Jahresgespräch in Herzogsägmühle:

Der Blick geht schon voraus

+
Blickten zurück auf das Jahr 2017 und voraus auf das im nächsten Jahr anstehende 125-jährige Jubiläum von Herzogsägmühle: Direktor Wilfried Knorr und die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Sabine Keyser mit dem Jubiläums-Shirt.

Herzogsägmühle – Unter dem Motto „Der Zukunft Gestalt geben“ ist das Jahr 2017 in Herzogsägmühle zu Ende gegangen. Doch beim Jahresgespräch ging es Direktor Wilfried Knorr nicht nur um die Zukunft, sondern auch um die Vergangenheit. Denn bald blickt die Einrichtung auf ihre 125 Jahre dauernde Geschichte zurück.

Eine große Rolle spielt für Direktor Wilfried Knorr auch weiterhin das alternative Wirtschaftsmodell der Gemeinwohl-Ökonomie. Erst im vergangenen Jahr hatte das Diakoniedorf dafür die Zertifizierung erhalten. „Spannende Entwicklungen im Hinblick auf Energie, Mobilität und Mitarbeiterbeteiligung“, konnte Knorr seither in dem Unternehmen beobachten.

Vor allem die Stromversorgung hat der Direktor des Diakoniedorfs im Blick: Momentan wird der Strom der Blockheizkraftwerke eingespeist. Jedoch gehe die Förderung dafür immer weiter zurück und eine Einspeisung sei kaum noch rentabel. Knorr plant daher einen Stromspeicher auf Herzogsägmühler Flur zu errichten. Dabei handele es sich um unterirdische Akkus, die in etwa die Fläche eines Fußballfeldes einnehmen. Rund eine halbe Million Euro kosten solche Batteriespeicher, hinzu kommen natürlich noch die Einbauarbeiten. Trotzdem rechnet Knorr damit, dass sich die Investition in drei bis vier Jahren amortisiert hätte. Bebaut werden könnte das Areal dann allerdings nicht mehr. Der Direktor sieht das Vorhaben in den nächsten zwei Jahren als realisierbar an.

Gemeinsam mit dem ADAC will man außerdem etwas in Sachen Mobilität tun. Durch eine spezielle Mitfahr-App für öffentliche Träger sollen die Dienstfahrten – immerhin laut Knorr 21 Millionen Kilometer pro Jahr – besser genutzt werden. Zunächst sei das natürlich nur für Mitarbeiter und Hilfeberechtigte möglich, bei privaten Fahrten scheitert das Vorhaben bisher noch am Datenschutz. Durch die vielen Kurzstrecken sind auch E-Autos von Interesse für das Unternehmen. Mittlerweile gehören bereits sieben zum Fuhrpark.

Mehrere Bauprojekte

Neben den Entwicklungen in der Gemeinwohl-Ökonomie, kann Direktor Knorr auch über zahlreiche Bauprojekte des Diakoniedorfes berichten. So steht der Lindenhof kurz vor der Fertigstellung. Die „Casa Verde“ mit Sozialräumen für die Gärtnerei und Appartements für anerkannte Flüchtlinge sowie Menschen mit Behinderung ist bereits fertig und wird am heutigen Mittwoch eingeweiht. Mit einem Wohnbauprojekt, das Herzogsägmühle gemeinsam mit der Gemeinde Peiting am Roten Berg realisieren möchte (wir berichteten) könne voraussichtlich nächstes Jahr gestartet werden, hofft Knorr. Etwa 60 Wohneinheiten sollen hier entstehen. „Die Kommune und Herzogsägmühle wachsen so zusammen“, sagt Knorr. Das dürfte auch die in der Peitinger Schönriedlstraße geplante mechanische Werkstatt betreffen, die der erste Ausbildungsbetrieb des Diakoniedorfes außerhalb Herzogsägmühle werden soll. Die Baupläne dafür sind schon durch, kündigt der Direktor an.

Zudem soll der Dorfplatz aufgewertet werden. Mittelpunkt soll ein Brotbackhaus, das gemeinsam genutzt werden kann, werden. Die Maßnahme, wünscht sich Knorr, soll bis 2019 realisiert sein, denn dann steht ein wichtiges Ereignis im Diakoniedorf an: das 125-jährige Jubiläum. Natürlich ein Grund für ein ausgiebiges Festprogramm. 125 Bäume sollen gepflanzt werden, ein Staffellauf wird organisiert sowie ein sozialpolitisches Streitgespräch wird stattfinden. „Trotzdem wollen wir das Jubiläum auch kritisch anpacken“, sagt der Direktor. Insbesondere in der Epoche des Dritten Reiches, aber auch noch in der Heimerziehung der 50er bis 70er Jahre, sei Hilfeberechtigten bitteres Leid zugefügt und Unrecht angetan worden.

Was 2015 scheiterte, könnte nun bald Realität in Herzogsägmühle werden: Die Umwandlung in eine GmbH sei „in der Mache“, wie Knorr bestätigte. Frühestens könne dies aber im Mai 2019 – rückwirkend dann zum 1. Januar 2019 – erfolgen. Im Gespräch für einen Namen sei „Diakonie Herzogsägmühle GmbH“. Die Begründung für die notwendige Umwandlung liegt im Bundesteilhabegesetz. Da die Trennung der Leistungen für Lebensunterhalt und Betreuung erfolgt ist, werden Mietverträge notwendig. Konkret bedeute das: „Der Verein bleibt Besitzer, Betreiber wird die GmbH“, sagt Knorr. Für die Mitarbeiter und auch sonst ändere sich nichts. 

Astrid Neumann

Auch interessant

Meistgelesen

Sparkasse Oberland unterstützt Vereine und Institutionen im Altlandkreis Schongau
Sparkasse Oberland unterstützt Vereine und Institutionen im Altlandkreis Schongau
Brunnen bleibt bis Weihnachten ein Ausschank
Brunnen bleibt bis Weihnachten ein Ausschank
Altenstadter Franz-Josef-Strauß-Kaserne bekommt Windtunnel
Altenstadter Franz-Josef-Strauß-Kaserne bekommt Windtunnel
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum

Kommentare