Tagung in Wildsteig:

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den heimischen Wald

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Wie der Wald aussieht, den man den nächsten Generation übergeben wird, war das Thema in der Gemeindehalle. Das Interesse war groß.

Wildsteig – Das Klima ändert sich, auch im Wald, das ist das Fazit von Ralf Petercord. Als einer von einem halben Dutzend Referenten sprach der Mitarbeiter am Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über das Thema „Wo steht der Wald im Klimawandel“. Die Gemeinde Wildsteig war Gastgeber der Fachtagung Wald. Eine, so Bürgermeister Josef Taffertshofer, „Mut-mach-Veranstaltung“, bei der er mehr als 200 Interessierten in der Gemeindehalle begrüßte.

Den Wald für unsere Kinder zukunftsfähig zu gestalten, das stand als allgemeines Thema über der Veranstaltung, zu der diverse Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften, die Arbeitsgemeinschaft waldgerechte Jagd, Jagdgenossenschaften sowie die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft eingeladen hatten.

Es ging um die Herausforderungen für Waldbesitzer und Forstwirte, das Thema Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sowie um eine waldorientierte Jagd – und Eigenbewirtschaftung sowie die aktuellen politischen Rahmenbedingungen.

Kanarienvogel Fichte

Was der Kanarienvogel für die Bergleute war, ist heute für die Forstwirtschaft die Fichte. Und der sogenannte Brotbaum der Waldbesitzer zeige klar an, dass sich das Klima im Wald ändere, so Dr. Ralf Petercord, der in Bonn am Ministerium arbeitet. Seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen 1881 sei die durchschnittliche Temperatur zwar nur um 1,6 Grad Celsius gestiegen. Das klinge gering, doch die Jahre, in denen die Durchschnitts­temperatur in Deutschland über 9,5 Grad Celsius lag, werden zahlreicher. Seit 1980 habe das Thermometer 16 Mal diese Marke im Mittel überstiegen. Damit einher gehen Veränderung des Niederschlages, des Witterungsverlaufs und der Vegetationsperiode.

Was sich aber nicht verändern werde, sei die geographische Lage Deutschlands. „Wir bekommen eben kein Mittelmeerklima“, so Petercord. Auch die Jahreszeiten würden sich nicht ändern, ebenso wenig wie die Tageslängen, die je nach Klimazone unterschiedlich sind. Deshalb bekomme man „ernsthafte Probleme“ in Deutschland.

"Ernsthafte Probleme"

Dies allein an einer Temperaturmarke aufzuhängen sei Quatsch, so Petercord. Er zeigte, dass sich die so genannten Glockenkurve, die alle Temperaturwerte im Jahreslauf im Mittel zeigt, nicht nur um zwei Grad Celsius verschieben werde. Tatsächlich, so Petercord, würde der Mittelwert schwächer ausfallen, dafür aber die Extremwerte wie Hitze und Kälte länger andauernd. Deshalb müsse man zu einer Neubewertung des Ökosystems Wald kommen. Und entsprechend handeln, bis sich das Klima stabilisiert hat.

„Das Problem ist nicht nach drei Jahren abgehakt“, man könne davon ausgehen, dass jede Baumart von den Klima­extremen betroffen sein werde. Anhand des Borkenkäfers zeigte Petercord die Entwicklung und resümierte, dass vor allem handwerkliche Fehler zur aktuellen Situation im Forst geführt hätten. Da sei etwa Hessenforst zu nennen, die einfach die Situation nach dem letzten großen Sturm für erledigt erklärt hatten. Aber nicht, weil sie bereinigt worden wäre. Sondern weil im rot-grün regierten Hessen der Forstverwaltung das Geld fehlte, um den Borkenkäfer weiter zu bekämpfen.

Doch wie sieht die Zukunft aus? Schäden, so Petercord, würden unabhängig von der Bewirtschaftung auftreten, im Nationalpark ebenso wie in den privaten Wäldern oder „Plantagen“. Der Wald sei anfällig und vor allem private Besitzer oftmals überfordert mit der Erkennung und der Bekämpfung.

Darüber hinaus gebe es massive strukturelle Probleme bei den Forstverwaltungen aufgrund fehlender Fachkräfte. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Waldbesitzer resignieren und angesichts der schlechten Marktpreise ihre Arbeit einstellen. Und mit Blick auf den Baum für das nächste Jahrhundert verwies er auf die Forschung, die sich mit der nicht-heimischen Herkunft unserer heimischen Baumarten beschäftigt, etwa der Iranischen Buche. Es brauche eine schlagkräftige Aufarbeitung und Vorsorgemaßnahmen. Für den nachhaltigen Umbau des Waldes brauche es „ein entschlossenes und gemeinsames Handeln aller Akteure“.

gau

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