Für jedes Lebensjahr 100 Kilometer heruntergestrampelt

Perpetuum mobile Johann Gast

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Sieht man so einem Gesicht die 87 Lenze an? Hans Gast kostete das tolle Wetter bis zur letzten Minute mit seinem Mountainbike aus.

Peiting – „Bewegung ist alles, auch im Alter”, ist die Devise von Johann Gast. Daran hielt sich der sportliche Senior die letzten Jahre. Obwohl, Sport getrieben hat er ein Leben lang. Ein „Hans“ Gast ohne Sport ist wie ein Brot ohne Butter, wie ein Teich ohne Fische. Im letzten Jahr hatte er sich wieder eine ganz persönliche Aufgabe gestellt.

Er ist gewissermaßen ein Perpetuum mobile. Einmal im Sattel seines Mountain-Bikes und in Gang gesetzt, dann gibt es keinen Halt mehr für den Hans. Dann wird in die Pedale getreten. Kräftig und gleichmäßig. Rollt die Kiste, hat Hans den Blick frei für Landschaft und Natur. Er ist kein Raser der Landstraßen, Hans ist Genießer. Ein stiller Genießer, der mit all seinen Sinnen die Umgebung erfühlt. Ach ja, eines muss unbedingt noch gesagt werden, um sich ein Bild von Hans machen zu können. Vor Kurzem hat er seinen 87. Geburtstag gefeiert. In Worten: siebenundachtzig. Platt, ha?

Hans Gast hat in vielen Sportarten mitgemischt. Beim Windsurfen tobte er sich im Sommer auf dem Wasser aus, in den Wintermonaten zog es ihn fast täglich auf die Zugspitze. Nicht etwa um im Liegestuhl sich die fast unverschämte Bräune zu holen, Hans graste die Hänge ab. Diese waren seine Welt. Dann kam dieser Trümmerbruch im Fuß. Ausgerechnet seine geliebte Zugspitze hatte ihn auf dem Gewissen. Scheiß Spiel. Trümmerbruch, was wird bleiben?

Die ersten Gehversuche eine Qual. Hans gibt nicht auf. Bewegung auf dem Radl. Das ist es. Einfach, aber effektiv. Dann kommt der Ehrgeiz, immer ein paar Kilometer mehr zu trampeln. Die neue Leidenschaft ist entdeckt. Hans lässt sich auch nicht unterkriegen, als er drei Jahre später einen ungewollten Salto vom Rad macht. Brustwirbel gebrochen, Knie demoliert, harte Nahrung kann nicht mehr gekaut werden. Die Zähne kontakteten mit dem Straßenbelag. Auch jetzt rappelt er sich wieder auf, genießt erneut die Natur vom Drahtesel aus. Den Schlüsselbeinbruch vier Jahre später nimmt er mit links.

Tausende von Kilometern strampelt Hans in jedem Jahr herunter. So auch wieder im vergangenen Jahr. Um sich dabei ein Ziel vorzugeben, hatte er im Frühjahr eine Idee. Während einer Ruhepause an einem von ihm geliebten Platz, der Creszentia Kapelle bei Dienhausen, zeigte er Dankbarkeit ob seiner Gesundheit trotz hohen Alters. Hans nahm sich vor, für jedes einzelne Lebensjahr genau 100 Kilometer herunterzuradeln. Nach Adam Riese also 86 mal 100 plus das eine laufende Jahr. Am 25. Oktober ist es geschafft. Hans hat seine sich selbst auferlegte Schallmauer durchbrochen. 8 700 Kilometer kann er in sein Logbuch eintragen. Die Zahl ist dem Sportoldie jedoch nicht rund genug. Er setzt noch 300 Kilometer drauf und beendet diese Saison mit 9 000. Und das mit 87 Jahren, wohlgemerkt. Da drehen andere schon lange mit einem Rollator ihre Runden.

Bei der Frage nach seinem Ziel für dieses Jahr bekommt man nur ein so typisches Hans Gast Lächeln. Verschmitzt und noch nichts verratend: „Da bin i wieder aufm Radl.“

von Hans-Helmut Herold

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