Josefi-Feier in Hohenpeißenberg

Bruder Johann teilt kräftig aus

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Bruder Johann alias Hans Seidl verschonte die Hohenpeißenberger Kommunalpolitiker in seiner Rede, teilte aber gegen die Nachbargemeinde Peißenberg ordentlich aus.

Hohenpeißenberg – Was für ein Stilbruch: Da lädt die Hohenpeißenberger Knappschafts- und Trachtenkapelle („KnaTra“) zu ihrer traditionellen Josefi-Feier ein, und was macht Bürgermeister Thomas Dorsch? Er trinkt nur Wasser. Der Rathauschef hat sich bis Ostern eine strenge Fastenzeit auferlegt. Wobei: Ein paar Schluck vom Doppelbock hätte sich Dorsch zur Josefi-Feier gerne gegönnt. Dumm nur, dass sich die Abstinenz des Gemeindeoberhaupts bis zur KnaTra herumgesprochen hatte. Und so bekam der Bürgermeister beim offiziellen Festbeginn von Kapellenchef Peter Wiesmüller eben nur Wasser eingeschenkt: „Man sollte halt nicht alles herumerzählen. Aber es ist ja auch gut, wenn man das Fasten durchhält“, witzelte Dorsch.

Bruder Johann alias Hans Seidl wartete in seiner Josefi-Predigt mit einer ganz eigenen Erklärung für die Enthaltsamkeit des Rathauschefs auf. „Wisst Ihr eigentlich, warum unser Bürgermeister in letzter Zeit so im Stress ist und nur noch Wasser trinkt?“, fragte er die versammelte Starbiergemeinde im Haus der Vereine - um die Antwort gleich selbst zu geben: „Weil er so viel mit dem Auto fahren muss, um der ‚Palmen-Gaby‘ (Anm. d. Red.: gemeint ist Aufwind-Gemeinderätin Gabriela Seitz-Hoffmann) sämtliche Bauvorhaben im Ort vorab zu zeigen.“

Es war eine der wenigen Passagen in Johanns Rede, die sich mit der Hohenpeißenberger Kommunalpolitik beschäftigten. „Mich interessiert die Weltpolitik derzeit mehr“, gab der Josefi-Prediger zu. Da war unter anderem vom „Vanillekipferl Trump“ die Rede und von der „anatolischen Bergziege aus der Türkei“. Über Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kehrte Johann wieder zum regionalen Geschehen zurück. Die KnaTra hätte demnach gerne bei der Eröffnung der Hamburger Elb-Philharmonie gespielt. „Doch der Dobrindt hat angerufen und gemeint, wir sollen daheimbleiben, weil die Umgehung könnte ja jeden Augenblick fertig werden – und so hält sich die KnaTra seit 2013 jährlich einen Termin zur Einweihung frei“, spöttelte Johann.

Auch auf die Frage, warum sich der Straßenbau so lange hinzieht, hatte sich der Starkbierprediger eine Antwort zurechtgelegt: „In Wirklichkeit dauert es bloß solange, weil sich unser Thomas mit dem Dobrindt nicht einig wird, ob wir die Maut für die Straße selber einschieben.“

Johann lästerte zudem über den teuren Berufsschulneubau („Nicht jeder Landrat braucht ein Denkmal“) und über die Nachbargemeinde Peißenberg, die finanziell gesehen „das Berlin des Landkreises“ sei – „trotz fertigen Flughafens in Paterzell“. Und dann arbeitete sich Johann am neuen „Minikreisverkehr“ auf Peißenbergs Ortsdurchfahrt ab. Der sei so klein, „dass man ihn gar nicht sieht“. Wobei: Auch in Hohenpeißenberg könne man ja Kreisverkehre bauen. Johann schlug unter anderem den „Hetten-Kreisel“ mit eigener Ausfahrt zum Badeweiher vor – oder den „Bergkreisel mit unserem Obelix in der Mitte und der Ausfahrt zur Schule und zum Bierdepot“ sowie den „Rigi-Alm-Kreisel“ mit Ausfahrten zum „Truppenübungsplatz“ der TSV-Fußballer und zum zufälligen Beginn des Radwegs nach Peißenberg.

Schwerpunktmäßig widmete sich Bruder Johann in seiner einstündigen Rede aber den zumeist feucht-fröhlichen Anekdoten diverser Gemeindebürger. Vor allem die Vereinsausflüge der KnaTra wurden akribisch durchleuchtet. Johanns finaler Ratschlag an die Starbiergemeinde: „Mehr lachen, weil dafür braucht man nur drei Gesichtsmuskeln. Beim ‚Böse-Schauen‘ sind es 46.“ Und: „Alle, die heute in der Rede nicht drangekommen sind, haben entweder nichts gearbeitet oder nichts geleistet.“ Oder waren nicht besoffen, hätte Johann wohl treffender formulieren können.

Bernhard Jepsen

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