»Wir wachsen zusammen«

Jahresrückblick der Diakonie Herzogsägmühle: Corona verursacht »namhaftes Defizit«

Die Großküche in Herzogsägmühle, das sogenannte Culinarium, konnte im vergangenen Jahr fertiggestellt werden.
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Die Großküche in Herzogsägmühle, das sogenannte Culinarium, konnte im vergangenen Jahr fertiggestellt werden.
  • Astrid Neumann
    vonAstrid Neumann
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Herzogsägmühle – Im vergangenen Jahr hatte man bei der Diakonie Herzogsägmühle das traditionelle Jahrespressegespräch Pandemie-bedingt ausfallen lassen. Heuer setzte Geschäftsführer Wilfried Knorr lieber gleich auf den digitalen Weg, um über Geschehnisse und Pläne zu berichten. 

Trotz Corona sei es nicht zu einem totalen Stillstand in der Unternehmensentwicklung gekommen, wie Knorr zu Beginn seines Jahresrückblickes verdeutlichte. Viele Dinge seien durch Corona gelähmt. Gerade die Jugendhilfe sei „hart gebeutelt“ worden. Nicht zuletzt steht außerdem ein „namhaftes Defizit“ von zirka 1,8 Millionen Euro unter 2020. Dieses Jahr können die Rücklagen das Defizit noch auffangen, so Knorr. Wie es aber weiter geht, das sei noch völlig ungewiss: „Irgendwann wird‘s eng.“

Ob sich der Vorstand auf vier Mitglieder erweitern soll, war Gegenstand weitreichender Überlegungen im vergangenen Jahr. Am Ende lautete die Antwort „ja“: Andrea Betz stößt nun in die Führungsriege zu theologischem Vorstand Pfarrer Thorsten Nolting, Finanzvorstand Hans Rock und Fachvorstand Herzogsägmühle Wilfried Knorr. Hier gelte es nun, sich die Arbeit aufzuteilen, so Knorr im Pressegespräch in der vergangenen Woche.

Neben strukturellen Veränderungen sind einige Bauvorhaben im vergangenen Jahr planmäßig vorangeschritten bzw. wurden fertiggestellt. So konnte im Herbst das Bauvorhaben der Gemeinschaftsküche – das sog. „Culinarium“ – abgeschlossen werden. Weitere Bauvorhaben haben weitere Schritte vollzogen: Sowohl der letzte Bauabschnitt von Haus Obland, dem Zentrum der Arbeit für suchtkranke Menschen, als auch der Neubau des Förderzentrums für 24 Menschen mit schwer-mehrfacher Behinderung an der Oblandstraße können 2021 voraussichtlich fertiggestellt werden. Weitere 24 solche Plätze werden außerdem in Weilheim entstehen, so Knorr.

Nach dem Großbrand der Licht- und Wachsmanufaktur konnte mit der Sanierung begonnen werden. Perspektivisch wird die im angrenzenden Gebäude beheimatete Werksfeuerwehr eine neue Fahrzeughalle benötigen, so dass die Wachszieherei mehr Platz bekommen wird. „In zirka zwei Jahren“, gab Knorr eine Perspektive für den Neubau, der gegenüber der „Wühlkiste“ entstehen soll.

Besonders freut sich der Geschäftsführer über ein kommunales Wohnbauprojekt am nördlichen Ortsrand von Herzogsägmühle. Bis zu 60 Wohneinheiten und somit ein ganzes inklusives Quartier könnten hier entstehen. „Peiting und Herzogsägmühle wachsen zusammen“, so Knorr, der mit dem Spatenstich noch im Herbst rechnet.

Berichtet wurde im Vorjahr zum bevorstehenden Nutzungsende des Schöneckerhauses als Pflegeeinrichtung; mit umfassender Beteiligung aller später Betroffenen sei in Arbeitsgruppen das Konzept für die „Pflege der Zukunft“ erarbeitet worden. Ein in Planung befindlicher Neubau unter der Regie der Tochterfirma der Inneren Mission München, der Hilfe im Alter gGmbH, ist inzwischen projektiert. „Der Umfang des Vorhabens erfordert aber eine sehr sorgfältige und weitsichtige Überprüfung der wirtschaftlichen Konsequenzen; ohne die Einwerbung umfassender Fördermittel wird das Bauvorhaben nicht einfach zu realisieren sein“, fasst Knorr zusammen.

Das Jahr 2021 nun steht unter dem Motto „Selbstbestimmung und Fürsorge“ – mit einem bewusst gewählten Bezug zu Corona. „Mit der Idee des Staates, Menschen zu ‚Risikogruppen‘ zu erklären – ohne diese zu fragen, ob sie das auch wollen! – und sie dann fortlaufend vor einer Infektion schützen zu wollen, bekam die immerwährende Frage der ‚richtigen‘ Sozialarbeit einen neuen Akzent“, sagt Knorr. Die Frage laute doch: Dürfen wir Menschen unsere Fürsorge überstülpen oder nur anbieten? „Es gibt darauf weder in Corona-Zeiten noch in anderen Jahrzehnten eine einfache Antwort“, so das abschließende Fazit Knorrs.

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