Dorf fast komplett eingeäschert

Erinnerungen an Bernbeurens Feuerkatastrophe vor 300 Jahren

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In dem Anwesen in Bernbeuren, wo heute das Gasthaus „Doldewirt“ steht, brach 1720 der verheerende Brand aus.

Bernbeuren – In einer stürmischen Sommernacht brach am 1. Juni 1720 im Anwesen, wo heute das Gasthaus „Doldewirt“ steht, ein Brand aus, der rasch auf die mit Stroh oder Holzschindeln gedeckten Nachbarhäuser übergriff. Bis auf fünf Anwesen, wahrscheinlich jenseits des Dorfbaches, heute „am Graben“, wurden alle Häuser in Bernbeuren eingeäschert.

Auch die Pfarrkirche, die Marienkapelle und der Pfarrhof brannten nieder. Mit dem Pfarrhof verbrannten auch die meisten Dokumente, Taufbücher und Urkunden. Für längere Zeit gab es nun die Pfarr­angehörigen keinen Gottesdienst mehr im Dorf, da ein Wiederaufbau der Pfarrkirche nicht so schnell geschehen konnte. So wurde die ebenfalls ausgebrannte Marienkapelle notdürftig instand gesetzt, um bald wieder ein Gotteshaus für die Gottesdienste zu haben.

Nahezu alle Bewohner des Dorfes waren obdachlos, ohne Hab und Gut und standen buchstäblich vor dem Nichts. Gerettet wurden wohl das Vieh und etwas Hausrat. Da auch das Mesnerhaus abgebrannt war, das zugleich Schulhaus war, konnte auch für längere Zeit keine Schule gehalten werden. Nach den Aufräumarbeiten mussten die Bewohner des Dorfes eiligst darangehen, ihre Höfe mit Stallungen wieder aufzubauen, um für sich und das Vieh Schutz vor dem kommenden Winter zu haben.

Heute erinnert ein Gedenkstein an das damalige Unglück.

Um so erstaunlicher ist es, dass die Bernbeurer Bürger noch im Jahr der Brandkatastrophe, also 1720, planten, die Pfarrkirche wieder aufzubauen. Als Baumeister gewann man den bekannten Meister Johann Georg Fischer, den Neffen des berühmten Füssener Baumeisters Johann Jakob Herkomer. Die Pfarrkirche in Bernbeuren ist eines seiner Frühwerke, später errichtete er weitere Kirchen und Kapellen, so in Marktoberdorf, Steinbach, Bertoldshofen, Bidingen und Dillingen. Der Wiederaufbau der Pfarrkirche war eine schwere finanzielle Belastung für die Pfarrei. So kam am 6. August 1721 der begonnene Kirchenbau aus Mangel an Geld ins Stocken. Erst auf vielfältige Bitten der Gläubigen stellte der Bischof von Augsburg 500 Gulden aus den Einnahmen des Probstamtes Füssen leihweise zur Verfügung. Gleichzeitig nahm die Kirchenstiftung von vielen anderen Kirchen aus der Umgebung Anleihen auf, so von Lindenberg 500 Gulden, von Rettenberg 250 Gulden, von einzelnen Kirchen der Pflege Buchloe 300 Gulden, weitere Beträge von den Kirchen in Stötten, Bidingen und Bertolds­hofen. An der Schuldenlast, die sich die Kirchenstiftung damit aufbürdete, hatte sie jahrzehntelang zu tragen.

Um so bewundernswerter und lobenswerter ist es aber, dass man die Arbeiten am Kirchenbau an damals geschätzte und bekannte Baumeister und Künstler vergab, was das Bauwerk sicher verteuerte. Besonders auch für die Innenausstattung, die sich bis 1755 hinzog, engagierte man neben dem einheimischen Altarbauer Paul Pfeiffer auch den berühmten Bildhauer Anton Sturm aus Füssen. Die Steine zum Kirchenbau wurden dem Dorfsteinbruch bei Riedhof entnommen und der Scharwerksdienst, also Fuhrwerksdienste und Handwerksleistungen, wurden von den Leuten des Dorfes weitestgehend gerne geleistet.

Noch heute kommt es bei Umbauten von alten Häusern in Bernbeuren vor, dass Brandschutt in der Erde gefunden wird.

Heinz Engl

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