Robert Kröpfl die Segnung des Kunstwerkes, das von Künstler Marinus Wirtl geschaffen worden war. Musikalisch als auch kulinarisch ging es dann im Anschluss weiter.

Gegen 22 Uhr beendeten die Knappschafts- und Trachtenkapelle, der Männerchor und der Trommlerzug mit einer „Bergmännischen Serenade“ den Veranstaltungstag. Passend dazu zeigte sich das Kunstwerk bei Einbruch der Dämmerung „erleuchtet“. 

Regine Pätz

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